Dass Frauen weltweit eine wichtige Rolle im landwirtschaftlichen Umfeld spielen, ist zwar bekannt, wird aber dennoch oft übersehen. Aus gutem Grund haben daher die Vereinten Nationen 2026 zum Internationalen Jahr der Bäuerinnen und Landwirtinnen erklärt. Ziel ist es, die zentrale Rolle der Frauen in der Landwirtschaft sichtbar zu machen und ihre Leistungen für Ernährungssicherheit, ländliche Entwicklung und bäuerliches Leben hervorzuheben.

Betriebsleiterinnen sind in der Minderzahl

Als Fachfrauen, Bäuerinnen, Betriebsleiterinnen, Angestellte, Erntehelferinnen oder auch ehrenamtlich prägen und gestalten Frauen auch die Schweizer Landwirtschaft. Als Betriebsleiterinnen sind die Frauen hierzulande zwar noch immer klar in der Minderzahl. Doch die Anzahl steigt stetig an. Das Bundesamt für Statistik (BFS) hat dazu kürzlich Erkenntnisse aus dem Jahr 2024 veröffentlicht. Demnach gab es in dem Jahr in der Schweiz 47 075 Landwirtschaftsbetriebe mit gesamthaft 147 876 beschäftigten Frauen und Männern. Der Frauenanteil lag bei 37 Prozent, was 54 151 Frauen entspricht. Im Vergleich: Frauen machen 46 % aller Erwerbstätigen in der Schweiz über alle Branchen aus; in der Landwirtschaft liegt der Anteil also darunter.

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Frauen arbeiten mehr Teilzeit

Die Zahlen des BFS zeigen auch auf, dass eine Mehrheit der Frauen Teilzeit auf den Landwirtschaftsbetrieben arbeitet. Nämlich 76 Prozent. Lediglich 24 waren Vollzeit auf dem Hof tätig. Anders bei den Männern: 44 % arbeiteten Teilzeit und 56 % Vollzeit in der Landwirtschaft.

Etwas mehr Familienangehörige als Saisonarbeitskräfte

Die Statistik belegt mit genauen Zahlen, wie sehr die Landwirtschaft familiär geprägt ist. 74 % aller Beschäftigten waren 2024 Familienangehörige. Der Frauenanteil unter den Familienarbeitskräften betrug 38 %. Bei den Ganzjahres- und Saisonarbeitskräften, also den familienfremden Beschäftigten, lag der Frauenanteil bei 34 %. 

Regionale Unterschiede

Unter die Lupe genommen wurde auch der Frauenanteil in biologischen und konventionellen Betrieben. So waren mit 40 % mehr Frauen auf Biobetrieben tätig als auf konventionellen (36 %). Auf insgesamt 1100 Betrieben waren ausschliesslich Frauen tätig. «Zunehmend übernehmen Frauen die Führung von Landwirtschaftsbetrieben als selbstständige Betriebsleiterinnen», schreibt das BFS im Bericht weiter. 

2005 lag der Anteil Betriebsleiterinnen noch bei 4,3 % und stieg stetig an. Das Jahr 2024 zählte gesamtschweizerisch 7,7 % beziehungsweise 3615 selbstständige Betriebsleiterinnen. Die Anzahl der Betriebe, die von einer Frau geführt werden, fällt regional unterschiedlich aus. Im Westen und im Süden der Schweiz war der Anteil an Betriebsleiterinnen leicht höher als etwa in der Innerschweiz. Der Kanton Nidwalden wies mit 3,8 % den niedrigsten Anteil auf. Prozentual den höchsten Anteil einer weiblichen Betriebsleitung wies mit 23 % Basel-Stadt auf. Es darf dabei aber nicht vergessen werden, dass es dort auch nur eine kleine Anzahl Landwirtschaftsbetriebe gibt. Auf Basel-Stadt folgten die Kantone Tessin, Genf und Wallis mit den meisten Betriebsleiterinnen (siehe Grafik).

Frauen führen kleinere Betriebe

Unterschiede gab es auch bei der Grösse der Betriebe. «Tendenziell liegen kleinere Betriebe in Frauenhand», schreibt das BFS. Die meisten Betriebe im Jahr 2024 wiesen eine Grösse zwischen 10 und 19 ha auf. Einen solchen Betrieb leiteten 24 % der Frauen und 26 % der Männer. Während jedoch 54 % der Frauen einen Betrieb unter 10 ha führten, traf dies nur auf 26 % der Männer zu. Bei den grössten Betrieben mit über 50 ha standen 3367 Männer (8 %) und lediglich 92 Frauen (3 %) an der Spitze. Werden die Ausbildungszahlen betrachtet, kann es gut sein, dass die Zahl der Betriebsleiterinnen in den nächsten Jahren weiter zunehmen wird.

Frauen studieren häufiger

Denn sowohl in der Grundbildung Landwirtin EFZ als auch in der höheren Berufsbildung (Betriebsleiterin, Meisterlandwirtin, Agrotechnikerin, Agrokauffrau oder Weinbautechnikerin) und an den Fachhochschulen im Bereich Agronomie und Agrarwirtschaft nimmt die Anzahl Frauen zu. Bei letzterem waren die Frauen schon in der Überzahl. Im Jahr 2024 schlossen 52 Frauen und 45 Männer an einer Fachhochschule den Bachelor in Agronomie ab. «Das gleiche Bild zeigt sich insgesamt an den Fachhochschulen: mehr Frauen als Männer schlossen 2024 einen Bachelor ab.

Schliesslich haben an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich in den letzten zehn Jahren (2014-2024) insgesamt mehr Frauen als Männer mit dem Bachelor (270 Frauen, 215 Männer), dem Master (232 Frauen, 198 Männer) oder dem Doktorat (112 Frauen, 82 Männer) in Agrarwirtschaft abgeschlossen», schreibt das BFS abschliessend.