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«Pflück dis Glück»: Bei Thomas Hurni ist Direktvermarktung ein sorgfältig gestaltetes Erlebnis

Direktvermarktung oder Engros-Produktion? Gemüseproduzent Thomas Hurni kombiniert in Kerzers beides. Vor fünf Jahren begann er mit dem Selfpick-Bereich «Pflück dis Glück». Seither sind das Gelände und die Zahl der Kundinnen und Kunden stetig gewachsen.

Tomaten in den unterschiedlichsten Farben und Formen gehören seit 29 Jahren zum Kerngeschäft von Hurni Gemüse im freiburgischen Kerzers. Daneben produziert der Betrieb Zucchetti, Nüsslisalat und Erdbeeren für den Grosshandel. Dank des Anbaus in Folientunneln können die Erdbeeren von Mai bis Oktober geerntet werden. Doch etwas fehlte Betriebsinhaber Thomas Hurni, der den Betrieb vor 24 Jahren von seinen Eltern übernommen hat. «Wir wurden immer wieder gefragt, ob man unsere Tomaten nicht direkt bei uns kaufen könne», erzählt er. «Also besannen wir uns wieder auf die Direktvermarktung.»

Bis 1999 hatte die Familie Hurni ihr Gemüse regelmässig auf dem Wochenmarkt in Laupen BE verkauft. «Dann passte es irgendwann nicht mehr», sagt Thomas Hurni. Der Betrieb spezialisierte sich zunehmend auf die Bedürfnisse des Grosshandels und investierte in mehreren Etappen in Gewächshäuser, Folien- und Beerentunnel. Was dabei verloren ging, war der direkte Kontakt zur Kundschaft. Während der Covid-Pandemie wurde deshalb der Wunsch konkreter, wieder näher an die Konsumentinnen und Konsumenten heranzurücken.

Es begann mit einem Märithüsli

Thomas Hurni liess das «Märithüsli» bauen, legte ein Bächlein an und schaffte sich eine kleine Hühnerschar an. Gleichzeitig erhielt auch ein besonderer Ort auf dem Hof neue Bedeutung: der Lindenbaum, den die Eltern von Thomas Hurni vor vielen Jahren gemeinsam mit ihren Kindern gepflanzt hatten. «Meine Familie wollte dem Baum mehr Raum und Wertschätzung geben», erinnert sich Hurni.

«Pflück dis Glück»: Bei Thomas Hurni ist Direktvermarktung ein sorgfältig gestaltetes Erlebnis
Im «Märithüsli» können bereits geerntete Produkte sowie weiterverarbeitete Lebensmittel von Hurni Gemüse sowie von umliegenden Betrieben gekauft werden.

Da viele Spaziergängerinnen, Spaziergänger und Badegäste am Hof vorbeikamen, entstand neben der Linde ein gemütlicher Sitzplatz. «In den ersten Tagen nach der Eröffnung unseres Hofladens und der Hühnerställe, bei denen man Eier direkt aus den Nestern ‹pflücken› konnte, erhielt ich mehr positives Feedback als zuvor in 20 Jahren intensiver Gemüseproduktion.»

Die Erdbeeren sind das Zugpferd

Aus dieser Entwicklung entstand schliesslich auch der Selbstpflückbereich «Pflück dis Glück». «Die Erdbeeren wurden rasch zu unserem Zugpferd», sagt Thomas Hurni. Bestehende Kulturen wurden dabei für die Kundschaft zugänglich gemacht. Das Besondere: Die Erdbeeren können bequem auf Schulterhöhe gepflückt werden. Nach und nach kamen weitere Angebote dazu: verschiedene Salate, Fruchtgemüse und später auch Blumen und Kräuter.

Nach dem Ende der Pandemie ging das Interesse an der Direktvermarktung zunächst etwas zurück. Dennoch entschied sich Thomas Hurni, den neuen Betriebszweig weiterzuentwickeln. Der Hofladen wurde umgebaut und attraktiver gestaltet, um ganzjährig ein breiteres Sortiment an hofeigenen Produkten sowie Erzeugnissen anderer Betriebe anbieten zu können. Denn Gurken, Tomaten, Bohnen oder Melonen selbst zu ernten, ist für viele Konsumentinnen und Konsumenten noch ungewohnt. Nüsslisalat selbst zu schneiden, reizt nur wenige. Deshalb finden sich im «Märithüsli» auch stets frisch geerntete Früchte und Gemüse.

Bewusst für die Besucher attraktiv gestaltet

In den folgenden Jahren entstanden weitere Erlebnisbereiche: ein Obst- und Beerengarten, ein Sinnesgarten mit Barfuss-Pfad, ein Rosengarten, ein Selbstpflück-Blumenfeld sowie ein Kräutergarten. Der vorläufige Höhepunkt ist das neue Blumenhaus mit einer fest angestellten Floristin. Sie gestaltet aus der Blumenvielfalt Sträusse und Gestecke und ist für die Dekoration der gesamten Anlage verantwortlich. Gleichzeitig wurden Marketing und Kommunikation professionalisiert – mit dem Ziel, «Pflück dis Glück» zusätzlich als Ausflugsziel zu etablieren.

Mehr Bewusstsein schaffen

«Wir setzen seit rund drei Jahren verstärkt auf das Erlebnis und den Austausch mit unseren Kundinnen und Kunden», erklärt Nadine Niklaus, Kommunikationsverantwortliche von «Pflück dis Glück». «Die Besucherinnen und Besucher schätzen es, wieder näher an der Produktion von Gemüse und Früchten zu sein. Bei uns kommt nur in den Laden, was Saison hat und möglichst aus der Region stammt.» Dadurch erhielten die Gäste auch ein besseres Bewusstsein für die Saisonalität der Produkte. «Offenbar deckt unser Angebot ein grosses Bedürfnis ab, denn viele Menschen kommen auch ausserhalb der Erdbeerzeit von weit her zu uns.»

«Pflück dis Glück»: Bei Thomas Hurni ist Direktvermarktung ein sorgfältig gestaltetes Erlebnis
Nadine Niklaus, hier vor den Hochbeeten mit den Kräutern, ist für die Kommunikation des Betriebes zuständig.

Der Charme soll erhalten bleiben

Auch wenn der Grosshandel weiterhin das Kerngeschäft von Hurni Gemüse bleibt und die Direktvermarktung nur einen kleinen Teil des Umsatzes ausmacht, ist Thomas Hurni die Weiterentwicklung des Projekts wichtig. «Das Ganze begann als Experiment und war nicht bis ins Detail geplant», sagt er.

«Doch wir merken, dass unser Angebot ein echtes Bedürfnis anspricht. Die Menschen interessieren sich für die Produktion und stellen viele Fragen. Und mir selbst bereitet die Anlage grosse Freude.» Dabei sei ihm besonders wichtig, dass trotz Wachstum der ursprüngliche Charme erhalten bleibe: «Wir möchten uns weiterentwickeln, aber das Liebevolle und Natürliche der Anlage soll bestehen bleiben.»

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