«Auch wir wollen die Biodiversität fördern», sagte Geschäftsführer Ferdi Hodel. «Allerdings auf der Basis von Eigenmotivation und Eigenverantwortung.» Deshalb habe der Zürcher Bauernverband (ZBV) das Projekt «Plan B» lanciert – einen Gegenentwurf zu den staatlichen Vorgaben, welche die Vergangenheit geprägt hätten, sagte der ZBV-Geschäftsführer am 20. Mai 2026 an einer Medienkonferenz in Henggart.
Es darf keinen Widerspruch zur Produktion geben
Zwar betrage der Anteil der Biodiversitätsförderflächen an der landwirtschaftlichen Nutzfläche schweizweit bereits mehr als 20 Prozent, also fast dreimal mehr als das festgelegte Minimum von 7 Prozent, so Ferdi Hodel.
Doch wichtiger als die Quantität sei die Qualität der Massnahmen. «Entscheidend ist, dass sich Produktion und Biodiversität nicht gegenseitig ausspielen, sondern zusammenspielen», so Hodel weiter. Entsprechend setze man auf Massnahmen, welche nicht im Widerspruch zur Produktion stünden.
Für das Projekt «Plan B» hat der ZBV fünf verschiedene Massnahmen mit unterschiedlichen Strukturelementen ausgearbeitet. Dabei betonte Hodel, es sei wissenschaftlich erwiesen, dass viele Kleinstrukturen zusammen eine grosse Wirkung für die Biodiversität entfalten können.
Einzelbäume: Landschaftsprägende Einzelbäume bieten Lebensraum für verschiedene Tierarten und tragen zur Vernetzung bei. Zur Auswahl stehen an unterschiedliche Standorte angepasste, einheimische Baumarten wie Bergahorn, Silberweide oder Edelkastanie.
Aufgewertete QI-Flächen: BFF-Flächen der Qualitätsstufe 1 (QI) lassen sich mit verschiedenen Strukturelementen aufwerten, indem sie Kleinsäugern, Vögeln und Insekten Lebensraum und Rückzugsorte bieten. Zum Beispiel mit Ast- und Steinhaufen, Strauchgruppen oder offenen Bodenstellen.
Aufgewertete Hofareale: Auf jedem Hofgelände gibt es ungenutzte Flächen und Nischen, die sich zu Lebensräumen für Kleintiere und Pflanzen aufwerten lassen. Beispielsweise Holzbeigen, Sandlinsen oder Kleingewässer.
Nisthilfen: Mit Nisthilfen lassen sich Vögel und Fledermäuse fördern. Diese wiederum übernehmen eine wichtige Aufgabe bei der Regulierung von Schädlingen.
Aufwertung von Strommasten: Die unbewirtschafteten Flächen unter den zahlreichen Asthaufen können mit Steinhaufen, Sandlinsen oder kleinen Tümpeln aufgewertet werden. Damit können ökologisch wertvolle Lebensräume vernetzt werden.
Der ZBV will 10 000 Kleinstrukturen schaffen
«Das Projekt ist erfolgreich gestartet», äusserte sich Ferdi Hodel. Seit dem Start der Aktion vor sieben Monaten hätten bereits 147 Zürcher Landwirtschaftsbetriebe insgesamt 843 Strukturelemente angemeldet – davon seien zahlreiche bereits umgesetzt.
Der ZBV hat sich zum Ziel gesetzt, im ganzen Kanton Zürich 10 000 solcher Kleinstrukturen zu schaffen. «Wir wollen weitere Betriebe für ‹Plan B› überzeugen», sagte Ferdi Hodel. Ein Grundsatz sei, dass die Umsetzung der Massnahmen für die Betriebe freiwillig bleibe und entgeltet werde.
Zusammenarbeit mit einer Schulklasse
Einer der mitwirkenden Landwirte ist Gastgeber Michael Frauenfelder: Er hat im Rahmen von «Plan B» eine Ökowiese mit verschiedenen Strukturelementen aufgewertet. Er hat etwa mehrere Einzelbäume gepflanzt, Ast- und Steinhaufen errichtet sowie ein Kleingewässer und eine Sandinsel angelegt.
«Die landwirtschaftliche Produktion wird durch die Massnahmen kaum eingeschränkt», stellte Frauenfelder erfreut fest. Dagegen seien dadurch Schmetterlinge, Wildbienen und andere Insekten angezogen worden. Die Asthaufen hat er zusammen mit einer Schulklasse angelegt, die sich im Rahmen einer Biodiversitätswoche mit dem Thema beschäftigt hat.
Aus dem Zwist entstand eine Zusammenarbeit
Die Gesellschaft zum Mitmachen einzuladen, sei Teil von «Plan B», betonte Ferdi Hodel. «Biodiversitätsförderung entsteht nicht durch Gegensätze, sondern durch gemeinsames Handeln.»
Zur Verstärkung dieses Gedankens und zur Unterstützung konnte der ZBV mehrere Botschafter gewinnen, etwa die Zürcher Kantonalbank als Projektpartnerin, die Landi und Lidl. Hodel kündigte zudem an, dass auch Globi künftig als Botschafter für «Plan B» im Einsatz sein wird.
Dies ist umso überraschender, da das neu erschienene Buch «Globi und der Wald» vor einem halben Jahr mit einer Falschaussage über die Landwirtschaft für Unmut gesorgt hatte. Die Verlagsleiterin Gisela Klinkenberg entschuldigte sich daraufhin und liess den Text korrigieren. Nun ist aus dem Zwist eine Zusammenarbeit entstanden – ganz im Sinn von «Plan B».

