Selten wird im Vorfeld so häufig auf eine Delegiertenversammlung hingewiesen, wie auf die diesjährige der Suisseporcs. Auslöser war die Debatte um die Stilllegungsbeiträge für Zuchtplätze, wie sie vom Zentralvorstand der Suisseporcs als Instrument einer Mengensteuerung angedacht sind. An der 49. DV vom 5. Mai 2026 sollten die ordentlichen Traktanden im Mittelpunkt stehen, plus Informationen und ein Warmlaufen für die ausserordentliche DV vom 27. Mai, diese dann ganz im Zeichen des Schweinemarkts. So die Idee des Vorstands.
Fristgerecht reichte dann die Sektion der Suisseporcs Ostschweiz den Antrag ein, über die Durchführung der ausserordentlichen DV grundsätzlich abzustimmen. Ziel, zusätzliche Varianten auszuarbeiten und Gräben innerhalb des Verbands zu schliessen. Soviel vorweg: Der Antrag wurde zum Schluss der Versammlung abgelehnt. Immerhin mehr als ein Drittel, darunter ziemlich geschlossen die Ostschweizer Delegierten, stimmten dafür.
Der Fonds bleibt im Gespräch
Präsident Andreas Bernhard blickte im prächtigen Kloster St. Urban LU nochmals auf das sehr gute Schweinejahr 2025 zurück. 106 Delegierte trafen sich insgesamt im Luzernbiet, dazu viele Gäste.
Doch an der DV 2026 standen schon bald Gegenwart und Zukunft im Mittelpunkt. Schon seit über einem Jahr warnt die Suisseporcs vor einer Überproduktion. Der Jahreswechsel brachte das Fass endgültig zum Überlaufen. Die Preise sind seitdem im Keller. Es folgte ein Fonds zwecks Finanzierung der Marktentlastungsmassnahmen. Und eben als mittelfristige Massnahme das Konzept mit dem Stilllegungsbeitrag.
Auf der Geschäftsstelle der Suisseporcs in Sempach LU wurde viel Frust zum Markt «abgeladen». Auch der Fonds wurde kritisiert, so Andreas Bernhard. «Was wäre passiert, wenn wir nichts gemacht hätten?», fragte er rhetorisch. Bis Ende April wurden 7,8 Mio Franken eingezogen für den Entlastungsfonds. Anfang Mai wurden die Abzüge halbiert. Mit 4 Mio Franken wurde Tiefkühlware exportiert.
Im Laufe des Sommers werden weitere Gelder je nach Marktlage freigegeben. Aktuell sind die Schlachtungen ein wenig rückläufig. «Wichtig, um die Kühler zu leeren», sagte Bernhard. Wie immer hofft die Branche auf eine gute Grillsaison.

Es brauche weitere Massnahmen
Andreas Bernhard zeigte nochmals den Fahrplan auf. An der DV 2025 wurde das Notfallkonzept genehmigt. Es folgte ein einstimmiger Beschluss im Zentralvorstand im Januar 2026, um mit diesem zu arbeiten. Die Fachkommission Markt wurde erweitert und Anfang Februar folgten ein einstimmiger Beschluss des Verwaltungsrats der Proviande plus schriftliche Bestätigung der grössten Schlachtauftraggeber. Gemäss Juristen komme dies einem Branchenbeschluss gleich, so Bernhard.
«Es wurden sehr wohl Alternativen zur Stilllegung diskutiert», erklärte der Präsident weiter. Vorliegendes sei das Resultat der Produzenten in Zusammenarbeit mit den Branchenpartnern. Die unternehmerische Freiheit der Produzenten bleibe bei diesem Konzept bestehen, Kontingentierung sei kein Thema. Stilllegung sei eine Investition in den Markt. Die Branchenorganisation fordere längst einen ausgeglichenen Schweinemarkt. Die Schweineproduktion gerate unnötig in den Fokus. Mit der Stilllegung habe man einen Lösungsansatz für die nächsten Jahre. Parallel dazu werden gemeinsam mit Partnern weitere Massnahmen erarbeitet.
Bereits beim Jahresbericht, lange vor der abschliessenden Abstimmung, sorgte der Schweinemarkt für engagierte Voten. Die Diskussion wurde zur Freude der zahlreich anwesenden nichtlandwirtschaftlichen Medien mit einem lauten und emotionalen Votum aus der Ostschweiz gestartet. Die weiteren zahlreichen Votanten äusserten sich im Verlauf des Vormittags engagiert, kritisch und sachlich. Kritisiert wurde etwa die Arbeit der Marktkommission oder der Umstand, dass nur die Produzenten die Zeche bezahlen, nicht aber die übrigen Player in der Wertschöpfungskette.
Ostschweiz möchte System der Preisbildung reformieren
Unter Traktandum 8.2 begründete Aaron Milz, Vorstandsmitglied der Suisseporcs-Sektion Ostschweiz, schliesslich den Delegierten ausführlich den Antrag. Man wolle zusätzliche Optionen zum Stilllegungskonzept ausarbeiten und zweitens die ausserordentliche DV sistieren. Es gehe nicht darum, auf Zeit zu spielen. «Wir müssen uns einigen und brauchen einen gemeinsamen Nenner», so der Ostschweizer Schweineproduzent. Er befürchte in der Ostschweiz grosse Mitgliederverluste für den Verband, sollte dieses Zusammenrücken nicht gelingen.
Stilllegungsbeiträge könnten kurzfristig etwas bewirken. «Das Problem wird aber wiederkommen», so Milz. Dass man die Produktion wieder hochfahren könne, habe man nach der letzten Krise bewiesen. Die Suisseporcs Ostschweiz wolle mit dem bestehenden System der Preisbildung arbeiten, dieses aber reformieren. Es brauche die Preisschwankungen, damit sich die Strukturen immer wieder anpassten, so Milz.
Andreas Bernhard begegnete, dass das Stilllegungskonzept das Resultat vieler Sitzungen, Gespräche und Infoveranstaltungen sei. Die notwendige Zweidrittelmehrheit sorge für klare Verhältnisse. Nochmals eine neue Arbeitsgruppe einzusetzen, würde auf grosses Unverständnis stossen innerhalb der Branche. Der Antrag sei abzulehnen. Und so ist es dann auch gekommen. Nochmals debattiert und endgültig abgestimmt über das Konzept der Stilllegung wird somit am 27. Mai.
Wahlen
2026 ist Wahljahr bei Suisseporcs. Zentralvorstand-Präsident Andreas Bernhard wurde im Amt bestätigt. Gegenstimmen gab es nur vereinzelt. Er hat seinen Abschied per Mai 2027 bereits angekündigt. Neu in den Zentralvorstand gewählt wurde der Luzerner Ivo Wolfisberg aus Hohenrain. Er ersetzt Roman Winiger, der neuer Präsident der Zentralschweizer wurde und somit von Amtes wegen im Zentralvorstand Einsitz hat, genauso wie die Präsidenten von den Sektionen Ostschweiz und Mittelland. Wiedergewählt in globo wurden Peter Burri, Christoph Trachsel, Marcel Aeschbacher und Martin Wenger. Auf Wunsch eines Delegierten einzeln – und schliesslich problemlos gewählt – wurde Noldi Windlin, Präsident der Fachkommission Markt. Aus dem Vorstand verabschiedet wurden Markus Käppeli und Franz Guillebeau, die sich über viele Jahre für die Branche einsetzten.

