Zäunen gilt als eine der wichtigsten Massnahmen zum Schutz von Nutztieren vor dem Wolf. Der Bund unterstützt den Herdenschutz finanziell. «Wir hören aber oft von Landwirten, dass dieser Fördertopf schnell leer ist und nur wenig Geld fliesst», sagt Dominic Briggen. Er ist Vorstandsmitglied des Vereins «Schutz von Wildtieren», der auch in diesem Jahr hochwertiges Zaunmaterial an interessierte Landwirt(innen) abgibt.
Blau-weiss wird besser gesehen
«Wir können insgesamt 7000 m Zaun zur Verfügung stellen», so Briggen. Es sind blau-weisse Elektrozäune inklusive Flatterbänder. Meistens sieht man in der Praxis Netze in Orange. «Die Bedeutung der Farbe wird unterschätzt», sagt Dominic Briggen.
Nur blau-weiss sei für Wildtiere wie Rehe oder Hasen ausreichend sichtbar, damit sie sich nicht darin verheddern und elend zu Tode kommen. Wichtig ist für den Verein trotzdem, dass jene Betriebe, die das Zaunmaterial erhalten, auch die Flatterbänder installieren. Ausserdem werden nur Höfe berücksichtigt, die sich in Wolfsgebieten befinden.
Das Engagement kommt gut an
Das Angebot stösst bei den Landwirt(innen) auf Interesse. 2025 konnte der Verein 8000 Meter Zäune abgeben. Für ein Fazit zur Wirksamkeit ist es Dominic Briggen zwar noch zu früh – das Material sei erst im August auf die Betriebe gekommen und man sollte eine volle Saison abwarten, um wasserdichte Schlüsse ziehen zu können. Negative Rückmeldungen haben ihn aber keine erreicht.
Das Interesse besteht indes nicht nur seitens der Anwender, sondern auch bei den Unterstützern von «Schutz für Wildtiere». «Es wird gut verstanden und positiv aufgenommen, dass wir das machen», bemerkt Briggen. Der Verein hat indes auch andere Projekte, wie «Wildseek». Dabei geht es um die Rettung von Rehkitzen im hohen Gras, wenn die Mähmaschine anrückt.

Wärmebildkamera und neu mit Alarm
Urs Streuli aus Horgen ZH hat letztes Jahr mit Wildseek gemäht. «Das ist eine Wärmebildkamera, die ich an einem Gestänge aus der Filmbranche vorn am Traktor befestigt habe», beschreibt er das System. Über ein Kabel wird die Aufnahme der Kamera in die Kabine übertragen, wo man sowohl das Wärmebild sieht, als auch die normale Aussicht auf das Gras vor dem Mähwerk.
Wärmequellen wie Kitze – aber auch Katzen, Hasen, Füchse oder Igel – werden so sichtbar. In der neuesten Version ist Wildseek zusätzlich mit einem Alarm in Form eines Blinklichts ergänzt.
«Das ist eine grosse Verbesserung», bemerkt der Landwirt. Sobald ein Tier erkannt wird, geht der Alarm innert Millisekunden los. «So muss man beim Mähen nicht konstant den Bildschirm beobachten.» Ausserdem soll eine empfindlichere Wärmebildkamera das sichere Mähen auch später am Tag ermöglichen, wenn die Temperaturunterschiede zwischen Gras und Tierkörper nicht mehr so gross sind wie am sehr frühen Morgen.
Immer verfügbar, wenn gemäht werden soll
Einen Vorteil gegenüber der Rehkitzrettung mit Drohnen sieht Urs Streuli in der zeitlichen Verfügbarkeit: «Mit Drohnen wäre wohl eine gute Variante. Aber eine Drohne kann immer nur an einem Ort sein und in der Regel wollen alle gleichzeitig mähen.»
Zudem hat der Zürcher schon beobachtet, wie schnell Rehe ihre Kitze umplatzieren. Innerhalb einer Stunde nach dem Drohnenflug könnte daher wieder ein junges Reh in der abgesuchten Fläche versteckt liegen. «Mit der Kamera vor dem Mähwerk habe ich ein Live-Bild», hält er fest.
Befestigungssystem zu finden, ist nicht ganz einfach
Wildseek hat aber auch Nachteile. So ist das Gestänge ein Hindernis unter Hochstammbäumen, da es sich in der Krone verheddern kann. Und es ist ein gewisser Aufwand, erst ein Befestigungssystem für den eigenen Traktor zu finden und das System dann jeweils zu montieren bzw. nach dem Mähen wieder abzubauen.
«Es wäre sicher gut, wenn man die Befestigung standardisieren könnte», meint Streuli. «Aber das ist nicht so einfach, weil jeder Traktor wieder anders ist.» Auch hat er sich schon überlegt, ob man die Kamera auch an einem einachsigen Balkenmäher anbringen könnte.
Angesprochen ist, wer mitentwickeln will
Der Verein «Wildtiere schützen» konnte heuer 20 Wildseek-Systeme (Wärmebildkamera + Alarm-Blinklampe) an interessierte Betriebe abgeben. «Wir sprechen damit explizit Landwirt(innen) an, die es mit uns weiterentwickeln wollen», sagt Dominic Briggen.
Wichtig ist ihm ausserdem, zu erwähnen, dass es sich bei den Wärmebildkameras und dem Zaunmaterial nicht um Leihgaben handelt. «Beides geht vollständig in das Eigentum der Betriebe über.»
Wer sich für das Zaunmaterial oder Wildseek interessiert, kann sich unter info(at)schutz-von-wildtieren.ch oder Tel. 078 648 50 67 direkt beim Verein melden.

