IP-Suisse vereint rund 18 500 Bäuerinnen und Bauern, davon produzieren gut 10 500 aktiv nach den Labelrichtlinien – in der Tierhaltung ebenso wie im Ackerbau. Bio Suisse zählt per Ende 2024 gut 7270 Knospe-zertifizierte Betriebe. Zusammen repräsentieren die beiden Organisationen mehr als 25 000 Betriebe und einen erheblichen Teil der Schweizer Lebensmittelproduktion. Die Fusion setzt nun ein institutionelles Ausrufezeichen unter dieses Gewicht.
Mitausgelöst wurde der Entscheid durch die offene Präsidiumsfrage bei IP-Suisse. Monatelang hatte die Organisation nach einer Nachfolge gesucht und dabei den Blick geweitet. «Wir haben uns sehr lange nach einer Nachfolge umgeschaut und sind nun zum Schluss gekommen, dass eine Fusion die beste Lösung ist», sagt IP-Suisse-Präsident Andreas Stalder gegenüber der BauernZeitung.
Für Stalder ist das aber keine Notlösung. Angesichts der globalen Entwicklungen in Biodiversität und Klimaschutz sei ein Zusammenschluss längst überfällig. Dass gerade jetzt der richtige Moment sei, begründet er mit der Beobachtung: Weite Kreise räumten Nachhaltigkeitsthemen derzeit weniger Priorität ein, weil andere Krisen die Agenda dominierten. «Es kann nicht mehr schlimmer werden — diese Themen sind gerade untergeordnet», sagt Stalder. Genau das eröffne den Spielraum für einen strukturellen Neustart.
Bio Suisse sieht Marktpotenzial
Auf der Seite von Bio Suisse klingt die Begründung nüchterner. Der Schweizer Bio-Markt erwirtschaftete 2024 einen Umsatz von 4,1 Milliarden Franken, der Bio-Anteil im Detailhandel liegt bei 12,3 Prozent. Diese Dynamik weckt Interesse. Der Bio-Markt entwickle sich sehr erfreulich, sagt Bio-Suisse-Präsident Urs Brändli auf Anfrage der BauernZeitung — das eröffne Potenzial für Betriebe, auf Bio umzustellen. Viele dieser Umstellenden kommen aus den Reihen von IP-Suisse. Mit der Fusion entfällt der Organisationswechsel: Die Betriebe müssen lediglich ihre Bewirtschaftung den Bio-Richtlinien anpassen. «Wir tragen damit aktiv zur Senkung des administrativen Aufwands bei», so Brändli. Bio Suisse strebt bis 2040 10 000 Mitglieder an, die 25 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche bewirtschaften. Die Fusion mit IP-Suisse beschleunigt diesen Weg erheblich.
Die Präsidiumsfrage scheint inzwischen eine Lösung gefunden zu haben. Details nennen beide Seiten noch nicht. Zum heutigen Datum, 1. April, soll der Eintrag ins Handelsregister erfolgen.
Drei Geschäftsführer, drei Schwerpunkte
Die neue Organisation wird von drei Geschäftsführern geleitet. Andreas Stalder stellt klar: Auf der administrativen Ebene werde es Einsparungen geben, im Kaderbereich hingegen nicht. Die bisherigen Co-Geschäftsführer von Bio Suisse, Balz Strasser und Rolf Bernhard, sowie IP-Suisse-Geschäftsführer Christophe Eggenschwiler bleiben alle an Bord — und übernehmen klar umrissene Bereiche. Eggenschwiler führt die agrarpolitischen und klimapolitischen Dossiers weiter, in denen er für IP-Suisse seit Jahren präsent ist. Bernhard verantwortet den Marktbereich und damit die Beziehungen zu Handel, Verarbeitern und Labelpartnern. Strasser übernimmt den Bereich Nachhaltigkeit und Biodiversität.
Einigung noch nicht abgeschlossen
Bis ins Detail ausgehandelt ist die Fusion noch nicht. Brändli räumt ein, dass die Ausgestaltung sicherlich noch Zeit in Anspruch nehmen werde. Wo die Knackpunkte liegen, lassen beide Seiten offen. Angesichts unterschiedlicher Labelphilosophien – hier die integriert produzierenden Betriebe mit Biodiversitätspunkten und Tierwohlstandards, dort die Knospe mit dem Gesamtbetriebsprinzip und dem Verbot synthetischer Hilfsmittel – dürften die Verhandlungen über Labelarchitektur, Richtlinienhoheit und Mitgliedsbeiträge noch einige Runden brauchen.
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