«Frauen sind kompetent. Aber das sagt ihnen niemand.» Ursula Jakob-Schmid wählt deutliche Worte für die Situation vieler Frauen. Nach der Delegiertenversammlung des Verbandes Bernischer Landfrauenvereine sprach sie humorvoll zum Thema «Warum Frauen-Netzwerke zählen». Die Referentin ist Bäuerin, neu gewählte Berner Grossrätin, Inhaberin eines Modegeschäfts und Präsidentin der KMU-Frauen Bern. Sie ist also gut und vielseitig vernetzt.
Wichtige Rolle an vielen Orten
Ursula Jakobs grosser Wunsch für die Zukunft besteht darin, dass Frauen öffentlich mehr Wertschätzung bekommen und sich selbst mehr zutrauen. Denn an beidem mangelt es. Frauen seien wichtig in den KMUs, auf Landwirtschaftsbetrieben, in der Familie und in der Gesellschaft. Und letzteres sei ja eigentlich nichts anderes als ebenfalls ein KMU, betonte sie bei einer früheren Gelegenheit gegenüber der BauernZeitung.
So funktioniert das Netzwerk KMU-Frauen
Ursula Jakob erläuterte, wie die KMU-Frauen Bern funktionieren. Die Plattform für Unternehmerinnen, mitarbeitende Partnerinnen, leitende Angestellte und Gewerbefrauen wurde 2001 gegründet. Sie ist kein eigenständiger Verein, sondern im Verband Berner KMU eingebunden. Ziele sind die Stärkung und das Sichtbarmachen von Frauen, die Möglichkeit, ein Netzwerk zu betreiben, sowie die Bescheinigung der Fähigkeiten zu erlangen.
So wurden die zwei Lehrgänge Fachfrau/Fachmann Unternehmensführung KMU mit eidgenössischem Fachausweis und Geschäftsleute KMU mit SIU-Diplom von Frauen erschaffen. Diese würden jedoch gerne auch von Männern besucht, erzählte Ursula Jakob augenzwinkernd.
Die Plattform finanziert ihre zwei bis drei Netzwerkanlässe pro Jahr durch einen Unkostenbeitrag von 20 Franken pro Person und Anlass sowie durch Spenden. Wie Jakob ausführte, seien einige Banken, Versicherungen oder die Landi sehr daran interessiert, Sponsoring bei den Anlässen zu betreiben – das sei Teil ihres Marketings. Die Firmen wüssten um die Solidarität der Frauen und dass die Chance gross sei, dass sich einige der Frauen später bei Bedarf an die Geldgeber zurückerinnern und von ihnen Dienstleistungen in Anspruch nehmen würden. An den Anlässen mit Referaten oder bei einem Betriebsbesuch nehmen bis zu 100 Frauen teil.
Nur gemeinsam stark
Frauen-Netzwerke jeglicher Art haben eine grosse Bedeutung für Ursula Jakob. Sie böten die Möglichkeit zum Austausch, um neue Ideen zu gewinnen, Kooperationen einzugehen sowie Mut und Inspiration zu erhalten. «Zusammen sind wir mega stark», erklärte sie mit Nachdruck. Aus eigener Erfahrung weiss sie, dass es enorm gut tut, sich einen Nachmittag freizuschaufeln, um einen Anlass zu besuchen. «Das ist bereichernd. Nützt das!», betonte und forderte sie zugleich.
Im Bereich der Führungsarbeit würden Frauen zwar erfolgreich, aber anders vorgehen als Männer, sagt Jakob. Zudem tragen Frauen im Hintergrund viel Verantwortung. «Wichtig dabei ist, dass Frauen sich selbst, ihre Fähigkeiten und Stärken nicht unterschätzen», machte sie deutlich. In dem Bereich liege viel Potenzial brach, bedauerte die Referentin.
Auch in der Politik sind Frauen immer noch untervertreten. Viel zu viele würden sich lieber im Hintergrund halten. Das sei schade. Denn dort seien Frauen gefragt, die wissen, was Arbeiten heisst. «Und das tun wir – mit unseren Männern und Kindern», betonte sie scherzhaft und hatte einmal mehr die Lacher auf ihrer Seite.
Frauen kaufen bei Frauen ein
An den Netzwerk-Anlässen der KMU-Frauen werde aber nicht einfach nur «gschnädderet»: «Wir tauschen unsere Visitenkarten aus», sagte die Referentin. Das sei am Anfang etwas befremdlich gewesen. Sie habe jedoch schon öfters bei Bedarf auf eine solche Visitenkarte zurückgreifen können, etwa wenn es darum gegangen sei, eine Referentin zu einem bestimmten Thema zu finden. «Ladet euch gegenseitig ein, statt einen Mann. Fördert euch gegenseitig und kauft beieinander ein», forderte Ursula Jakob unmissverständlich.