So manches (Un-)Kraut im Garten muss nicht um jeden Preis bekämpft werden. Viele von ihnen sind gesund und kulinarisch vielseitig verwendbar – wie der Giersch.
Wer im Garten arbeitet weiss nur zu gut: Allein mit Jäten lässt sich der Gewöhnliche Geissfuss, wie der Giersch auch noch genannt wird, nicht so schnell vertreiben. Denn beim Ausreissen zerbrechen die Wurzeln wie Glasstäbe. Aus jedem in der Erde verbleibende Stück wächst wieder ein neues Pflänzchen nach.
Unterirdische Ausläufer
Durch seine unterirdischen Ausläufer verdrängt er andere Pflanzen und ergattert sich innert Jahren eine grosse Fläche. Damit es gar nicht erst so weit kommt, muss man ihn im Auge behalten.
Das heisst nicht, dass man ihn völlig aus dem Garten verbannen muss, denn Giersch hat es in sich. So enthält er bis zu 15-mal mehr Vitamin C als Kopfsalat, oder viermal so viel wie die Zitrone und 13-mal so viele Mineralstoffe wie Grünkohl (Federkohl). Will man die Powerpflanze loswerden, heisst die beste Lösung: Aufessen.
Interessant ist sein wissenschaftlicher Name: Aegopodium podagraria. Denn der griechische Namensteil podagraria zeigt seine frühere Hauptanwendung gegen Podagra, was Fussgicht bedeutet, genauer, Gichtanfall der grossen Zehe. Nebst Gichtkraut wird er auch St. Gerhardskraut genannt, der heilige Gerhard ist Schutzpatron der Gichtkranken.
Typisch: Dreierregel
Da er zur Familie der Doldenblütengewächse gehört, ist Vorsicht geboten, wenn man den Giersch nicht genau kennt und pflücken möchte. Denn unter den Doldenblütler gibt es starkgiftige Pflanzen wie zum Beispiel der Gefleckte Schierling.
Da hilft die Dreierregel: Der Blattstiel ist dreieckig, er ist in drei Blattgruppen unterteilt, die wiederum je drei Blätter aufweisen. Manchmal besitzt er jedoch nur zwei Blätter, was einem Geissfussabdruck ähnlich sieht. Somit haben wir auch die Erklärung für Aegopodium, was übersetzt «ziegenfüssig» heisst.
Zerreibt man die Blätter, strömt einem ein würziger, rüebliartiger Duft in die Nase. Ernten kann man den Giersch das ganze Jahr, stets vor seiner Blüte.
Sinnvolle Nahrungsergänzung
Der Giersch war für unsere Vorfahren ein beliebtes Wildgemüse, bevor der Gartenspinat ihn von unseren Speisen verdrängte. Für die Küche eignen sich jüngere Blätter.
Sie können für verschiedene Speisen wie Spinat, Salat, Smoothies, Quarksaucen, Risotto, Quiches, Kartoffelstock oder Pesto verwendet werden, sei es fein geschnitten, gekocht oder auch roh. In Tee und Kräuterdrinks beigefügt sorgt der Giersch für einen guten Geschmack.
Früher ein beliebtes Heilkraut
Leider wird der Giersch heutzutage praktisch nicht mehr für Heilzwecke verwendet, was eigentlich erstaunlich ist. Denn er wirkt antikanzerogen, antimikrobiell, antirheumatisch, blutreinigend, entzündungshemmend, schmerzlindernd, stoffwechselanregend, verdauungsfördernd und wundheilend.
Praktisch ist das zerquetschte Kraut bei Wanderungen gegen Insektenstich, denn es kühlt und lindert den Schmerz. Als Tee zubereitet wirkt Giersch vor allem harntreibend und unterstützt somit die Ausscheidung der Harnsäuren.
Proteinreiches Futter
Kräuterpfarrer Johann Künzle empfahl die jungen Blätter als Salat zuzubereiten. Diese würden Magen und Därme reinigen, Verstopfung beheben und Würmer vertreiben. Zudem sollten Rheumatiker und «Gichtiker» den Salat kurmässig geniessen, er würde die schädliche Harnsäure vertreiben.
In der Tiermedizin wurde der Giersch erfolgreich bei Rotlauf der Schweine verwendet, wobei den Schweinen eine grosse Menge Giersch verfüttert wurde. Auch Kaninchen und Ziegen lieben den Giersch. Er liefert viele Proteinen und ist somit ein wertvolles Futter.
Rezept Giersch-Kräuterdrink

- 10–15 Gierschblätter
- 1 Gundelreberanke
- Nach Belieben 1 Stängel Minze und Melisse
- 5 dl Apfelsaft
- 5 dl Mineralwasser
Zubereitung
- Kräuter anquetschen und fünf bis etwa acht Stunden im Kühlschrank in den Apfelsaft hängen. Den Krug zudecken.
- Gläserrand anfeuchten und das Glas kopfüber in den auf einem Teller angerichteten Blütenzucker tunken.
- Gläser zur Hälfte mit Kräutermost füllen und mit Mineral aufgiessen. Mit einem Kräuterblatt nach Belieben dekorieren.
Giersch-Spinat mit Ei und Quark

- Etwa 150 g junge Gierschblätter
- 1 kleine Zwiebel
- 1 Knoblauchzehe
- Öl
Zubereitung
- Den Giersch blanchieren.
- Zwiebeln und Knoblauch fein hacken, im Öl glasig dünsten.
- Den blanchierten Giersch kurz beifügen, mit Kräutersalz würzen.
- Serviertipp: ein halbiertes hartes Ei auf das Giersch-Spinat-Bett legen. Darauf selbst gemischten Kräuterquark geben (mögliche Kräuter sind zum Beispiel Brennnesseln, Vogelmiere, Peterli und Schnittlauch

