Plus

Erdbeerbauer Thomas Widmer: «Erdbeeren sollte man nicht sparen, sondern gleich essen»

Thomas Widmer baut die süssen, roten Früchtchen zum Selberpflücken an. Der Landwirt erklärt, warum der Erdbeeranbau so aufwändig ist und weshalb ein Kilo sieben Franken kostet.

Seine ersten Erdbeeren baute Thomas Widmer aus Oftringen AG im Jahr 1993 an. Der Landwirt kam gerade aus der Rekrutenschule nach Hause. «Es waren Erdbeeren aus dem Katalog, und eigentlich wollte ich nur welche für den Garten», sagt er. Doch dann pflanzte er mit seinem Vater 3000 Stück. «85 Prozent davon sind ersoffen», erzählt er lachend. Der Landwirt hat seinen Erdbeeranbau mittlerweile optimiert, aber Richter über die roten Beeren ist und bleibt das Wetter.

Erdbeerwetter sorgt für das richtige Aroma

Kleine Furchen ziehen sich durch das Erdbeerfeld der Widmer Farm in Oftringen. Beeren, so gross wie eine Fingerbeere, hängen an den Stauden. Anfang Mai sind sie noch grün. «Die Erdbeersaison dauert von Mitte Mai bis Ende Juni», sagt Urs Widmer. Sie se aber klar vom Wetter abhängig. Der 53-Jährige baut auf 110a 10 verschiedene Sorten Erdbeeren an, die er auf dem Selbstpflückfeld gleich direkt vermarktet.

Erdbeerbauer Thomas Widmer: «Erdbeeren sollte man nicht sparen, sondern gleich essen»
Thomas Widmer hat sich mit Produzentinnen und Produzenten aus der Umgebung vernet. In seinem Hofladen bietet er Blumen und Spargeln aus der Region an.

Er stapft in seinen Gummistiefeln durch die Reihen. Erst gestern hat er mit seinen zwei Mitarbeitenden das Stroh ausgebracht, das die Beeren vor Fäulnis schützen soll. «Ist das Wetter zu Beginn der Saison schlecht, faulen die Beeren viel schneller», sagt er. Erdbeerwetter liege bei sonnigen 23 bis 25° Celsius. «Ist es wärmer, leidet das Aroma.»

Neben gutem Wetter sind die richtige Fruchtfolge und genügend Wasser unabdingbar für den Beerenanbau. Zu den Schädlingen im Erdbeerfeld gehören Milben und Blütenstecher. Auch Mehltau macht den Pflanzen zu schaffen.

Die viele Handarbeit hat ihren Preis

Im Jahr 2025 verlangte Thomas Widmer für ein Kilo der roten Beeren sieben Franken. «Dahinter steckt viel Handarbeit», sagt Widmer. Setzen, Roden und Jäten – alles Handarbeit. Die Pflanzenstöcke setzt er Anfang Juli – bei dem kleineren Teil handelt es sich um Frigopflanzen aus dem Ausland. Das sind Erdbeerableger, die im Winter von der Mutterpflanze abgenommen und dann bei -1°C gekühlt gelagert werden.

«Pflück dis Glück» geht nur mit klaren Regeln

«Ist das Wetter schön, reiht sich Auto an Auto», erzählt Thomas Widmer. Auf seinem Selbstpflückfeld dürfen Kundinnen und Kunden ihre Beeren gleich selbst ins Körbchen legen. «Auch das ist aufwändig», erklärt Sandra Widmer. Während der Saison steht sie meistens fünf Wochen auf dem Feld. Sie wiegt die Beeren und schaut, dass sich die Kundinnen und Kunden an die Regeln halten. Sie dürfen weder über die Reihen hüpfen noch auf die Pflanzen trampeln.

«Beim Erdbeerpflücken ist es wichtig, die Augen offen zu halten und die Blätter hochzuheben. Oft sind dort die schönsten Beeren versteckt», sagt Thomas Widmer. Auch für den Genuss der Beeren hat er einen Tipp: «Am besten schnellstmöglich. Erdbeeren sollte man nicht sparen. Frisch sind sie am besten.»

Absatz nur über die Direktvermarktung

Die Widmer Farm umfasst gesamthaft 17 Hektaren Ackerland und 3 Hektaren Wald. Auf dem Land ragen Obstbäume in die Höhe – Thomas Widmer baut Äpfel, Birnen, Kirschen und Zwetschgen an. Zu seinem Geschäft gehören aber auch 40 Aren Bohnen und drei Hektaren Weihnachtsbäume. All das vermarktet er direkt, ohne Zwischenhändler, im eigenen Hofladen. «Mittlerweile ist er schon wieder zu klein», sagt der Landwirt, als er nach den Spargeln greift. Diese hat er von einem befreundeten Bauern – einige Produkte stammen von Produzentinnen und Produzenten aus der Region. So zieren Blumengestecke einen Tisch vor dem Eingang – auch eine Floristin verkauft diese in Widmers Hofladen.

Weiterlesen

  • Der Zürcher Bauernverband ernennt Globi zum Botschafter des Biodiversitätsprojekts «Plan B»

    Der Zürcher Bauernverband ernennt Globi zum Botschafter des Biodiversitätsprojekts «Plan B»

    Der Zürcher Bauernverband setzt auf Freiwilligkeit und möchte bei der Umsetzung des Projektes «Plan B» eine breite Beteiligung erreichen. Trotz vergangenem Zwist wurde Globi zum Botschafter.
    Show more
    Plus
  • IP-Suisse schreibt Novodor vor gegen Kartoffelkäfer – darauf ist zu achten

    Plus
  • Vom Kompost bis zum Weizen: Ackerbau zwischen Klima, Schädlingen und Nährstoffen