Monika und Hans Stadelmann wohnen zwar im Tal der sieben Berge, also der Churfirsten, aber sie befinden sich keineswegs hinter den Bergen. Auch leben sie nicht in einem Märchen, wo Zwerge für sie täglich arbeiten gehen. Wer Stadelmanns unterhaltsame Website durchstöbert, stellt schnell fest: Hier im st. gallischen Nesslau sind Profis am Werk. Es fängt an in der Käserei, wo unter der Regie des Käsermeisters Hans seit 1999 zehn Personen aus täglich 6000 bis 15 000 Litern silofreier Milch Naturkäsespezialitäten sowie Käsereibutter herstellen.
Kontakte pflegen
Nahezu 50 Milchproduzenten des Käsevereins Nesslau und des Milchproduzentenvereins Schattenhalb Ebnat-Kappel liefern den Rohstoff. Die fertigen Produkte werden, perfekt in Szene gesetzt im ansprechenden, hellen Laden, von Monika und ihrem Team verkauft. «Gewissen Grosskunden fahre ich nach», erzählt Hans, «manchmal durch die halbe Schweiz. Denn der gute Kontakt ist uns wichtig, sei es im Laden oder auf der Liefertour.» Zudem sind Stadelmanns leutselige Personen, die sich gerne Zeit nehmen für ihre Mitmenschen.
Stadelmanns legen grosses Gewicht auf silofreie Milch, entstanden aus frischem Gras und Heu, denn sie biete die optimale Grundlage für Spitzenprodukte, sind sie überzeugt. Mit den Milchlieferanten haben sie einen Jaucheabnahmevertrag. So schliesse sich der Kreis. «Das bedeutet,» hält Hans nicht ohne Stolz fest, «eine Dorfkäserei ist ökologisch der sinnvollste Ort für die Milchverwertung.»

Bloder-Sauerkäse AOP
Es ist nicht möglich, alle Käsevariationen vorzustellen, welche in der Käserei Stadelmann hergestellt werden. Eine ganz besondere Spezialität jedoch ist der Bloder-Sauerkäse AOP, der in der Ostschweiz bekannt ist. Er wird aus Magermilch von Kühen, die zu 75 Prozent mit Raufutter von Naturwiesen ernährt werden, hergestellt. Der fertige Käse ist fett- und salzarm, aber stark eiweisshaltig. Diesen Frischkäse findet man vor allem im Obertoggenburg, in Werdenberg, im Fürstentum Liechtenstein und in Amden.
Die Milchtechnologin
«2015 telefonierte mir eine junge Russin», erinnert sich Hans Stadelmann, «und fragte, ob sie bei mir arbeiten könne.» Sie sei der Liebe wegen in die Schweiz gekommen, habe in Russland Lebensmittelwissenschaften studiert. Inzwischen hat sie die Ausbildung als Milchtechnologin absolviert. Vor zwei Jahren nahm Anna Kägi an den ersten Swiss Skills der Branche teil und wurde Ostschweizer Vizeberufsmeisterin. Sie ist zufrieden in ihrem Beruf, freut sich über Kundenkomplimente und denkt, dass sie der Branche treu bleiben wird.
Verein Bloder-/Sauerkäse
Hans Stadelmann ist Vizepräsident des Vereins Bloderkäse/Sauerkäse. Eine Vereinigung, die sich 2005 zusammenschloss, um diesen traditionellen und wegen seiner vorzüglichen Eigenschaften im Trend liegenden Käse den Konsumierenden wieder näher zu bringen. Seit diesem Jahr ist Hans Oppliger, Mitarbeiter am Landwirtschaftlichen Zentrum SG in Salez, Präsident und Geschäftsführer. Sein Vize lobt ihn: «Er trug wesentlich dazu bei, dass Sauerkäse/Bloderkäse AOP, Ribelmais AOP und die St. Galler Bratwurst IGP geschützt wurden.»
Weitere Informationen: www.stadelmannkaese.ch

