Der Melkrobotereinsatz bei Käsereimilch ist ein dauerhaftes Thema. Was bei Gruyère AOP, Tête de Moine AOP oder Sbrinz AOP verboten ist, ist bei Tilsiter, Appenzeller AOP oder Emmentaler AOP erlaubt: Der Melkroboter. Nun hört man munkeln, dass die Sortenorganisation Sbrinz, das automatische Melksystem (AMS) zulassen will.

Früher kamen schon Anträge

«In den letzten Jahren wurden schon öfters solche Anträge seitens Milchproduzenten an die Sbrinz Geschäftsleitung gestellt» sagt Stefan Heller, Geschäftsführer der Sbrinz Käse GmbH. Allerdings seien diese aufgrund der unten erwähnten Gründe abgelehnt worden. Aktuell sei auch kein AMS-Antrag bei ihnen eingegangen und somit in der Geschäftsleitung auch nicht ­traktandiert. So steht das Melkroboterverbot bei ihnen nicht im Pflichtenheft, sondern wurde von der Sbrinz-Geschäftsleitung beschlossen. «Die primären Gründe gegen AMS waren erstens die Fettmolekül-Schädigungen, welche während der langen Reifedauer beim Sbrinz AOP zu ranzigem Käse führen könnten und zweitens die unkontrollierten Melkintervalle bei den ersten Generationen der AMS», hält Heller fest. Der Geschäftsführer schliesst es aber nicht aus, dass in Zukunft doch noch einen Antrag für AMS seitens der Milchproduzenten gestellt werden könnte. Sollte ein solcher eintreffen, müsste dieser:

  • durch die GL bewilligt werden
  • pflichtenheftkonform sein
  • AMS-Milch müsste auf eine Käserei eingegrenzt getestet und der daraus produzierte Sbrinz AOP über die gesamte Affinage hinaus begleitet und sensorisch und mikrobiell getestet werden (Zeitraum somit ab Produktion mindestens zwei Jahre).

Oberste Priorität hat die Qualität

«Die Welt entwickelt sich weiter und hat dies schon in der Vergangenheit getan, ansonsten würden die Landwirte immer noch von Hand melken», ist sich Stefan Heller bewusst. Und: «Wir wollen der Entwicklung nicht im Weg stehen, müssen aber in erster Linie gewährleisten, dass Sbrinz AOP weiterhin in bester Qualität hergestellt wird und die Anforderungen vom Pflichtenheft eingehalten werden», so der Geschäftsführer.

Minimale Anforderungen für Robotermilch

Um die Qualität der Käse sicherzustellen zu können, verlangen die verschiedenen Sortenorganisationen beim Melkrobotereinsatz, eine minimale Zwischenmelkzeit bezogen auf die Einzeltiere. Bei Emmentaler Switzerland sind das acht Stunden, bei Tilsiter aus Rohmilch und bei Appenzeller Käse7,5 Stunden. Bei diesen beiden gibt es noch eine zweite Beschränkung. Die durchschnittliche Anzahl Melkungen aller Kühe innerhalb 24 Stunden darf nicht über 2,5 liegen, was einer durchschnittlichen Zwischenmelkzeit von 9,6 Stunden entspricht.

Studie zeigt: Robotermilch ist geeignet

Ob die Robotermilch für die Käseproduktion wirklich viel schlechter geeignet ist als «herkömmliche», wurde letztes Jahr in einer Studie im Rahmen einer Bachelorarbeit von Samuel Gstöhl, an der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL), widerlegt. In seiner Arbeit untersuchte Gstöhl die Tankmilch von Betrieben mit Melkrobotern in Bezug auf die Käsereitauglichkeit. Ziel seiner Studie war es, herauszufinden, ob mit Melkrobotern nach heutigem Wissensstand und mit modernster Technik qualitativ hochwertige und käsereitaugliche Milch produziert werden kann und von welchen Faktoren die Milchqualität auf Roboterbetrieben abhängig ist.

Eine gute Hygiene ist entscheidend

Die Ergebnisse zeigten, dass die Hygiene am Roboter ein entscheidender Faktor für die Milchqualität ist. In der Studie konnte festgestellt werden, dass Betriebsleiter, die sich mehr Zeit nahmen um den Roboter und seine Umgebung auch manuell gründlich zu reinigen, die besten Resultate bei der Milchqualität und beim Säuregrad erzielten. Die Arbeit zeigte zudem, dass es auch mit Melkrobotern problemlos möglich ist, einwandfreie Käsereimilch zu produzieren. Voraussetzung dafür ist – gleich wie bei Betrieben ohne Melkroboter – eine gute Hygiene rund ums Melken.

Mehr zur Studie: Robotermilch ist für Käse geeignet

Gruyère: Ab 2022 ohne Roboter

Am 2. Juli 2012 hat die Sortenorganisation Gruyère (IPG) den Ausstieg aus dem Melkroboter beschlossen. Die damals beschlossene Übergangsfrist von 10 Jahren läuft somit bald aus, wie IGP-Direktor Philippe Bardet erläutert. Spätestens im Juli 2022 muss der letzte Roboter in Gruyère-Betrieben abgestellt sein. Zur Zeit stehen laut Bardet noch neun Roboter im Einsatz. Er schliesst aus, dass sich am Ausstiegs-Entscheid noch etwas ändern werde.

Risiko der Ranzigkeit sei unbestritten

Es sei trotz teilweise anderslautender Untersuchungen unbestritten, dass Robotermilch durch die Beschädigung von Fettteilchen zu Ranzigkeit im Käse führen kann. Das werde ihm von Käsern immer wieder bestätigt, sagt Bardet. Ob die betroffenen Betriebe aus der Gruyère-Produktion aussteigen oder auf ein anderes Melksystem umsteigen werden, sei ihm nicht bekannt. Gehört habe er von einem Betrieb, der den Roboter mit einem Karussell ersetzen wolle. Derweil wird bei der IPG bereits eine andere Diskussion sehr aktiv geführt: Braucht es eine Grössenbeschränkung für die Milchbetriebe? Ziel sei es, die Produktion weiter dezentral in Genossenschaften mit einer maximalen Produktionsmenge von durchschnittlich 4 Mio kg zu halten. Da es mindestens fünf Genossenschafter brauche, sollte ein Betrieb aus Sicht Bardets nicht mehr als eine Mio kg produzieren.