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Biodiversitätsförderflächen: Extensive Bewirtschaftung kann zu Vermoosung führen

Im luzernischen Entlebuch gingen zwei Studien der Vermoosung auf den Grund. Günstige Bedingungen fördern Moos allerdings stärker als die Bewirtschaftung.

Es sei schon lange ein Thema im Landwirtschaftsforum von Biosphäre Entlebuch, sagt deren Geschäftsführerin Meryl Meyer, hauptberuflich Lehrerin und Beraterin am BBZN Schüpfheim LU. Im Forum sind Vertreter der örtlichen Bauernvereine organisiert. Die Rede ist von der Vermoosung von Biodiversitätsförderflächen (BFF), die Praktiker beobachten. Erste Erkenntnisse haben nun zwei kürzlich abgeschlossene Masterarbeiten von ETH-Absolventinnen geliefert, begleitet von Florian Knaus, der sowohl bei der Unesco Biosphäre Entlebuch als auch an der ETH als Wissenschafter und Dozent aktiv ist.

Lehmige Böden und viele Niederschläge

«Analyse der Vermoosung auf Biodiversitätsförderflächen und Naturschutzflächen in der Unesco Biosphäre Entlebuch» heisst die Studie von Nadine Reinert. Durch eine Vermoosung schwinde der Ertrag, die Biodiversität nehme teilweise ab und zudem könne ein grossflächiger Moosteppich in steilen Lagen ein Sicherheitsrisiko für die Bewirtschaftung darstellen, so Reinert einleitend in ihrer Zusammenfassung.

Für die Masterarbeit wurden 63 Biodiversitätsförderflächen und Naturschutzflächen untersucht. Und zwar Naturschutzflächen sowie extensiv und wenig intensiv genutzte Wiesen der Bergzonen II und III im Schnittregime Standard und zusätzlich extensiv genutzte Wiesen im Schnittregime Flex.

«Moosquadrate» misst die von oben sichtbare Moosdeckung, die «Moosfrequenz» die absolute Moosdeckung auf dem Untergrund. Im Durchschnitt wurden über die gesamte Region ein Moosquadrat-Wert von 24.5 % und eine Moosfrequenz von 50.4% gemessen. Moos ist also weitverbreitet.

Dabei wurden Flächen ohne jegliches Moos sowie Flächen mit einer hundertprozentigen Moosdeckung angetroffen. «Es stellte sich heraus, dass speziell die gegebenen Umweltfaktoren die Moosdeckung stark beeinflussen», schreibt Nadine Reinert. Die gesamte Region sei durch lehmige Böden und den hohen Jahresniederschlag prädestiniert für viel Moos, jedoch seien lokale Unterschiede in der Moosdeckung sichtbar.

Moose mögen es schattig und feucht

Auf nordseitigen Hängen und in Waldrandnähe liess sich eine erhöhte Moosdeckung feststellen. Dagegen wurden bei höherer, üppiger Vegetation sowie in Mulden eine geringere Moosdeckung gefunden. Auch gemäss Literatur bevorzugen Moose schattige und feuchte Standorte mit geringer Konkurrenz.

Das verminderte Moosaufkommen in Mulden überraschte die Studienautorin. Es ist anzunehmen, dass dies eine Verzerrung aufgrund der nassen Bedingungen während der Feldarbeiten sowie den Nährstoffeinträgen in die Mulden ist. Die Resultate der Arbeit lassen darauf schliessen, «dass die Umweltfaktoren einen signifikanten Einfluss auf die Vermoosung auf Biodiversitätsförderflächen und Naturschutzflächen in der Unesco Biosphäre Entlebuch haben».

Umweltfaktoren bedeutender als Bewirtschaftung

Die Beobachtung der Landwirt(innen), dass Stickstoff einen Einfluss hat, konnte durch die erhobenen Daten also bestätigt werden, da wenig intensiv genutzte Wiesen eine tiefere Moosdeckung aufwiesen als extensiv genutzte Wiesen und Naturschutzflächen. Interessant ist gemäss der Autorin jedoch, dass Naturschutzflächen vermehrt in höheren Lagen vorkamen und eine signifikant höhere Moosdeckung aufwiesen.

Viele Naturschutzflächen im Entlebuch unterliegen dem Moorschutz und sind eher feuchte Standorte, die gut geeignet sind für Moose. Hingegen liess sich beobachten, dass auf trockeneren Standorten, auf denen bspw. Margeriten vorkamen, weniger Moos vorhanden war. Betrachte man die Bewirtschaftungsfaktoren unter Berücksichtigung der Umweltfaktoren, stelle sich heraus, dass die Umweltfaktoren eine wichtigere Rolle spielten und den Einfluss der Bewirtschaftungsfaktoren übersteuern würden, so die Studie.

BFF vermoosen mit der Zeit

Der Bewirtschaftungseinfluss auf die Moosdeckung von extensiv und wenig intensiv genutzten Wiesen in der Unesco Biosphäre hat im Anschluss Leila Scheiwiller in ihrer Masterarbeit untersucht. Sie setzte sich zum Ziel, den Einfluss ausgewählter Bewirtschaftungsvariablen auf die Moosdeckung extensiv und wenig intensiv genutzter Wiesen zu untersuchen.

Zusätzlich hat sie die Wahrnehmung der Bewirtschafter erfasst, um zu bestimmen, ab welchem Schwellenwert der gemessenen Moosdeckung vermehrt von einer «Vermoosung» gesprochen wird und welche Ursachen die Bewirtschafter vermuten. Die Analyse basiert auf 51 extensiv und wenig intensiv genutzten Flächen in der Unesco Biosphäre Entlebuch. «Die Moosdeckung nahm mit zunehmender Dauer der aktuellen Bewirtschaftungsform sowohl auf extensiven Wiesen (EW) als auch auf wenig intensiv genutzten Wiesen (WiW) zu», schreibt die Autorin Scheiwiller.

Für den pflanzenverfügbaren Stickstoffeintrag durch die Düngung konnte bei dieser Studienauslegung kein direkter Einfluss auf die Moosdeckung nachgewiesen werden. Ein Effekt der Beweidung zeigte sich erst nach Berücksichtigung von Umweltvariablen, wobei eine längere Beweidungsdauer mit einer geringeren Moosdeckung einherging. Unterschiede zwischen beweidenden Tiergattungen (Rinder oder Schafe) waren nicht erkennbar.

Einfluss der Düngung ohne Bodenproben?

Deutlichere Effekte ergaben sich für das Schnittregime Flex und einen späteren Schnittzeitpunkt, die beide mit erhöhter Moosdeckung verbunden sind. Die Schnitthäufigkeit und Schnitthöhe zeigten keinen Einfluss. Aufgrund der Zusammensetzung des Datensatzes habe der Einfluss der Düngung innerhalb der WiW nicht abschliessend beurteilt werden können, heisst es in der Studie.

Nährstoffe im Boden als Unbekannte

Bewirtschaftende sprechen ab einer mittleren Moosdeckung von 63 % mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 % von einer Vermoosung ihrer Flächen. 25 Untersuchungsflächen wurden von ihren Bewirtschaftenden als «vermoost» eingestuft. Eine fehlende Düngung wurde am häufigsten (18 Nennungen) als Ursache angegeben, was gemäss Leila Scheiwiller durch die vorliegenden Ergebnisse nicht bestätigt werden konnte.

Ein guter Start in die Thematik seien die beiden Studien, findet Meryl Meyer vom Landwirtschaftsforum. Interessant wären sicher auch noch Bodenproben an den jeweiligen Standorten. Nur so könne der Einfluss von Nährstoffen wirklich erhoben werden. Gewinnbingend wäre auch die Betrachtung der Entwicklung der Vermoosung mittels Langzeitstudien. Auch die künftige Agrarpolitik solle sich damit befassen. Biodiversität sei ein vielseitiger Begriff.

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