«Warum ich Floristin geworden bin? Das ist schnell erzählt.» Sarah Fahrni lacht. «Als ich sechs Jahre alt war, hatte mein Götti eine Freundin, die Floristin war. Ich war eifersüchtig und fand sie gleichzeitig mega cool.» Seither wollte sie nichts anderes werden.
«Es ist aber nicht so ein Traumjob, wie man vielleicht auf den ersten Blick das Gefühl hat», sagt die 39-Jährige offen. Lange Präsenzzeiten, viel Putzen, Rüsten, Aufräumen, kein besonders hoher Lohn. Trotzdem blieb sie dem Beruf treu und arbeitete auch nach der Geburt der beiden Kinder – Marina, 15, und Remo, bald 14 – Teilzeit weiter in einem Blumenladen in Steffisburg BE.
Zwischen Blumenladen und Hofprodukten
Ausserdem begann Sarah Fahrni mit ihrer Schwiegermutter vor rund 13 Jahren, Produkte vom Hof im Eriz BE herzustellen und direkt zu vermarkten: Konfitüren, Sirups, getrocknetes Suppengemüse, Dörrfrüchte, mit Geschenken gefüllte Heusäckchen. Einen Teil verkaufen sie bis heute in Landi-Läden. Floristik spielte dabei schon immer mit hinein. «Ich habe diese Geschenke immer ausgeschmückt mit getrockneten Blümchen und so weiter», sagt Fahrni.[IMG 2]
Der Schub durch Fernsehen und Zufall
Das Geschäft lief gut – und nach Fahrnis Teilnahme an der «Landfrauenküche 2015» nahm es noch mehr Fahrt auf. Erkannt wird die Bernerin übrigens heute noch gelegentlich. «Gerade diesen Winter war es lustig: Ich war allein Skifahren am Wiriehorn. Ich sass mit einer Frau im Lift und sagte nur: ‹Ist es okay, wenn ich zu Ihnen sitze?› Dann schaute sie mich an und sagte: ‹Du bist doch Sarah Fahrni!› Ich hatte die Skibrille und alles an. Das fand ich schon krass.»
Neuanfang nach der Trennung
Vor ein paar Jahren ging die Ehe dann in die Brüche und Sarah Fahrni zog mit den Kindern vom Hof weg. Das gute Verhältnis zur Schwiegermutter hatte Bestand – und die Zusammenarbeit auch. Heute verkauft Sarah Fahrni die Produkte in ihrem «Ochsenbeinlädeli» in Schwarzenegg BE.
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Der Name kommt von einem geschichtsträchtigen Bewohner des Gebäudes, in dem Fahrni wohnt und in dessen Keller sich der Laden befindet. Johann Ulrich Ochsenbein (1811–1890), der erste Berner Bundesrat, wurde in dem Haus geboren und lebte bis zu seinem neunten Lebensjahr dort.
70 Prozent sind Stammkunden
Als ihr Vermieter vorschlug, im Haus ein Geschäft einzurichten, winkte Sarah Fahrni zuerst ab. Zu wenig Zeit, zu abgelegen. Dann kam Corona. Der bisherige Arbeitsalltag fiel weg. «Da merkte ich plötzlich: Ich muss etwas machen.» Am 1. April 2021 öffnete sie ihren Laden. Und traf einen Nerv.
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Heute kommen Kundinnen und Kunden nicht nur aus der Region. Manche entdecken den Laden beim Sonntagsspaziergang, andere kommen gezielt. Rund 70 Prozent seien mittlerweile Stammkundschaft, schätzt Fahrni.
Natürlich, wild und persönlich
Ihr Angebot: nachhaltige Topfpflanzen statt Massenware, Arrangements mit Trockenblumen statt schnell Vergänglichem, dazu hausgemachte Produkte, Teigwaren, Honig und Geschenke für jeden Anlass. Die meisten Bestellungen laufen per WhatsApp. Wer ein Geschenk braucht, nennt Budget, Anlass und vielleicht noch ein Bild von der Website, das Gefallen fand – den Rest übernimmt Sarah Fahrni. «Ich arbeite lieber frei», sagt sie. Sie spüre meist schnell, was zu jemandem passe.
Auch stilistisch hat Fahrni eine Handschrift als Floristin: natürlich, lieber wild als zu brav und zu kompakt, farblich eher pastellig und neutral als zu bunt. Vieles sammelt sie selbst: Nielen, Flechten, Gräser, Äste oder Schwemmholz beim Aareböötle. «Ich liebe zum Beispiel Hauswurz und mache damit Gestecke. Ich mag Frühlingspflanzen und bei den Schnittblumen etwa Ranunkeln und Tulpen.»
Wenn Trends zurückkehren
Trends beobachtet sie durchaus: «Als ich die Lehre gemacht habe, wäre es nie infrage gekommen, Trockenblumen zu verkaufen. Und jetzt ist das wieder modern. Ich finde es megaschön.» Die Kombinationen seien heute vielleicht anders als vor 20 oder 30 Jahren. Aber vieles kommt wieder zurück. Derzeit dürfe es gern etwas wilder und romantischer sein, wie auf der Wiese selbst gepflückt.[IMG 5-6]
Muttertag als Höhepunkt des Jahres
Besonders intensiv wird der Arbeitsalltag im Frühling – und vor allem rund um den Muttertag. Für Sarah Fahrni ist es der wichtigste Verkaufstag des Jahres. Dann stehen 150 bis 200 bepflanzte Gefässe und Arrangements bereit, dazu kleinere Geschenke mit Herzli, Schildli und viel Liebe zum Detail. «Viele Kundinnen und Kunden kommen dann vorbei und kaufen gleich zwei Geschenke», so Fahrni.
Privat sei sie bei solchen Tagen eher pragmatisch. Geburtstage oder Valentinstag bedeuteten ihr wenig. Beim Muttertag sieht sie es differenzierter: «Ich finde es schön, wenn man wenigstens einmal im Jahr bewusst an seine Mutter denkt.» Für sie selbst ist es allerdings seit Jahren vor allem ein strenger Arbeitstag.
Selbstständig – aber immer dran
Sarah Fahrni liebt es mittlerweile, selbstständig zu sein. Aber: «Man muss Disziplin haben. Ich könnte theoretisch heute auch einfach nichts machen. Aber das funktioniert natürlich nicht. Man ist immer irgendwie dran.»
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Neben dem Laden, in dem sie Frauen in einer Tagesstruktur beschäftigt, und dem Familienalltag mit zwei Kindern, die beide im Leistungssport unterwegs sind, geht Sarah Fahrni zweimal pro Woche über Mittag in der Dorfbeiz «Bären» servieren. Ausserdem ist sie für die Bäckerei Aebersold in Schwarzenegg tätig. Sie liefert jeden Morgen aus, und einmal pro Woche hilft sie frühmorgens in der Backstube. «Ich habe immer davon geträumt, eines Tages in einer Bäckerei zu arbeiten.» Stillstand ist nicht ihr Ding.