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Köchin Bettina Kuratli ist heute Catering-Chefin und Bäuerin hoch über dem Sempachersee

Die gelernte Köchin Bettina Kuratli mag die Hektik in der Gastronomie. Den Bauernhof hoch über dem Sempachersee möchte sie aber dennoch nicht missen. Um doch im Gastro-Fieber zu bleiben, engagiert sie sich bei einem Catering.

So eine Bäuerin oder Landfrau zu porträtieren, ist nicht immer einfach. Manchmal braucht es ein wenig Überzeugungsarbeit, viele möchten «lieber nicht in die Zeitung». Im Gegensatz etwa zu Viehzüchtern, die eigentlich immer eine offene Stalltür haben.

So sieht es auch Bettina Kuratli. Sie hat sich kurz am Familientisch mit Ehepartner Urs Schöpfer abgesprochen und am nächsten Tag kam bereits die Zusage.

Vom Skigebiet auf den Bauernhof

Die Offenheit passt zur quirligen gebürtigen Toggenburgerin. «Wir haben es gerne gesellig und haben ein offenes Haus», beschreibt sie beim Besuch unserer Zeitung einige Tage danach ihre Philosophie. Die 43-Jährige ist gelernte Köchin EFZ und bildete sich in der Gastronomie laufend weiter, so zur eidgenössisch diplomierten Gastrobetriebsleiterin, und besuchte auch die Handelsschule.

Dass sie heute auf einem Bauernhof in Rain LU, hoch über dem Sempachersee, lebt, hat ebenfalls mit ihrem Beruf zu tun. «Ich führte während mehrerer Jahre zwei Restaurants der Titlis-Bahnen», so Kuratli. Landwirt Urs, der nicht Ski fährt, habe sie dann aber in der Stadt Luzern getroffen, und nicht im Obwaldner Engelberg.

Heute haben die beiden zwei Kinder, Madlen (8) und Jonas (6). Bettina Kuratli ist nicht auf einem Hof grossgeworden, kannte aber das Umfeld durch Verwandte und insbesondere ihren Vater, ein Swissgenetics-Besamungstechniker der ersten Stunde, wie sie schalkhaft bemerkt.

Köchin Bettina Kuratli ist heute Catering-Chefin und Bäuerin hoch über dem Sempachersee
«Reichhaltig und ausgewogen»: Die gelernte Köchin Bettina Kuratli in der Küche im neuen Bauernhaus in Rain LU.

Für einen Caterer unterwegs

Das Hofleben passt ihr. Sie mag die Natur, ist am liebsten draussen. Im Stall stehen ein Pferd und zwei Ponys – ein Hobby von ihr. Die Gastronomie ist eine Leidenschaft geblieben. An ein bis zwei Tagen pro Woche arbeitet die Bäuerin für das Migros-Catering.

Für Events wie Firmenanlässe, Versammlungen oder Ähnliches macht sie für den Grossverteiler die «Einsatzleitung» vor Ort. Instruiert etwa das Team und ist Ansprechperson für die Auftraggeber. Dann sind die Kinder bei Urs Schöpfer und meist draussen auf dem Hof unterwegs.

Nicht verheiratet und trotzdem abgesichert

Urs und Bettina sind nicht verheiratet. «Es war für uns beide nicht von Bedeutung», sagt sie entspannt. Natürlich habe man sich beraten lassen und sei rechtlich und finanziell entsprechend abgesichert.

Dass dies insbesondere im bäuerlichen Umfeld und auf dem Land eher selten ist, erleben die beiden gelegentlich im Alltag. Da werde sie manchmal ganz selbstverständlich als «Frau Schöpfer» angesprochen. Das korrigiere sie dann jeweils nicht.

Agripraktikant:innen sind eine Bereicherung

Gelassen ist sie auch im Umgang mit jungen Leuten. «Ich hatte in der Gastronomie immer Lernende um mich herum», sagt die Berufsbildnerin. Auf dem Hof bietet sie seit drei Jahren einen Ausbildungsplatz fürs Agriprakti an. Das ist ein Zwischenjahr für Schulabgängerinnen, eine Art modernes Hauswirtschaftsjahr, initiiert vom Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverband.

Anfänglich sei dies aus Platzgründen noch nicht möglich gewesen. Seit drei Jahren aber bewohnt die Familie ein neues Holzhaus. «Eine Bereicherung für die ganze Familie», seien die Absolventinnen.

Weiss, wie im Stall alles funktioniert

Den Betrieb hat Urs Schöpfer in den vergangenen Jahren zu einem spezialisierten Schweinezucht- und Mastbetrieb mit Ackerbau ausgebaut. Er führt diesen mehr oder weniger im Alleingang. Bettina Kuratli setzt sich im Sommer auf den Heukran, hält den Umschwung in Schuss und scheut den Besen nicht, wie sie mit einem Schmunzeln sagt.

Sie wisse zudem, wie alles funktioniere im Stall. Man habe sich damit arrangiert, täglich den Stall zu besorgen. Eingerichtet sei man bestens. Sie erzählt dies keineswegs missmutig. Das Paar – zwischenzeitlich setzt sich auch Urs für einen Kaffee dazu – macht einen ausgeglichenen Eindruck.

Als Gastronomin durch die Welt

Bettina und die Kinder gehen trotzdem in die Ferien, etwa mit der Schwester von Bettina zum Skifahren. Auch seien sie öfter in ihrer Heimat, halt ohne Urs. Bettina Kuratli hat einiges von der Welt gesehen, und war bereits in mehreren Ländern aktiv in der Gastronomie.

Sie war in Amerika, Australien oder in der Karibik, zwischen ihrem 20. und 30. Lebensjahr. Sie habe ihren Traum gelebt. Irgendwann werde sie wohl wieder reisen, aber alles habe seine Zeit. Auch deshalb stimme dies wohl so für sie. Und für Bauer Urs Schöpfer ohnehin.

Köchin Bettina Kuratli ist heute Catering-Chefin und Bäuerin hoch über dem Sempachersee
Spezialisiert auf Schweinezucht- und Mast: Der Betrieb Herzige von Urs Schöpfer und Bettina Kuratli.

Muss für alle stimmen

Auch die Lage des Betriebs mit der Aussicht hilft. Da sei das Toggenburg schon ein wenig enger, gibt Bettina Kuratli zu. In ihrer neuen Heimat hat sie sich längst bestens eingelebt. Da sei auch Urs Schöpfer eine grosse Hilfe gewesen. Er sei ein Vereinsmensch, da sei sie öfter einfach mitgegangen. Auch sie ist in Vereinen engagiert.

Kochen tue sie noch immer sehr gerne. Als «reichhaltig und ausgewogen» beschreibt sie ihre Küche. Dereinst, wenn die Kinder etwas grösser sind, würde sie gerne das Pensum im Event-Catering erhöhen. «Mein Job ist mir schon sehr wichtig», sagt Bettina Kuratli. Es müsse für alle stimmen, also auch für sie. Der Hof dürfte aber nicht darunter leiden. Sie sei einfach sehr gerne Gastgeberin.

Fragen an Bettina Kuratli

Diesen Traum möchte ich noch verwirklichen: Zusammen mit Urs nach Australien. Das sorgt für Entspannung: Nach getaner Arbeit mit der ganzen Familie an einem schönen Platz zusammensitzen. Diese Arbeit liegt mir nicht: Hemden bügeln. Dieses Menü gelingt mir immer: Schweinsbraten mit Kartoffelgratin. Das möchte ich besser können: Geduldiger sein.

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