«Die letzte Maiwoche war fast etwas zu heiss für die Erdbeeren, die hohen Temperaturen bedeuten für die Pflanzen Stress, und können sogar zu Sonnenbrand führen», erklärt Martin Kündig.
Der 38-jährige Schwyzer Landwirt ist begeistert von den roten Früchten: «Erdbeeren sind nicht gleich Erdbeeren. Die Vielfalt und Unterschiede der verschiedenen Sorten in Geschmack, Aussehen und Anbaueigenschaften machen die Frucht sehr spannend», erklärt er vor dem Regal seines Hofladens.
Eines der ersten Selbstpflückfelder
Schon seit 40 Jahren werden auf dem Früchtehof Sagenmatt Beeren angebaut. Etwas auszuprobieren, was andere nicht machen, war schon die Philosophie von Albert Kündig, dem Vater von Martin.
«Wir starteten in den 80er-Jahren mit Himbeeren, welche wir im Dorf direkt vermarkteten», erinnert sich Albert Kündig. Er sei damals auch einer der Ersten in der Schweiz gewesen, der seine Kundinnen und Kunden ihre Beeren selber pflücken liess. «Damals kamen die Leute mit grossen Gebinden und pflückten bedeutende Mengen, welche sie dann zu Konfitüre verarbeiteten oder einfroren», so Albert Kündig weiter.
«Selberpflücken funktioniert heute leider nicht mehr»
Vor einigen Jahren wurde dieses Angebot aufgegeben. «Das Selberpflücken funktioniert heute leider nicht mehr, da die Leute oft nicht dann pflücken, wenn die Früchte reif sind. Zudem werden heute kleinere Mengen benötigt», erklärt Martin Kündig.
Dafür läuft es im kürzlich sanierten Hofladen rund. «Unsere Kunden schätzen die zentrale Lage mitten im Dorf und die Frische unserer Produkte», so der Schwyzer Landwirt. Der Laden sei grossmehrheitlich bedient. Ein Grund dafür sei, dass so das Angebot immer gut präsentiert werden könne, zudem schrecke das aber auch unliebsame Gäste ab, denn Diebstähle seien auf dem Früchtehof Sagenmatt nicht selten.
Dennoch gibt es für Martin Kündig keine andere Option als den Direktverkauf. Dank der Direktvermarktung profitiere ein Betrieb seiner Grösse von einem besseren Preis und einer höheren Wertschöpfung auf dem Hof.
«Wir produzieren die Rohstoffe hier, ernten sie auf unseren Feldern und verkaufen sie auch gleich ab Hof.» 80 Prozent der Produkte werden im Hofladen verkauft. Mit den übrigen 20 Prozent beliefert Martin Kündig Metzgereien, Konditoreien und Restaurants in der Umgebung.

Folientunnel mit Fundamenten wegen Föhn
Der Betrieb liegt zentral im Dorf, Spazierwege verlaufen mitten durch die Kulturen. Mittlerweile baut Martin Kündig auf einer Hektare Erdbeeren an. Rund die Hälfte davon ist gedeckt. Neben verschiebbaren Modellen arbeitet er seit sechs Jahren mit Folientunneln mit festen Fundamenten.
«Wir haben in unserer Region häufig starken Föhn, was die provisorischen Tunnel immer wieder in Mitleidenschaft gezogen hat», begründet Martin Kündig seine Wahl für fixe Tunnel. Dank des geschützten Anbaus kann er die Erntephase verlängern: Von Mitte Mai bis Ende Oktober verkauft er Erdbeeren.
In den fixen Folientunneln, wo die Beeren als Hochbeetkulturen angebaut werden, laufen sowohl die Bewässerung als auch die Düngung automatisch. Bei diesem System werden pro Saison zwei Sätze Erdbeeren angebaut. Die Frühsorten werden im Vorjahr auf dem Feld vorkultiviert und überwintern im Tunnel, wo dann im Mai schon geerntet werden kann. Anfang Juni werden diese entfernt und durch Dauerträger-Sorten ersetzt, welche dann bis spät in den Herbst geerntet werden können.
So wenig Mittel wie nötig
Er könne im geschützten Anbau zwei bis drei Fungizid-Behandlungen einsparen, weil kein Regen direkt auf Blätter und Früchte falle. Dadurch treten typische Pilzkrankheiten wie Grauschimmel (Botrytis) etwas weniger auf. Auch Fruchtfäule und verschmutzte Früchte nehmen ab.
Dafür gebe es andere Herausforderungen: Unter Folie würden Temperatur und Luftfeuchtigkeit schnell ansteigen, was die Belüftung anspruchsvoll mache. Besonders Mehltau fühle sich im warmen Tunnelklima oft wohl. Zudem könnten Schädlinge wie Spinnmilben oder Blattläuse unter geschützten Bedingungen zunehmen.
Der Pflanzenschutz sei natürlich auf einem Spezialkulturenbetrieb mitten im Dorf eine Herausforderung. «Meine Philosophie ist es, so wenig Mittel wie nötig einzusetzen. Seit Jahren reduziere ich die Menge laufend. Man reizt die Grenzen mittlerweile aber schon aus», erklärt der 38-Jährige. Er musste wegen fehlenden Behandlungen auch schon massive Einbussen in Kauf nehmen.
«Ich wäge immer ab, ob eine Behandlung nötig ist oder nicht, denn ich spritze nicht wirklich gerne.» Er kommuniziere dies auch seinen Kunden gegenüber. Klar sei aber, dass die Konsumenten gerade bei Erdbeeren beim Aussehen und bei der Fruchtgesundheit keine Kompromisse eingingen.

Vielfalt der Kulturen und Personalführung fordern
Neben Erdbeeren werden auf dem Früchtehof Sagenmatt noch eine Vielzahl von weiteren Kulturen angebaut (siehe Kasten). Zehn Personen arbeiten über die Sommermonate mit.
Die grosse Vielfalt bei den Kulturen und die Personalführung machen den Alltag von Martin Kündig sehr abwechslungsreich. Der 38-Jährige hatte ursprünglich Maurer gelernt und arbeitete danach als Vorarbeiter. Doch die Arbeit erfüllte ihn nicht, und es zog ihn zurück auf den elterlichen Hof.
Nach Abschluss des Nebenerwerbskurses und diversen Weiterbildungen übernahm er dann vor neun Jahren den Betrieb von seinem Vater in Pacht, vor drei Jahren konnte er den Hof dann erwerben.
«Ich schätze die Abwechslung und die Verantwortung, die ich für meine Produkte trage.» Dennoch sei ihm der Ausgleich zum Betrieb wichtig. Abwechslung findet er bei einer E-Bike-Tour oder in den Bergen. «Die ruhigeren Wintermonate ohne Personalführung geniesse ich auch sehr.»
Früchtehof Sagenmatt
Auf den rund zehn Hektar Betriebsfläche des Früchtehofs Sagenmatt werden neben den rund 100 Aren Erdbeeren auch Himbeeren, Brombeeren und Heidelbeeren angebaut. In einer rund 20 Aren grossen gedeckten Anlage werden Kirschen produziert, Zwetschgen und Pflaumen wachsen an Hochstamm-Bäumen. Auch der Gemüseanbau ist bedeutend: Kartoffeln und Spargeln sind dabei die wichtigsten Kulturen, aber auch Bohnen, Chefen, Zwiebeln, Knoblauch, Gurken, Salat und Kohlrabi können die Kunden im Hofladen einkaufen. Das eigene Sortiment wird mit Milchprodukten von anderen lokalen Betrieben ergänzt.

