«Rabatte für Fleisch sind oft reine Frequenzbringer», wird Adrian Aebi, Vizedirektor der Bundesamts für Landwirtschaft BLW in einem Bericht der NZZ am Sonntag (NZZ aS) zitiert. Das entspreche nicht der Wertigkeit von Fleisch und sei einem nachhaltigen Konsum nicht förderlich. Die Zeitung berichtet über Überlegungen des BLWs, die Werbung mit Aktionspreisen auf Fleisch zu verbieten. Dies im Rahmen der Bemühungen um eine nachhaltigere Ernährungspolitik. 

Fleisch wie Tabak oder Alkohol behandeln

Nach Ansicht des Bundes essen Schweizerinnen und Schweizer zu viel Fleisch. Laut der NZZ aS sind es durchschnittlich 780 Gramm, während die Lebensmittelpyramide zwei bis drei Mal pro Woche 100 bis 120 Gramm empfehlen würde.

Die Diskussion darüber, ob der Konsum von Fleisch wie bei Alkohol und Tabak mit einem Werbeverbot gesteuert werden soll, ist demnach eröffnet. Wobei es hierbei wahrscheinlich lediglich darum ginge, nicht mit Preisen zu werben. Und obwohl die Idee noch nicht weiter gediehen ist und noch verwaltungsintern beim BLW geprüft werden muss, bevor sie allenfalls irgendwann ins Parlament käme, wird die Ablehnung schon klar gezeigt.

 

«Der Staat hat hier nicht einzugreifen»

SVP-Nationalrat und Metzger Mike Egger spricht laut NZZ aS von einem Skandal. Dass so etwas schon in Erwägung gezogen wird, ist seiner Meinung nach gar nicht angemessen, Fleisch offensichtlich der neue Sündenbock. Proviande findet, der Staat habe hier nicht einzugreifen, «Mündige Konsumenten können selber entscheiden, ob sie solche Angebote kaufen wollen oder nicht», so die Branchenorganisation. Der Detailhandel hält sich mit Aussagen zurück und antwortet ausweichend.

Generelles Verbot wäre besser

Nationalrat Kilian Baumann, der selbst mit politischen Vorstössen den Schweizer Fleischkonsum senken will, begrüsse den Ansatz des BLWs. Beim Alkohol und beim Tabak habe man gesehen, dass bei der Werbung anzusetzen wirke, zitiert die NZZ aS. Gleicher Meinung sei der WWF, der aber ein generelles Verbot für Fleischwerbung besser finde.

5'200'000 Franken Absatzförderung

Der Bund unterstütz die Branchen bei ihren Marketingaktivitäten zur Förderung des Absatzes von Produkten aus der Schweizer Landwirtschaft. Alle vom Bund mitfinanzierten Absatzförderungsmassnahmen sind am einheitlichen Logo «Schweiz. Natürlich erkennbar».

Laut dem Umsatzprogramm der Absatzförderung 2019 bis 2021 sprach der Bund in diesem Zeitraum jährlich zwischen 5'200'000 und 5'750'000 Franken (Mindest-, respektive Höchstbetrag) für Fleischmarketing. Die zu vermittelnde Botschaft müsse lauten »Wenn Fleisch, dann Schweizer Fleisch», heisst es weiter. 

Für 2022 bis 2025 sind dieselben Beträge für Fleischwerbung vorgesehen. Zum Vergleich: Für den Milch und Butter sind es 7'400'000 - 8'200'000 und für Schweizer Gemüse 900'000 - 990'000 Franken pro Jahr. Insbesondere beim Fleisch werde aber keine Konsumsteigerung angestrebt. Vielmehr gelte es, Schweizer Fleisch gegenüber Importprodukten zu positionieren. «So werden auch Zielkonflikte mit anderen Bundespolitiken wie der Umwelt- und der Gesundheitspolitik vermieden», so das Umsetzungsprogramm 2022 bis 2025.