In der Luft liegt der würzige Duft von Frühling und Gülle, auf den Hof fährt ein stilvoll lackierter Sattelschlepper. Über der Frontscheibe steht der Schriftzug «Bschöttischnäggli», hinter dem Lenkrad schaltet Melanie Strebel in den Rückwärtsgang und manövriert zwischen Kälberiglus und Vordach hindurch.
Die 31-Jährige parkiert punktgenau neben dem Güllerührwerk und klettert aus der Führerkabine. Locker und entspannt. Doch sie stellt klar: «Publikum bei schwierigen Manövern mag ich nicht.»
Einige Kunden testeten die Lohnunternehmerin
An ihrem selbstbewussten Auftritt musste sie arbeiten. «Wenn du dich nicht behaupten kannst, gehst du unter, besonders als Frau», hat sie beim Einstieg als Lohnunternehmerin gemerkt. Von einigen Kunden sei sie anfangs schon «getestet» und sehr genau beobachtet worden. Ihre Antwort: solide Vorbereitung, gute Arbeit, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit.
Melanie Strebel arbeitet als Lohnunternehmerin, Landwirtin und Autolackiererin auf dem Familienbetrieb in Waldhäusern im Kanton Aargau. Als sie vor sechs Jahren einstieg, machte sie den Lkw-Führerschein und absolvierte berufsbegleitend die Landwirtschaftsschule.

Den elterlichen Betrieb übernommen
Vor drei Jahren übernahm sie den elterlichen Ackerbaubetrieb, wo auf rund zehn Hektaren LN Raps, Weizen, Zuckerrüben, Mais, Karotten und Zwiebeln wachsen. Im Lohnunternehmen organisiert sie die Disposition der Güllearbeiten und arbeitet überall mit. Zu den Dienstleistungen gehören Güllen, Grasmähen, Silieren und Pressen, Mähdreschen, Mais silieren, Muldentransporte und Streifenfrässaat.
Nach der obligatorischen Schulzeit stand für Melanie Strebel eine Ausbildung als Landwirtin noch nicht zur Diskussion. «Ackerbau ja, aber Tierhaltung lockte mich nicht – obwohl ich gerne Tiere habe.»
Sie fand rasch eine Lehrstelle als Autolackiererin, wo sie Kreativität und ihr Flair für Farben einbrachte. Ihr Plan war es, sich später in diesem Beruf selbstständig zu machen. Doch die naturverbundene Frau bekam den Koller: «Immer nur in der Werkstatt arbeiten – das ist nichts für mich.»
«Es tut mir gut, viel draussen zu sein»
Die Anfrage des Vaters, ob sie nicht in den elterlichen Betrieb einsteigen möchte, kam zur rechten Zeit. Melanie sagte zu. Von ihrem Umfeld hört sie, dass sie seither zwar mehr arbeite, aber ausgeglichener sei. «Es tut mir gut, viel draussen und in der Natur zu sein», sagt sie.
Ihre Eltern hatten neben der Landwirtschaft ein Lohnunternehmen aufgebaut. Vor zehn Jahren wurde davon die Strebel Maschinen AG abgespalten; im Nachbardorf konstruiert Melanies Bruder Raphael neue Maschinen und erledigt Servicearbeiten.

Bei Strebels arbeitet die ganze Familie mit
Die Geschwister ergänzen sich: Melanie Strebel arbeitet in der Maschinenwerkstatt als Autolackiererin, wenn sie nicht für das Lohnunternehmen oder ihren Ackerbaubetrieb unterwegs ist.
Ihr Bruder Raphael Strebel baut und wartet Maschinen für das Lohnunternehmen und sitzt bei Bedarf selbst am Steuer.
In beiden Unternehmen sind insgesamt sechs familienfremde Mitarbeitende angestellt, dazu kommen Aushilfen bei saisonalen Arbeiten. Die Eltern Strebel im Pensionsalter helfen noch mit, der Vater auf dem Feld, die Mutter im Büro.
Als Frau gibt es viel abzuwägen
Im Lohnunternehmen, wo es um hohe Investitionen und Verantwortung für die Mitarbeitenden geht, diskutiert Familie Strebel Entscheidungen gemeinsam. Melanie Strebel fühlt sich wohl im vielseitigen Unternehmen.
Wo sie in zehn Jahren stehen wird, legt sie noch nicht fest. Mehr Büroarbeit übernehmen, dafür weniger Feldarbeit? Familie und Kinder? Die engagierte Frau muss einiges abwägen.
«In der Landwirtschaft ist es ‹gang und gäb›, dass die Frau dem Mann nachzieht und ihn beruflich unterstützt. Umgekehrt läuft es seltener», weiss sie aus eigener Erfahrung.

Abends sind die Nerven manchmal dünn
Ihr Tagesgeschäft ist intensiv, auf dem Feld und auf den vollen Strassen. Einige Autolenker riskieren gefährliche Überholmanöver, andere zockeln mit Minimalgeschwindigkeit vor ihr her.
«Und auf schmalen Wegen erwarten manche Velofahrer, dass ich mit dem 40-Tönner ins Feld ausweiche, damit sie durchbrettern können.» Am Abend sei das Pensum an Nerven schon mal aufgebraucht.
Sie holt sich Ausgleich im Krafttraining
Entspannung holt sich Melanie Strebel nicht beim Yoga, wie ihr eine Kollegin empfohlen hatte, sondern beim intensiven Kraft- und Konditionsprogramm Cross Fit. Sie geht wandern und joggen, begleitet von ihrem Hund Benji.
Manchmal führen sie ihre Velotouren an den Feldern vorbei, auf denen sie tagsüber gearbeitet hat. «So kann ich viel besser abschalten, als wenn ich herumhängen würde.»
Fünf Fragen an Melanie Strebel
[IMG 3-4] Welches Kompliment freut dich? Anerkennung für meine Arbeit. Worüber kannst du lachen? Wenn bei der Arbeit ein Missgeschick passiert ist, tut es gut, nach Feierabend zusammen mit den Kollegen darüber zu lachen. Was hast du für ein Alltagsritual? Morgenspaziergang mit meinem Hund Benji. Was kannst du schlecht? Ruhig sitzen ist nichts für mich. Für welche Spezialität aus der Küche bist du bekannt? Speckzopf.

