Strom - in unserem Alltag ist er unersetzlich. Jedoch bedeutet Strom für den Menschen auch eine unsichtbare und nicht riechbare Gefahr. Schnell ist es passiert und man erleidet einen Stromschlag. Sei dies, weil man einen Weidezaun berührt, oder beim Heimwerken, im Haushalt bei einem defekten Elektrogerät oder an einem beschädigten Kabel mit Strom in Berührung kommt.
Augen auf bei Symptomen
Fachleute, die tagtäglich mit Strom zu tun haben, sind sich der Gefahren viel eher bewusst. Als Laien sind sich viele Menschen zu wenig bewusst, wie gefährlich ein Stromstoss, auch ein vermeintlich geringer, sein kann. Denn Symptome können auch erst einige Stunden oder gar Tage später auftreten.
Zu den unmittelbaren Gefahren eines Stromschlages zählen:
- Muskelverkrampfungen, die Stürze oder das Festhalten an der Stromquelle zur Folge haben können
- Herzrhythmusstörungen
- Herzstillstand
- Atemstillstand
- Lokale Verbrennungen an Ein- und Austrittspunkten des Stroms
Die Schwere der Verletzungen bei einem Elektrounfall hängt laut SUVA von der Stromstärke und der Einwirkdauer ab. «Die Stromstärke ergibt sich aus der Spannung und dem Übergangswiderstand. Letzterer wiederum hängt von der Art der Kontaktfläche (Kleidung, Hautdicke und -feuchtigkeit) und der Leitfähigkeit des Untergrunds (Gummisohlen, Parkett, feuchte Erde) ab. Daher ist eine elektrostatische Entladung des Teppichbodens trotz 30 000 Volt ungefährlich – weil die Energie winzig ist. Hingegen ist nur schon das Annähern an eine Hochspannungseinrichtung mit ebenfalls 30 000 Volt lebensgefährlich – da ein Spannungsüberschlag (Lichtbogen) und damit hoher Stromfluss droht», heisst es.
Das Herz beginnt zu stolpern
Aber nicht jeder Stromschlag führt zu sichtbaren Verletzungen wie Verbrennungen, den sogenannten Strommarken, oder spürbaren Symptomen. Auch scheinbar harmlose und kurze, ungewollte elektrische Einwirkungen von Haushaltsstrom mit 230 Volt können das Herz beeinträchtigen oder innere Verletzungen verursachen.
Symptome können auch erst Stunden nach einem Stromschlag auftreten. Die SUVA schreibt dazu: «Strom kann den Elektrolythaushalt verschieben, wodurch die Impulsgebung des Herzens über Stunden hinweg immer instabiler wird – bis es stolpert, flimmert oder aussetzt. Daher muss jede Person, die einen Stromschlag erlitten hat, zwingend ins Spital oder zum Arzt gebracht werden – auch wenn es ihr vermeintlich gut geht. Klagt das Opfer nach dem Schlag über Herzrasen, Herzstolpern, Atemnot oder ein Krampfgefühl in der Brust, muss ohnehin umgehend der Rettungsdienst gerufen werden.»
EKG und Blutkontrolle
Im Spital wird auch bei leichten Stromschlägen ein Elektrokardiogramm (EKG) durchgeführt, um Herzrhythmusstörungen auszuschliessen. Daneben wird Blut abgenommen, um Hinweise auf eine Muskel- oder Herzschädigung zu erhalten. Je nach Befund ist eine länger dauernde und stationäre Überwachung nötig.
Auf einem Merkblatt der Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft (BUL) wird erklärt, dass auch Weidezäune nicht harmlos sind. Bei vielen neuen Geräten werde der Stromschlag durch einen kleineren Widerstand stärker. Der Widerstand wiederum wird durch Nässe oder Schweiss noch weiter verkleinert. Wenn also eine schwitzende Person in Berührung mit dem Draht kommt, steigt das Risiko für Herz- und Kreislaufstörungen. Gefahr drohe vor allem, wenn der Zaun mit dem Kopf oder dem Nackenbereich berührt werde.
Selbstschutz hat oberste Priorität
Die SUVA erklärt in einem Merkblatt, was bei einem Stromunfall zu tun ist:
- Selbstschutz beachten. Das Opfer steht eventuell unter Strom.
- Bei Niederspannung (je nachdem, was schneller und sicherer möglich ist): Opfer mit nicht leitendem Gegenstand (z. B. Besenstiel, Holzlatte) vom Stromkreis entfernen und aus dem Gefahrenbereich bringen oder den Stromfluss unterbrechen (Netzstecker ziehen, Sicherung entfernen).
- Bei Hochspannung: Abstand halten, Rettungsdienst rufen. Jede Annäherung ist lebensgefährlich, bis der Strom abgestellt wird!
- Bei Bewusstlosigkeit, Schwindel, Brustschmerz oder Herzrasen: Rettungsdienst rufen.
- Atmung und Herzschlag prüfen. Bei Herz- oder Atemstillstand sofort und bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes Beatmung und Herzdruckmassage anwenden.
- Eventuelle Verbrennungen kühlen und Spital aufsuchen.
- Bei Folgeverletzungen (z. B. Brüche, Prellungen): Sofortmassnahmen ergreifen und Arzt aufsuchen.
Das kann man tun
Vor Stromunfällen kann man sich aber auch schützen.
- Defekte Kabel oder beschädigte Stecker sofort ausziehen und nicht mehr benutzen.
- Steckdosen in Reichweite von Kindern mit Kindersicherungen abdecken.
- Keine Elektrogeräte im Bad verwenden, wenn der Boden nass ist.
- Geräte nie mit nassen Händen bedienen.
- Sicherstellen beim Bohren oder Einschlagen von Nägeln in Wände, dass sich keine Leitung darunter versteckt.
- Elektroarbeiten nur durch Personen mit Fachkenntnissen oder durch Fachpersonen durchführen.
- Bei Elektroarbeiten die Sicherung abschalten.
- Den Stecker immer am Steckergehäuse, nicht am Kabel, ausziehen.
- Bei Arbeiten im Garten nur für den Ausseneinsatz zugelassene Geräte verwenden.
- Bei elektrischen Rasenmähern darauf achten, dass nicht unbemerkt über das Kabel gefahren wird.
- In Aussenanlagen wie Gartenhäusern darauf achten, dass Mäuse keine Kabel anknabbern können.