Wildbienen haben als Verwandte von Honigbienen mittlerweile einige Bekanntheit erreicht. Während Imker ihre Völker betreuen und bei Bedarf in die Nähe blühender Kulturen oder Obstbäume versetzen, müssen sich Vertreter der rund 600 einheimischen Wildbienenarten in der Schweiz selbst auf die Suche nach Nahrungsquellen und Nistmöglichkeiten machen. Der Grossteil dieser Arten baut oder nutzt Nester im Boden. Wiederum die meisten davon leben nicht in Völkern, sondern solitär.

Einfache Möglichkeiten zur Förderung

Laut Agroscope gehören bodennistende Wildbienen wie Sand-, Furchen- oder Schmalbienen zu den wichtigsten Bestäubern landwirtschaftlicher Kulturen. Häufig fehlen ihnen jedoch geeignete Blütenpflanzen als Nahrungsressourcen rund ums Jahr und passende Nistmöglichkeiten. In einem Merkblatt erläutern die Agroscope-Forschenden Matthias Albrecht und Anina Knauer, wie sich nützliche Wildbienen mit überschaubarem Aufwand auf dem Betrieb fördern lassen.

1: Einen Sandhaufen aufschütten

Fast die Hälfte der einheimischen Wildbienenarten ist bedroht. Helfen kann eigentlich jeder und jede. (Bild Screenshot bienen.ch) Bienen Wildbienen: Wer sie sind und was sie brauchen Mittwoch, 20. Mai 2020 An gut besonnter Lage und in der Nähe blütenreicher Flächen wird feiner, ungewaschener Sand zu einem Haufen aufgeschüttet. Er sollte nicht zu klein sein, sondern mindestens 3 m3 messen. Zur Pflege gilt es, allfälligen Bewuchs im Winter zu entfernen.

2: Offene Bodenflächen erhalten

Der Standort einer offenen oder nur lückig bewachsenen Fläche sollte trocken und sonnig sein. Am einfachsten ist es, offene Stellen in Weiden oder Lücken in Böschungsgrün zu belassen bzw. das Überwachsen zu verhindern. Alternativ kann man auch gezielt Boden freilegen, indem die Grasnarbe und gegebenenfalls auch die Humusschicht abgetragen wird.

3: Vertikale Stellen sind besonders wertvoll

Viele Wildbienenarten nutzen vertikale Steilkanten oder deren Fuss mit leichter Neigung zum Nisten. Das können schon Abrisskanten von 20–30 cm Höhe sein, z. B. an Feldwegen oder Ackerrandkanten. Um sie zu erhalten, wird alle zwei bis drei Jahre in den Wintermonaten überwuchernde Vegetation entfernt.

4: Extensive Wiesen und Weiden – auch für Wildbienen

Lückige Bestände mit zahlreichen Pflanzenarten sind wertvolle Lebensräume für Insekten, auch für Wildbienen. Sie finden dort sowohl Nahrung als auch Nistmöglichkeiten.

5: Auf Feldwegen auf Asphalt verzichten

Sandiges und feines Erdmaterial statt grobem Schotter oder Asphalt kommt den Wildbienen zugute. Zur langfristigen Erhaltung dieser Lebensräume die Wegränder nicht düngen und das Schnittgut nach dem Mähen abführen.

6: Ein Zuhause für Hummeln

Agroscope-Studie Wildbienen sind gute Bestäuber – und durchlüften den Boden Mittwoch, 20. September 2023 Auch Hummeln zählen zu den Wildbienen. Sie errichten ihre Nester in Hohlräumen im Boden, in lückiger Vegetation, in moos- oder laubbedecktem Boden oder lichten Wäldern. Ihre Förderung gelingt mit Hecken und Trockenmauern sowie extensiv genutztem Grünland.

7: Oberirdische Hohlräume

Wildbienen bewohnen auch gerne Hohlräume in Totholz, vor allem, wenn es sich um Frassgänge von Käfern handelt. Hohle und markhaltige Pflanzenstängel (z. B. Brombeere, Holunder, Schilf, Karde, Königskerze) werden gerne angenommen. Buntbrachen mit Königskerzen und Karden sind demnach wertvoll. Alternativ kann man 25–50 cm lange Stängelstücke senkrecht an einem sonnigen Ort aufstellen und mehrere Jahre dort belassen.

8: Für genügend Futter sorgen

Neben Nistplätzen brauchen Wildbienen auch genügend Nahrungsquellen. Dafür sorgen z. B. blütenreiche Biodiversitätsförderflächen oder Hecken. Wichtig ist ein möglichst diverses Blühangebot vom zeitigen Frühling bis in den Herbst.

Das Merkblatt mit praktischen Tipps finden Sie hier