Laura* ist 40 Jahre alt. Als die Kinder klein waren, hat sie ganz auf dem Landwirtschaftsbetrieb gearbeitet. Seit Kurzem ist sie zwei Tage in der Woche in ihrem ursprünglichen Beruf als Dekorateurin tätig. Sie hat Freude daran und das Kreativsein tut ihr gut.
Verunsichert und überlastet
Seither macht sich Laura immer wieder Gedanken zu ihrer neuen Rolle auf dem Hof. Sie ist verunsichert und fühlt sich überlastet. «Mich abzugrenzen, fällt mir schwer», sagt sie.
«Wenn ich auswärts arbeite, bin ich in Gedanken oft zu Hause und kann mich schlecht auf meine Arbeit konzentrieren. Ich mache mir Sorgen, ob mein Mann an all die Aufgaben denkt, die ich bisher erledigt habe. Das Gedankenkreisen macht mich fertig.»
Laura und ihr Mann reden viel miteinander. Immer wieder besprechen sie auch Lauras Situation. In der Beratung erzählt das Paar: «Bei den Besprechungen kommen wir vom einen ins andere. Am Schluss sind wir wieder am gleichen Punkt wie am Anfang und es fehlen Entscheide.»
Absprachen bringen Vorteile
Es zeigt sich, dass Absprachen nötig sind, denn sie bringen folgende Vorteile:
- Vermeidung von «Endlosgesprächen», weil das Ziel klar ist.
- Klarheit bei den Beteiligten: Wer macht was und wie?
- Es entsteht eine Basis für ehrliche Zusammenarbeit.
- Erwartungen werden transparent, weil darüber gesprochen wird.
- Wenn jemand die Abmachungen nicht eingehalten hat, besteht die Möglichkeit der Konfrontation.
Im Alltag von Laura und ihrem Mann gibt es viele Bereiche, in denen Absprachen hilfreich sind. Sie entscheiden sich, zuerst für die Fleischvermarktung eine schriftliche Vereinbarung aufzusetzen. Damit nichts vergessen geht, wollen sie die Abläufe besprechen und die Verantwortlichkeiten verbindlich verteilen.
Auflisten, was getan werden muss
Sie listen alles auf, was rund um den Fleischverkauf geklärt und gemacht werden muss. Von der Kundenbewirtschaftung, Rechnungen schreiben, Fleisch verpacken bis zur Organisation der Kinderbetreuung am Fleischvermarktungstag.
In ruhiger Atmosphäre, wenn beide Zeit haben, klären sie, was beide möchten. Sie besprechen und vereinbaren, wer was macht und wie es gemacht werden soll. Die Verantwortungen werden verteilt. Wer nicht kann, ist verantwortlich für einen Ersatz.
Klare Vorgaben helfen
Sie prüfen die Vereinbarung nach folgenden Kriterien:
- Ist sie kurz und klar, positiv formuliert und überprüfbar?
- Ist sie erfüllbar, angesichts der Zeit und der Möglichkeiten aller Beteiligten, oder braucht es jemand zur Unterstützung?
- Ist das Ziel erreichbar oder erreicht?
- Enthält sie die Dauer der Gültigkeit? Ist die Zeit vorbei, kann wieder neu verhandelt werden.
- Ist klar formuliert, wie festgestellt werden kann, ob die Zusammenarbeit erfolgreich ist?
Zuständigkeiten gleich klären
Laura und ihr Mann sind sehr spontane, freiheitsliebende Menschen und gegenüber schriftlichen Abmachungen waren sie eher kritisch eingestellt. Die Vereinbarung für die Fleischvermarktung war jedoch für beide sehr hilfreich. Sie soll für ein halbes Jahr gelten. Dann wollen sie die Abmachung prüfen und allenfalls anpassen.
Immer öfter spricht sich das Paar auch in alltäglichen Dingen ab. Anstelle von «Man sollte noch …» klären sie es sofort: Wer ist zuständig? Wie und wann soll es erledigt sein?
Laura merkt schnell, dass verbindliche Absprachen, mündliche oder schriftliche, für sie eine grosse Entlastung sind. Was zunächst nach Einschränkung klingt, führt im Alltag zu Erleichterung, Klarheit und mehr Ruhe im Kopf.
(*Name geändert)
Zur Person
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Doris Brönnimann ist Bäuerin und psychosoziale Beraterin SGfB. Den Landwirtschaftsbetrieb im Kanton Bern übergaben sie und ihr Mann vor einiger Zeit der nächsten Generation. In ihrer Praxis in Köniz BE unterstützt sie Menschen bei persönlichen Schwierigkeiten, Sinnkrisen oder bei zwischenmenschlichen Konflikten. In loser Folge schreibt sie über ihren Beratungsalltag.
www.doris-broennimann.ch