Herr Aebi, im Jahresbericht 2025 kündigen Sie Sparmassnahmen an. Wie sollen diese konkret umgesetzt werden?

Andreas Aebi: Der SFV wird ab dem kommenden Jahr 300 000 Fr. weniger Unterstützung seitens des Bundes erhalten. Innerhalb des SFV wurde eine Arbeitsgruppe eingesetzt, um Sparpotentiale zu evaluieren. Vom Vorstand wurden folgende Massnahmen beschlossen: Der Preis von Pferdepässen wird ab 2026 von 60 auf 80 Franken erhöht. Der Geschäftsstelle werden ab diesem Juni 20 Stellenprozente gestrichen. Richter und Sekretäre wurden bisher für ihre Teilnahme an Weiterbildungstagen entschädigt, neu wird von ihnen erwartet, dass sie die Ausbildungen ehrenamtlich besuchen. Ab 2027 wird der SFV die Organisatoren von Sport- und Freizeitprüfungen nicht mehr finanziell unterstützen. Die Entschädigungen für den Präsidenten und die beiden Vizepräsidenten werden reduziert und schliesslich wurde den Delegierten heute vorgeschlagen, drei Kommissionen (Sport-, Finanz- und Vermarktungskommission) abzuschaffen. Dieser Vorschlag wurde allerdings abgelehnt. Weitere Massnahmen stehen in Prüfung.

An der Nationalen Hengstselektion 2026 wurde die Q-Linie faktisch ausgelöscht, die D-Linie steht unmittelbar vor demselben Schicksal. Können Sie im Namen des SFV Stellung zu diesem Vorgehen nehmen?

Abo Schweizerischer Freibergerverband Freibergerverband löscht Q-Linie aus – D-Linie auf den Fersen Freitag, 16. Januar 2026 An der Hengstselektion 2026 wurden Kandidaten der Q- und D-Linie präsentiert, um deren Körung zu erreichen. Leider entsprachen die vorgestellten Kandidaten aus diesen beiden Linien den geforderten Kriterien nicht. Es ist wichtig zu verstehen, dass, auch wenn die Erhaltung dieser Linien wünschenswert ist, keine Pferde akzeptiert werden können, die den Rasseanforderungen nicht genügend entsprechen. Bei den Züchtern ist zudem ein gewisses Desinteresse an diesen Linien festzustellen. Der SFV kann gefährdete Linien nicht erhalten, wenn diese in der Praxis nicht genutzt werden. Es stehen noch Tiefgefriersamen von Hengsten der Q- und D-Linie zur Verfügung. Ob das genetische Potential ausgeschöpft wird, liegt in den Händen der Züchter. Die in den letzten Jahren verschwundenen Vaterlinien wurden nicht aufgrund fehlender gekörter Hengste, sondern aufgrund des fehlenden Einsatzes der Hengste zugunsten populärerer Tiere verdrängt. Die Genetik der verschwundenen Linien ist glücklicherweise in der Zuchtstutenpopulation nach wie vor vertreten. Diese Verwandtschaftsbeziehungen finden im Rahmen der Hengstselektion in Glovelier Beachtung.

Die Weissabzeichen werden seit 2026 mittels Zuchtwerten beurteilt. Wie hat sich diese Änderung in der Praxis bewährt? Und wie wird sie von den Züchtern angenommen?

Diese Umstellung hat sich grundsätzlich bewährt. Sie ermöglicht eine objektivere und wissenschaftlich fundiertere Beurteilung zur früheren visuellen Einschätzung. Der Zuchtwert berücksichtigt den genetischen Anteil eines Tieres und damit dessen Vererbungspotenzial, was aus züchterischer Sicht wesentlich aussagekräftiger ist. Ein Vorteil liegt auch darin, dass die Züchter frühzeitig eine verlässliche Einschätzung erhalten, ob ein Hengst die Anforderungen erfüllen kann. Das schafft Planungssicherheit und Transparenz in der Selektion. Das Thema Weissabzeichen ist emotional besetzt, weshalb die Einführung kritisch beäugt wurde. Mit zunehmender Anwendung zeigt sich aber, dass die neue Regelung besser nachvollziehbar ist und als gerechter empfunden wird.

Der Corona-Boom hat nachgelassen. Es ist schwieriger, für seine Freiberger Käufer zu finden, und bei den Zuchtbeständen (Fohlengeburten und Bedeckungen) wird ein negativer Trend festgestellt. Wie werden die Züchter in dieser anspruchsvollen Marktsituation konkret vom Verband unterstützt?

Einerseits arbeiten wir daran, die Förderung des Freibergerpferdes bei einem breiten Publikum zu verstärken, insbesondere durch Veranstaltungen, Ausstellungen und Präsentationen sowie eine verstärkte Präsenz auf den Kommunikationskanälen. Ziel ist es, die Vielseitigkeit, Zuverlässigkeit und die Freizeitqualitäten der Rasse hervorzuheben. Zudem stellt der SFV den Züchtern konkrete Instrumente zur Verfügung, wie Verkaufsplattformen oder Massnahmen zur Vernetzung zwischen Verkäufern und potenziellen Käufern, Stichwort «FM im Reitschulbetrieb». Natürlich gilt unsere Anstrengung, eine konstant hohe Qualität der gezüchteten Pferde zu gewährleisten. Und der SFV steht im konstanten Dialog mit Behörden und Partnern der Branche, um die Rahmenbedingungen für die Zucht und Unterstützungsbeiträge sicherzustellen. 

Das vom Verband ausgearbeitete Rassenerhaltungsprojekt wurde vom BLW abgelehnt. Können Sie den Inhalt des Projektes erläutern und wie sieht nun das weitere Vorgehen hinsichtlich der Erhaltung der Freibergerrasse aus?

Das Projekt zielte darauf ab, die genetische Vielfalt zu erhalten und den Anstieg der Inzucht innerhalb der Population zu kontrollieren. Im Zentrum stand die Umsetzung von gezielten Anpaarungen, um zukünftige Zuchttiere mit einem tiefen Verwandtschaftsgrad zu erzeugen, die den Zuchtzeilen entsprechen. Parallel sah das Projekt eine Sensibilisierung und Ausbildung der Züchter vor, um deren Kenntnisse in Bezug auf Inzucht und genetische Vielfalt zu stärken. Nach der Ablehnung beabsichtigt der SFV, die angestrebten Ziele dennoch mit den bestehenden Instrumenten weiter zu verfolgen. Der Verband will prüfen, ob einzelne Massnahmen des Projektes angepasst und erneut eingegeben werden sollen. Letztlich hängt die Erhaltung der Rasse und ihrer genetischen Vielfalt nicht nur von institutionellen Massnahmen, sondern auch vom Engagement der Züchter ab.

Die AP 2030+ könnte die Pferdezucht stark beeinflussen. Falls Pferde nicht mehr primär der Landwirtschaft zugerechnet werden, droht der Wegfall von Bundesbeiträgen und das Verschwinden vieler Kleinbetriebe kann negative Auswirkungen auf die Pferdezucht haben. Wie wird sich der Freibergerverband bezüglich der AP 2030+ engagieren?

Der SFV setzt sich dafür ein, dass die spezifischen Besonderheiten der Pferdezucht im politischen Prozess berücksichtigt werden. Dazu gehört, aufzuzeigen, dass die Freibergerzucht eng mit der landwirtschaftlichen Nutzung, der Pflege der Kulturlandschaft sowie der dezentralen Struktur des ländlichen Raums verbunden ist. Viele Zuchtbetriebe sind kleinstrukturiert und tragen zur regionalen Wertschöpfung und zur Erhaltung der landwirtschaftlichen Betriebe bei. Der SFV steht regelmässig im Austausch mit dem BLW sowie Branchenorganisationen, um sich für den Erhalt bestehender Unterstützungen und Rahmenbedingungen einzusetzen. Gleichzeitig sind wir uns bewusst, dass sich die Rahmenbedingungen ändern. Deshalb verfolgt der SFV das Ziel, die Freibergerzucht zukunftsfähig aufzustellen, ihre Mehrwerte sichtbar zu machen und ihre Rolle im landwirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kontext zu stärken.