«Pferde sind Tiere aus der Steppenlandschaft, die in die Ställe gekommen sind», stellte Urs Röthlisberger am Pensionspferdetag am 18. März 2026 am Strickhof in Lindau fest. Die Tatsache, dass Equinen im Grunde genommen nicht an unsere Umgebung angepasst sind, führt laut dem Mitinhaber der Tierklinik Stockrüti im thurgauischen Berg zu einer Reihe Zivilisationskrankheiten, darunter auch zu Atemwegsproblemen.

Dem menschlichen Asthma ähnlich

Laut dem Universitären Tierspital Zürich sind mehr als 80 Prozent der Pferde von einem Equinen Asthma betroffen. Die Symptome zeigen sich unter anderem als chronischer Husten, erschwerte Atmung, vermehrte Schleimproduktion, Nasenausfluss, grosse Nüstern, Zwangsatmung sowie Leistungsabfall. Dem liegt eine Reaktion der feinen bronchialen Verästelungen auf Reize der Umwelt zugrunde. «Der Mechanismus ähnelt dem Asthma beim Menschen», sagte Urs Röthlisberger. Die gute Nachricht: Oftmals können sich die Tiere davon erholen, die Erkrankung gilt als teilweise reversibel.

Nicht Symptome, sondern die Ursache bekämpfen

Neben der Beobachtung der Symptome stehen der Diagnostik eine Reihe von Methoden zur Verfügung: Mithilfe der Endoskopie kann beispielsweise das Luftröhrensekret untersucht oder zusätzlich eine Lungenspülung vorgenommen werden (z. B. für einen Nachweis von Bakterien). Auch Röntgen und Ultraschall liefern möglicherweise Hinweise auf bronchiale Veränderungen. Mit Schulmedizin wie auch mit Phytotherapie lassen sich die Entzündungen zwar behandeln. «Doch ist dies lediglich ein kurzfristiger Feuerwehr-Einsatz», so der Referent. «Auf die Länge sind Massnahmen gefragt, welche die Ursache bekämpfen.»

Feinstaubbelastung weit über der erlaubten Grenze

Dem Equinen Asthma liegt in den meisten Fällen eine Allergie auf Staub, Sporen in Heu und Einstreu sowie Milben zugrunde. «Dabei ist zu unterscheiden, was gegeben ist, und was sich verändern lässt», sagte Röthlisberger. Gegen Saharastaub, Pollen oder eine genetische Prädisposition des Pferdes könne man nicht viel unternehmen. Gegen Feinstaub, Milben oder Pilzsporen dagegen schon. «Die Feinstaubbelastung in Pferdeställen liegt 10- bis 20-mal über der für Menschen erlaubten Grenze.»[IMG 2]

Auch auf die Mistlagerung kommt es an

Am wirksamsten wäre es, gleich einen Antiallergikerstall zu bauen. Allerdings sei dies teuer und wohl für die meisten Pensionsställe wirtschaftlich nicht tragbar. Vielmehr sei es sinnvoll, auf den einzelnen Ebenen nach Lösungen zu suchen. Der Tierarzt nannte verschiedene Bereiche:

  • Stallhygiene: Um Staub, Schimmel, Ammoniak und Allergene so weit wie möglich zu reduzieren, braucht es eine entsprechende Stallhygiene. Das bedeutet etwa, auch Bereiche regelmässig von Staub zu befreien, die gerne vernachlässigt werden. Beispielsweise unter der Futterkrippe wischen, Spinnweben entfernen.
  • Mistlagerung: Den Mist so lagern, dass kein Staub Richtung Stall weht.
  • Futterqualität: Auf die Qualität des Raufutters achten, egal ob es sich dabei um Heu, Heulage oder Silage handelt.
  • Lagerung: Es ist zwar praktisch, das Heu direkt auf dem Heuboden über dem Pferdestall zu lagern. Dies verursacht jedoch viel Staub, dem die Tiere ständig ausgesetzt sind.
  • Einstreu: Stroh produziert viel Staub. Besser wären z.B. Holzschnitzel, entstaubte Holzspäne oder Hanfeinstreu.
  • Bedampfung: Wer das Heu vor dem Füttern bedampft, reduziert damit nicht nur organischen Staub, sondern ebenso Schimmel und Milben. Allerdings werden dabei auch Aminosäuren abgebaut. Nach 60 Minuten Bedampfen bleiben 35–40 % weniger verwertbares Protein übrig. Zu empfehlen ist eine Temperatur ab 90 Grad, doch bereits ab 100 Grad werden alle Aminosäuren zerstört – das Heu wird unbrauchbar.
  • Bewässerung: Alternativ kann das Heu gewässert werden. Allerdings sollte es nicht zu lange im Wasser liegenbleiben: Nach 15–20 Minuten ist bereits ein Grossteil des Staubs ausgewaschen. Doch auch die Nährstoffe gehen mit der Zeit verloren – sowohl Zucker als auch Mineralstoffe. Liegt das Heu stundenlang im Wasser, vermehren sich Bakterien und es kommt zur Gärung.

«Eine Reduktion des Feinstaubs auf null ist nicht möglich», hielt Urs Röthlisberger abschliessend fest. Vielmehr gehe es darum, für jeden Betrieb individuell die richtigen Massnahmen zu finden. «Und was sicher nicht in und um den Stall gehört, ist der Laubbläser.»