In der Schweiz ist die am meisten verbreitete Zecke der gemeine Holzbock (Ixodes ricinus). Er fühlt sich in hohem Gras und auf feuchtem Unterholz wohl. Dort wartet er auf seine Opfer und lässt sich abstreifen, sobald er Gelegenheit dazu hat. Deshalb sollte hohes Gras, zum Beispiel an Hecken oder Waldrändern, breit ausgezäunt werden. 

Bei Biodiversitätsflächen ist eine Mähnutzung dem Weiden vorzuziehen. Durch die Klimaveränderung und die damit verbundenen höheren Temperaturen sind Zecken unterdessen teilweise bis auf 2000 Meter über Meer verbreitet. Ab einer Temperatur von 5 Grad werden die ersten Arten aktiv.

Weidefieber führt zu massivem Milchrückgang

Für Weidetiere, wie Rinder und Schafe, aber auch für Hirsche sind die Zecken nicht nur lästig. Sie können ernsthafte gesundheitliche Probleme mit sich bringen. Beispielsweise mit dem Weidefieber (Anaplasma phagocytophilum), einem Bakterium, welches durch Zecken übertragen wird und hohes Fieber verursachen kann. 

Gerade bei Milchkühen kann die Erkrankung zu einem massiven Milchrückgang führen, wie die Wiederkäuerklinik Bern erklärt. Häufig werden Jungtiere beim ersten Weideaustrieb befallen – danach sind sie immun.

Q-Fieber ist verheerend

Q-Fieber (Coxiellen) gehört ebenfalls zu den bakteriellen Krankheiten, die durch Zecken übertragen werden. Es kann von Fruchtbarkeitsstörungen über Mastitis bis hin zu Nachgeburtsverhalten, Aborten oder lebensschwachen Kälbern führen. Problematisch ist, dass es häufig unerkannt im Bestand ist.

Gerade beim Abkalben wird der Erreger in hohem Ausmass freigesetzt, sodass sich weitere Tiere, aber auch Menschen damit anstecken können. Das Q-Fieber ist eine Zoonose, das heisst, dass es auch auf Menschen übertragen werden kann. Das kann gerade für schwangere Frauen ein hohes Risiko bedeuten. 

Sämtliche Weidetiere wie Rinder, Schafe, Ziegen und Rotwild können damit angesteckt werden. Laut dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV)sollten Aborte auf Betrieben, in denen innerhalb von vier Monaten mehr als ein Tier verwirft, untersucht werden. 

Die Kosten für die vorgeschriebenen Untersuchungen (IBR/IPV, BVD, Brucellose, Coxiellose) werden von den kantonalen Veterinärdiensten übernommen. Q-Fieber ist meldepflichtig, eine Impfung ist in der Schweiz nicht zugelassen. Der Impfstoff kann jedoch über eine Sonderbewilligung (TAM-Import) importiert werden, wie Professorin Dr. med. vet. Gaby Hirsbrunner von der Wiederkäuerklinik Bern erklärt.

Riesenzecke Hyalomma verfolgt ihre Opfer

In der Schweiz ist die Riesenzecke (Hyalomma) bislang nicht häufig. Sie kann bis zwei Zentimeter gross werden. Sie hat Augen, mit denen sie bis zu zehn Meter weit sehen kann – im Unterschied zum einheimischen Holzbock, der nur zwischen hell und dunkel unterscheiden kann. 

Sie ist schnell und kann ihre Opfer aktiv verfolgen. Die Riesenzecke wird durch Zugvögel eingeschleppt. Laut dem Robert Koch-Institut kann sie das Krim-Kongo-Fieber übertragen. An dieser Viruserkrankung können Menschen, aber keine Tiere erkranken. In der Region Basel, sowie im Tessin wurden bereits Sichtungen gemeldet.

Frühsommer-Meningoenzephalitis und Lyme-Borreliose

Zecken, wie unter anderem der Holzbock, können Lyme-Borreliose übertragen. Für die Weidetiere ist Lyme-Borreliose unproblematisch. Laut einer Feldstudie der deutschen Parasitologen Dr. Dania Richter und Professor Matuschka verlieren Borreliose-infizierte Zecken ihren Erreger, sobald sie an Huftieren gesaugt haben, und sind danach nicht mehr ansteckend. 

In Gebieten, wo häufig geweidet wird, sind deutlich weniger Borreliose-infizierte Zecken anzutreffen. Gegen Lyme-Borreliose gibt es, im Unterschied zur Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), keinen Impfstoff. Wichtig ist es, die Zecken möglichst rasch zu entfernen und anschliessend den Stich gut zu überwachen. Mit der Zeckenapp, die von der ZHAW entwickelt wurde, kann der Stich überwacht werden. 

Im Anfangsstadium kann Lyme-Borreliose erfolgreich mit Antibiotika behandelt werden. Deshalb ist es wichtig, die Einstichstelle im Auge zu behalten und sich ärztlich behandeln zu lassen, sobald die typische Wanderröte auftritt. 

Auch mit FSME können sich Nutztiere nicht anstecken. Für Menschen kann sie hingegen gefährlich werden. 2025 wurde mit über 500 gemeldeten Infektionen von FSME mit schwerem Krankheitsverlauf, ein neuer Rekord erreicht. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) empfiehlt die Impfung, da FSME zu schweren Komplikationen führen kann.

Tipps für den Umgang mit Zecken

  • Zecken richtig entfernen: Mit der Zeckenzange oder einer guten Pinzette die Zecke senkrecht herausziehen, nicht abdrehen oder mit Öl oder sonstigen Mitteln behandeln. Es gilt: Je früher, desto besser
  • Bei Weidetieren helfen Pyrethrine, die mit Pour-on-Lösungen aufgetragen werden können
  • Für Menschen sind Zeckensprays und lange, helle Kleidung hilfreich (auf hellen Kleidern sind sie besser sichtbar)
  • Hunde und Katzen mit Zecken-Halsbändern ausstatten