«Fachberatung Landwirtschaft – Werner Locher», heisst es im Abspann der Schweizer TV-Serie «Neumatt». «Ich kam per Zufall zu der Aufgabe», sagt der pensionierte Bauer aus Bonstetten im Kanton Zürich. Denn begonnen habe alles mit einem Facebook-Aufruf.

Sie suche jemanden, der ihr das Direktzahlungssystem erklären könne, schrieb Jessica Hefti, TV-Produzentin bei der «Neumatt»-Produktionsfirma Zodiac Pictures vor zwei Jahren in einem Post. Lochers Sohn Kaspar sah den Aufruf und dachte sofort an seinen Vater.

Es blieb nicht beim Erklären des Direktzahlungssystems. Werner Locher wurde engagiert, die ganze Serie als Fachberater zu begleiten. So wollten die Filmemacher gleich zu Beginn von ihm wissen, wie sich denn die Arbeiten eines Landwirts über das Jahr verteilen und wie der Tagesablauf eines Milchbauern aussieht.

Viermal lesen

Auch die Drehbücher las Werner Locher auf allfällige landwirtschaftliche Fehler durch. «Viermal, weil immer wieder etwas auf den Kopf gestellt wurde», erklärt er mit einem Schmunzeln.

Für einige Themen musste sich der Landwirt selbst erst wieder auf den aktuellen Wissensstand bringen, zum Beispiel, was heute bei einem Antibiotika-Fall genau abläuft.

Mit Vollgas

EmpfehlungTV-Tipp und VerlosungMitmachen und DVDs für die neue Bauern-Serie «Neumatt» gewinnen!Freitag, 24. September 2021 Den Schauspielern vermittelte er zudem einen Tag lang praktische Basics wie Melken und Traktorfahren. «Während Rachel Braunschweig den Traktor ganz vorsichtig manövrierte, gab Jérôme Humm gleich Vollgas.»

Die Aufgaben lagen Werner Locher: Bevor er sich für die Landwirtschaft entschied, war er drei Jahre lang Primarlehrer in Bonstetten und half auch später immer mal wieder in der Schule aus.

Beim Dreh dabei

Bei den Schauspielern kam der Praxisunterricht gut an. Sie bestanden daher darauf, dass Werner Locher während der ganzen Dreharbeiten vor Ort dabei war, wenn Landwirtschaftsszenen gedreht wurden. Dann zeigte er ihnen zum Beispiel, wie sie ein Werkzeug so in die Hand nehmen, dass es professionell aussieht. «Denn einem Bauern pressiert es immer. Er arbeitet daher mit zügigen Bewegungen.»

Am Drehort sei er aber immer etwas nervös gewesen, dass bloss kein Umfall passiere, sei es mit den Kühen oder wenn das ganze Filmteam um ein offenes Güllenloch herum agiere. In einer Szene in der 4. Folge spielte er sogar selbst mit: Bei der Vieh-Auktion ist er der andere Bieter.

Viele Auflagen

Für seine Aufgabe musste Locher zudem mit 67 Jahren erstmals seinen Berufsausweis ans Veterinäramt schicken. Denn ein Dreh mit Tieren ist mit vielen Auflagen verbunden, für die er unter Androhung von Bussen geradestehen musste. So gilt es als «Tierversuch», wenn mit Tieren gefilmt wird – und dafür braucht es eine Genehmigung.

In einem fiktiven Film darf man zudem keine toten Tiere zeigen, weil dies die Würde des Tieres verletze. Als es um die Szene mit dem toten Kalb gedreht wurde, musste daher ein Tier, dass auf einem Betrieb eines natürlichen Todes gestorben war, extra ausgestopft werden.

Keine groben Schnitzer

Im Grossen und Ganzen sei er mit der Umsetzung zufrieden, sagt Werner Locher. «Die Neumatt-Autoren wissen jetzt sicher mehr über Landwirtschaft, bäuerliches Erbrecht und Direktzahlungen als der Durchschnittsschweizer.»

Er habe keine gröberen Fehler entdeckt, aber bei einzelnen Szenen Kompromisse eingehen müssen, der Story zuliebe. Etwa, als nach der Beerdigung alle mit anpacken, um das Heu zu verteilen. «Niemand trug eine Staubmaske. Und zudem gab es auf dem Hof einen Heuverteiler, der die Arbeit überflüssig machte.»

Und wie kommt es, dass das frisch geborene Kalb in der nächsten Szene schon etwa 150 Kilo wiegt? Werner Locher hebt entschuldigend die Schultern. «Die beiden Szenen wurden mit sechs Wochen Abstand gedreht. In der Zeit wächst ein Kalb halt.»

2. Staffel im Frühling

Im Frühling soll die 2. Staffel «Neumatt» gedreht werden. Um Ideen für die Serie zu sammeln, war Werner Locher mit den Film-Autoren unter anderem bei SBV-Präsident Markus Ritter – der gleich konkrete Vorschläge machte.

Auch bei der Fortsetzung ist der pensionierte Landwirt Locher als Berater dabei. Denn die Arbeit gefiel ihm. «Alle hatten Vertrauen. Ich kenne das sonst nicht, dass man mir so gut zuhört.»

«Neumatt» verpasst? Alle Folgen finden sich bis etwa Ende März 2022 auf Play SRF.