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Die Zuchtwertschätzung vom April bringt Änderungen bei den Stieren

Bei der April-Zuchtwertschätzung wird der Zuchtfortschritt angepasst. Viele Stiere verlieren in diesem Zug beim Iset. Die BauernZeitung hat mit Alex Barenco von Swissherdbook über die Entwicklungen gesprochen.

In der aktuellen Zuchtwertschätzung vom April ist die jährliche Basisanpassung vorgenommen worden. Das heisst, auch in der Milchleistung wurde der Zuchtfortschritt um einige Kilogramm Milch angepasst. Bei den Simmentalern sind das -40 kg, beim Swiss Fleckvieh -43 kg und bei Holstein -117 kg Milch, die jeder Stier schon mal weniger im Zuchtwert Milch vorzuweisen hat. Auch beim Exterieur (ITP) verlieren die Stiere ein (Swiss Fleckvieh) oder zwei Punkte (Simmental und Holstein).

Der Grund bei der SF-Rasse sind nicht die C-Tiere

Die Swiss-Fleckvieh-Stiere verlieren im Durchschnitt rund 130 kg Milch. Das ist deutlich mehr als nur die Basisanpassung von 43 kg. Der Grund liegt nicht etwa – wie behauptet – darin, dass für die Zuchtwertberechnung jetzt auch C-Tiere mit einfliessen. Sondern er liegt darin, dass neu mehr A-Tiere, das heisst mehr reinrassige Swiss-Fleckvieh-Tiere, in die Zuchtwertberechnung mit einbezogen werden. «Neu bilden sechs- bis achtjährige Kühe der Rasse Swiss Fleckvieh und Herdebuchstufe A die Basis, während bisher sechs- bis achtjährige Kühe mit Rassencode Swiss Fleckvieh sowie Vater und Muttersvater der Rassen Swiss Fleckvieh oder Simmental die Basis bildeten», sagt Alex Barenco, Vizedirektor und Zuchtverantwortlicher bei Swissherdbook (siehe Interview unten).

Neu bei Simmental und Holstein

Neu gibt es auch Zuchtwerte für Methanemissionen sowie Zuchtwerte für die Klauengesundheit bei den Holstein-Stieren. Bei den Rassen Simmental und Holstein wurden die Gesamt- und Teilzuchtwerte (Iset, IPL, IFF) angepasst. Aus diesem Grund sind bei diesen Rassen grössere Veränderungen in den Zuchtwertlisten zu erwarten als bei einer normalen Basisanpassung. Für die Rassen Simmental und Swiss Fleckvieh wurden neue genetische Marker publiziert.

Die Zuchtwertschätzung vom April bringt Änderungen bei den Stieren
Bei den Holsteinstieren gab es grosse Vereschiebungen.

Neuer Leader beim Swiss Fleckvieh

Mit einem Iset von 1312 Punkten übernimmt der Stier Brooklyn neu die Spitzenposition beim Swiss Fleckvieh – obwohl er gegenüber der letzten Zuchtwertschätzung zwölf Iset-Punkte einbüsste. Mit 59 Töchtern im Exterieurbeschrieb hat der Tamino-Sohn Brooklyn nun 20 Töchter mehr im Beschrieb. Mit einem ITP von 114 Zählern (-6), musste Brooklyn vor allem in der Euternote Federn lassen.

Vom ersten auf den zweiten Rang abgerutscht ist der Stier Cem mit einem Iset von 1306 Zählern. Mit mehr Töchtern konnte sich Cem in der Milchleistung um 49 kg auf 1226 kg Milch steigern. Mit einem Iset von 1304 und 1270 folgen die Stiere Semino und Behrami. Beim Exterieur liegt der Stier Umberto (130 ITP) vor Roxel und dem neuen Stier Tommy mit je 127 Zählern. Beim IFF gibt es weiterhin kein Vorbeikommen an Lumino mit 123 Zählern. An zweiter Stelle liegt hier der Stier Swindal (121) und an dritter Stelle behauptet sich Donald (118 IFF).

Die Zuchtwertschätzung vom April bringt Änderungen bei den Stieren
Der Simmentalerstier Teo ist die Nummer 1, wenn es ums Exterieur geht.

Nummer eins bei den Simmentalern

Die neue Nummer eins bei den Simmentalern heisst Sir. Der Unetto-Sohn aus einer Flavio-Tochter aus der Zucht von Gottfried Burri aus Giffers FR kommt auf einen Iset von 1203 Zählern. Sir soll im Laufe des Sommers ins Standardangebot von Swissgenetics aufgenommen werden, da die Nachfrage nach seinem Vater Unetto noch da sei, aber immer mehr abnehme.

Auf den zweiten Platz kommt der Stier Ariello mit einem Iset von 1198 (-108) Zählern. Ariello büsste nur wenige Kilogramm Milch ein, bei gleichbleibend hohen Inhaltsstoffen. Federn lassen musste der Stier Armando. Hatte der Cyrill-Sohn bei der letzten Zuchtwertschätzung noch einen Iset von 1231, kommt er jetzt nur noch auf 1091 Zähler. Der Grund ist, dass von Armando jetzt mehr Töchter in den Zuchtwert einfliessen und dass er in der Milchleistung wie auch im Fettgehalt etwas an Boden verloren hat.

Im Exterieur führt der Stier Teo die Rangliste mit 124 Zählern weiterhin an. An zweiter Stelle kommt Alpinist (123) und an dritter Stelle der legendäre Unetto (120).

Die Zuchtwertschätzung vom April bringt Änderungen bei den Stieren
Der RH-Stier Ranger wurde weltweit eingesetzt, auch in der Schweiz. Mit einem Iset von 1398 führt er die Rangliste der RH-Stiere hierzulande an.

Der RH-Stier Ranger neu mit einem Schweizer Resultat

Auch bei den RH-Stieren gibt es einen neuen Listenführer. Der Stier Ranger hat jetzt auch ein Schweizer Resultat und kommt auf einen Iset von 1398. Ranger vererbt sehr viel Milch mit hohen Milchgehalten. Auch sein Exterieur von 125 ist bemerkenswert.

Auf Rang zwei folgt der Stier Ginger (1389) und auf Rang drei der Stier Robin (1365). Vom zweiten auf den siebten Rang abgerutscht ist der bekannte Rebel mit einem Iset von 1344 (-75). Dafür ist Rebel jetzt im Exterieur mit einem ITP von 126 neu auf Platz 1. Gefolgt vom erwähnten Ranger, Star und Avatar mit je 125 Zählern.

Die Zuchtwertschätzung vom April bringt Änderungen bei den Stieren
Der Holsteinstier Sheepster ist die neue Nummer 1: Viel Milch und hohe Gehaltswerte bringen ihm einen Iset von 1467 Punkten ein.

Änderungen bei den Holstein-Stieren

Bei den Holstein-Stieren führt die Rangliste nach Iset der Stier Sheepster mit 1467 Zählern an. Sheepster hat aber noch kein Nachzuchtprüfungsresultat in der Schweiz. Dieser Trooper-Sohn vererbt viel Milch mit sehr hohen Milchgehalten.

Mit einem Iset von 1427 folgt der Stier Enclave; auch er hat noch kein Schweizer Resultat. Erst die Nummer vier, der Stier Jazz, kann ein Schweizer Resultat vorweisen und kommt auf einen Iset von 1415. Der Listenführer der Dezember-Zuchtwertschätzung, Wendat, hat sage und schreibe 101 Iset-Punkte verloren und liegt jetzt mit 1413 Zählern auf dem sechsten Platz. Wendat hat nicht nur in der Milchleistung verloren, sondern auch in den Fitnessmerkmalen.

Der Stier Limited führt die Rangliste nach Exterieur an und kommt auf einen ITP von 134 Zählern. Er hat einen gleich hohen ITP wie Energy. Dann folgen die Stiere Haniko, Monument, Legend und Harris mit je 133 ITP-Zählern.


Nachgefragt bei Alex Barenco: Die Gründe der Zuchtwert-Verbschiebungen und wie diese berechnet wurden


Beim Swiss Fleckvieh verliert jeder Stier im Durchschnitt rund 130 kg Milch. Das ist deutlich mehr als nur die Basisanpassung. Was sind die Gründe dafür?

Alex Barenco: Zuchtwerte sind Schätzwerte für das genetische Potenzial eines Tieres, die auf einer Referenzpopulation basieren und den Vergleich zwischen Tieren ermöglichen. Die Basis entspricht dabei dem Durchschnitt der Referenzpopulation (0 für Milch, 100 für Indizes, 1000 für den ISET). Im April wurde die Basis angepasst. Einerseits ergibt sich für die Rasse Swiss Fleckvieh ein Effekt von rund -43 kg Milch aufgrund des jährlichen Zuchtfortschritts (Basisanpassung). Andererseits wurde die Definition der Referenzpopulation angepasst und mit jener der anderen Rassen harmonisiert. Neu bilden 6- bis 8-jährige Kühe der Rasse Swiss Fleckvieh und Herdebuchstufe A die Basis, während bisher 6- bis 8-jährige Kühe mit Rassencode Swiss Fleckvieh sowie Vater und Muttervater der Rassen Swiss Fleckvieh oder Simmental die Basis bildeten.[IMG 6]

Warum dann diese grosse Verschiebung?

Diese Anpassung, wie oben erwähnt, verursacht einen zusätzlichen Effekt von rund -60 kg Milch. Insgesamt ergibt sich so eine Verschiebung von rund -100 kg Milch. Die zusätzlichen rund -30 kg, die zum Gesamtwert von etwa -130 kg führen, hängen von den in der Berechnung verwendeten Stieren und deren Resultaten ab und sind nicht auf die Basisanpassung zurückzuführen. Wichtig ist: Diese Verschiebung ist rein statistischer Natur. Ein Rückgang von 60 kg Milch entspricht ungefähr einem Punkt bei einem indexierten Merkmal wie der Euternote. Ein genetisch starker Milchvererber bleibt somit auch nach der Anpassung ein starker Milchvererber. Ein Stier mit +60 kg Milch, der durch die Anpassung in den negativen Bereich fällt, ist vergleichbar mit einem Stier mit einem Euterzuchtwert von 101, der durch eine Anpassung auf 99 fällt.

Warum wird diese Berechnungsmethode beim SF jetzt so durchgeführt?

Die Umstellung erfolgte im Zusammenhang mit der Weiterentwicklung der Datenbank (Stammbetrieb) sowie im Hinblick auf zukünftige Anpassungen in der Zuchtwertschätzung, insbesondere die Einführung von Single Step-Verfahren und die Integration zusätzlicher Daten (z. B. HOS). Zudem wurde die Basis über alle Rassen hinweg vereinheitlicht. Die Wahl der HB-A Kühe als Referenzpopulation stellt sicher, dass die Basis die Population möglichst korrekt abbildet.

Was bedeutet dieser Milchrückgang der SF-Stiere für ihre Söhne? Wie stark verändern sich deren Genomzahlen?

Da sich die Basis für alle Tiere gleich verschiebt, kann davon ausgegangen werden, dass die publizierten Werte im Durchschnitt um rund 100 kg Milch tiefer liegen. Die Veränderungen bei einzelnen Tieren ergeben sich zusätzlich aus neuen Informationen aus Pedigree-, Genom- und Leistungsdaten, die seit der letzten Zuchtwertschätzung hinzugekommen sind.

Stimmt es, dass für die Berechnung der Zuchtwerte beim Swiss Fleckvieh keine C-Tiere miteinbezogen werden? Wenn ja, warum nicht und wo fliessen die Zuchtwerte der C-Tiere hin?

Nein. Die Daten aller Tiere, auch der HB-C Tiere, fliessen in die Zuchtwertschätzung ein und liefern wichtige Informationen. Geändert hat sich ausschliesslich die Referenzbasis, also mit welcher Population die Tiere verglichen werden. Die Rolle der C-Tiere in der Schätzung bleibt unverändert. Zu beachten ist zudem, dass gewisse Tiergruppen (z.B. SF-Töchter von RH-Stieren) weder in der alten noch in der neuen Basis berücksichtigt wurden. Eine SF-Tochter eines RH-Stiers wird somit weiterhin gleichbehandelt wie bisher.

Auch bei den Holstein verlieren einige Stiere deutlich an Iset-Punkten. Zum Beispiel Ginger (-35), Rebel (-75), Wendat (-101) oder Barolo (-62). Worauf führen Sie diese Verluste zurück?

Bei der Holstein-Rasse wurde im April 2026 die Iset-Formel angepasst, wodurch sich die Gewichtung einzelner Merkmale deutlich verändert hat und die Standardisierung an die neuen Merkmale angepasst wurde. Insbesondere Produktionsmerkmale wie Fett- und Eiweissmenge wurden stärker gewichtet, während andere Merkmale an Bedeutung verloren haben. Dies führt zwangsläufig zu teilweise grösseren Verschiebungen bei den Iset-Werten. Für die Praxis ist entscheidend, dass Zuchtwerte in erster Linie dem Vergleich innerhalb der Population dienen. Dabei sind sowohl die Rangierung als auch die Unterschiede zwischen den Tieren wichtiger als die absoluten Werte.

MerkmalISET 2019ISET 2026
Fett kg1218
Eiweiss kg2426
Eiweiss %40
Zellzahl100
Mastitisresistenz010
Nutzungsdauer42
Fruchtbarkeit187
BCS47
Gespartes Futter40
Grösse0(-)6
Gliedmassen812
Euteranlage1212

Bei den Holsteinern wurden für den Iset verschiedene Merkmale neu gewichtet. (Tabelle Swissherdbook)

Gibt es auch Gewinner bei der April-Zuchtwertschätzung?

Ja, durch eine Iset-Anpassung ergeben sich sowohl Gewinner als auch Verlierer. Am aussagekräftigsten ist die Analyse der Rangverschiebungen, beispielsweise innerhalb der Schweiz geprüfter Stiere mit ZW-Label G. Diese zeigen, welche Stiere im Vergleich zur Konkurrenz an Boden gewinnen oder verlieren. Die beobachteten Veränderungen (siehe Anhang) bestätigen insbesondere den stärkeren Einfluss der Produktionsmerkmale in der neuen Iset-Formel.

Auch bei den Simmentalern ist ein starker Rückgang beim Iset bemerkbar. Der Spitzenreiter Sir hat als einziger noch einen Iset von über 1200 (1203). Bei der letzten Zuchtwertschätzung gab es viele Stiere noch mit über 1200 Iset. Ariello hatte sogar einen Iset von 1306 (jetzt noch 1198). Was ist hier passiert?

Auch bei der Simmental-Rasse wurde die Iset-Formel überarbeitet und die Standardisierung an die neuen Merkmale angepasst. Die Folge sind tiefere publizierte Iset-Werte, ohne dass sich die genetische Qualität der Tiere entsprechend verändert hat. Wie bei den anderen Rassen gilt auch hier: Massgebend ist die Einordnung eines Tieres im Vergleich zur Population sowie die Entwicklung seiner Rangierung – nicht der absolute Zahlenwert.

MerkmalISET 2020ISET 2026
Fett kg614
Fett %30
Eiweiss kg1614
Eiweiss %70
Persistenz46
Zellzahl53
Mastitisresistenz03
Nutzungsdauer63
Fruchtbarkeit710
BCS05
Normalgeburten direkt30
Milchfluss30
ITP1513
Gliedmassen55
Beckenbreite04
IFV2020

Bei den Simmentalern wurde vor allem die Leistung stärker im Iset berücksichtigt. (Tabelle Swissherdbook)

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