«Wir schützen, was wir lieben», mit diesem Slogan startete die Gesundheitstagung vom 21. März im Inforama Rütti, Zollikofen. Noemie Beuret vom Inforama Rütti begrüsste die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu einem vielseitigen Vormittag mit vielen praktischen Übungen und Anleitungen. Der Slogan passe auch gut für die Bäuerinnen und Bauern, nicht nur für die produzierten Lebensmittel.
Genauso zu sich schauen, wie zu Feld und Tier
«Wenn wir gut zu unseren Feldern und Tieren schauen und für eine ausgewogene Düngung und eine bedarfsgerechte Fütterung sorgen, so sollten wir doch auch mit der gleichen Wertschätzung zu uns selbst schauen. Unsere Ernährung sollte auch bedarfsgerecht und ausgewogen sein», erläuterte Nicole Reusser, dipl. Ernährungsberaterin und Lehrperson Hauswirtschaft vom Inforama Waldhof.
Mit der 80/20-Regel (das bedeutet 80% gesunde Ernährung, gegenüber 20% «sündigen») möchte sie den Druck nehmen. Es sei völlig ausreichend, wenn man sich meistens gut ernährt. Sie erklärte auch, dass die Mahlzeiten dem täglichen Bedarf angepasst werden müssen.
«Heutzutage wird oft nicht mehr körperlich so streng gearbeitet wie früher, doch die Arbeitstage sind immer noch lang. Wenn man etwa stundenlang auf dem Traktor sitzt, ist es wichtig, die Ernährung entsprechend anzupassen.» Sie zeigte anhand eines Tellers auf, wie eine Mahlzeit kombiniert werden kann, ohne auf etwas zu verzichten. Sie betonte, wie wichtig ausreichende Mikronährstoffe sind, um auch psychisch belastbar zu bleiben.
[IMG 2]
«Nicht mehr mit der Wirklichkeit streiten»
Dieter Bögli, landwirtschaftlicher Berater und Coach, Inforama Rütti, Zollikofen, führte in seinem Referat aus, dass Krisen zum Leben gehören: «Stärke bedeutet auch zu wissen, dass man nicht immer stark sein kann». Er ermunterte dazu, Glaubensätze zu hinterfragen.
In seinem Workshop zum Thema «Stress lass nach» zeigte er auf, wie man mit kleinen Übungen eine Konfliktsituation entschärfen kann, um besser auf sich und die Partnerin, den Partner Acht zu geben. Anhand einer praktischen Übung wurde sichtbar, wie stark eine unbewusste Haltung eine Situation prägt und wie wenig es braucht, um mit einem Perspektivenwechsel sich selbst und das Gegenüber besser zu verstehen und damit lösungsorientierter unterwegs zu sein.
Er zeigte, wie hilfreich es ist, zuerst eine Angelegenheit einzuordnen und zu definieren, um wessen Angelegenheit es sich handelt. «Ist es meine Angelegenheit, die meines Gegenübers oder eine nicht direkt veränderbare; da macht es nicht viel Sinn, mit der Wirklichkeit zu streiten», so Bögli.
Turne bis zur Urne
Mit diesen Worten begrüsste Physiotherapeut Michael Flückiger von der Physio Praxis für Sport und Ergonomie, Zollikofen, zu seinem Workshop. Er erklärte anhand kurzer praktischer Übungen, wie wenig es braucht, um mit täglichem Training Rückenschmerzen vorzubeugen. Diese Übungen sind einfach in den Alltag einzubauen.
Er empfiehlt unter anderem kurze Gleichgewichtsübungen: «Regelmässig für fünf Sekunden auf einem Bein zu stehen, stärkt den Rücken und den Gleichgewichtssinn.» Selbstverständlich war das ergonomisch richtige Heben von Gewichten ein Thema: Wichtig sei vor allem, das Hebelgesetz zu beachten und Gewichte möglichst nahe vom Körper zu heben.
Zudem sollte bei Rotationsbewegungen, wie sie im bäuerlichen Alltag häufig vorkommen, darauf geachtet werden, dass Füsse und Augen in die gleiche Richtung schauen, also zum Beispiel beim Füttern im Tenn auf die ganze Körperhaltung zu achten. In Bewegung zu bleiben und sich täglich mit kleinen Übungen fit zu halten, sei die beste Vorsorge, um beschwerdefrei zu bleiben.
[IMG 3]
In Bewegung bleiben, um Herz-Kreislauf-Beschwerden vorzubeugen
In einem informativen Referat erläuterte Lea Noti, Kardiologin der kardiologischen Praxis Murifeld, Bern, die häufigsten Ursachen für Herz-Kreislauferkrankungen und die Funktion des Herzens. Sie betonte, wie wichtig es sei, in Bewegung zu bleiben. Dies sei sogar ein noch wichtigerer Faktor als Übergewicht.
In ihrem Referat schlug sie die Brücke zu den weiteren Themen der Gesundheitstagung. Weniger Stress, eine gesunde Ernährung und tägliche Körperübungen helfen viel, um Herz-Kreislauf-Beschwerden vorzubeugen. Sie forderte dazu auf, Anzeichen eines Herzinfarktes ernst zu nehmen und nicht abzuwarten. Atemnot, Engegefühle auf der Brust und Schwindel müssten ärztlich abgeklärt werden.