«Gemüse ist ergiebig, daraus lässt sich viel Suppe machen», stellt Regula Böhi fest. Die Präsidentin der Thurgauer Landfrauen lädt 20 kg Kartoffeln aus ihrem Auto, um sie in die Küche des Sozialbetriebs «Aba» in Amriswil zu bringen. Dazu kommen je 3 kg Lauch, Sellerie und Zwiebeln.
Aus geretteten Kartoffeln in Übergrösse
Bereits zum vierten Mal kommt Regula Böhi mit zwei weiteren Landfrauen hierher, um gemeinsam Kartoffelsuppe zu kochen. Die Landfrauen lancierten das Suppenprojekt im Rahmen des PRE Terrafood (siehe Kasten).
«Dabei geht es darum, deklassiertes Gemüse zu ‹retten›, um daraus ein gesundes und regionales Lebensmittel herzustellen», so Böhi. Dazu erhält sie von einem Landwirt aus ihrer Nachbarschaft Kartoffeln, die dieser aufgrund ihrer Übergrösse nicht wie geplant absetzen konnte. Das restliche Gemüse bezieht sie von einem Hofladen aus der Region.

Sie können die Infrastruktur eines Sozialbetriebs nutzen
Regula Böhi konnte mit der Aba aushandeln, für die Suppenproduktion die Infrastruktur der Küche benutzen zu können. So etwa einen grossen Kochtopf, der 50 Liter Suppe fassen kann, sowie einen Mixer zum Pürieren.
Zudem hat das Küchenteam des Sozialbetriebs das Gemüse bereits gerüstet, wenn die Landfrauen zum Kochtermin eintreffen. Ist die «Härdopfelsuppe» fertig, wird sie in Gläser abgefüllt und im Steamer sterilisiert. «Damit ist die Suppe für mindestens ein halbes Jahr haltbar», so Böhi. Zuhause etikettiert sie jeweils die 130 Gläser à 3,5 dl.
Vermarktung ist die grösste Herausforderung
Die Thurgauer Landfrauen verkaufen ihre Suppe vor allem an Märkten im Verlauf des Jahres, beispielsweise an der WEGA in Weinfelden oder am Muttertags-Frühlingsfest der ABA in Amriswil. Abnehmer ist zudem ein Hofladen, auch eine Landi-Filiale hat bereits Interesse gezeigt.
Die Landfrauen haben auch schon im Rahmen eines Caterings Suppe gekocht, etwa für einen Anlass der Frauenzentrale Thurgau. Sie wären gerne bereit, öfter zu produzieren und dabei grössere Chargen herzustellen. «Die Vermarktung ist allerdings eine Herausforderung», stellt Regula Böhi fest.
Der Weg bis in den Detailhandel sei mit viel Aufwand verbunden, so brauche es ein entsprechendes Netzwerk. Sollte das Suppenprojekt wachsen, wäre es ein Ziel, auch grössere Mengen an Gemüse weiterhin direkt von Produzenten zu beziehen. «Es sollten vor allem die Bauern und Bäuerinnen von dem Projekt profitieren und nicht der Zwischenhandel», so die Thurgauerin.
Aba-Frühlingsfest: 9./10. Mai 2026 von 10 bis 17 Uhr, Arbonerstrasse 17, Amriswil. Mit 40 Markständen und Festwirtschaft.
PRE Terrafood
Das Projekt zur regionalen Entwicklung (PRE) Terrafood zielt hauptsächlich darauf ab, die Produktion von Bio-Chicorée, Kartoffeln und Zwiebeln im Kanton Thurgau zu fördern. Ferner geht es auch um das Thema «Food Waste». Das Projekt will eine digitale Vermarktungs- und Vertriebsplattform für überschüssige Lebensmittel schaffen. Zudem haben die Thurgauer Landfrauen das Teilprojekt «Suppen aus deklassiertem Gemüse» lanciert. Dabei werden sie von Agro Marketing Thurgau unterstützt. Der Startschuss für die Umsetzung des PRE, welches von Bund und Kanton finanziell unterstützt wird, fiel im Februar 2025. Der Abschluss ist auf Ende Januar 2031 geplant.



