«Das Alter der Tiere hat vermutlich den grössten Einfluss auf die Schalenqualität», erklärt Bettina Gächter. Die Tierärztin ist Geschäftsleiterin des Geflügelgesundheitsdiensts in Regensdorf ZH. «Mit zunehmendem Alter ermüdet der Legeapparat des Huhns, der Calciumspeicher im Körper wird schlechter zugänglich und auch die Absorptionsfähigkeit von Calcium aus dem Darm nimmt stark ab.»

Neben dem Alter treten zudem gesundheitliche Ursachen auf. Besonders häufig sieht man laut Gächter Infektionen oder Probleme im Verdauungstrakt. «In der Praxis beobachten wir vor allem Infektiöse Bronchitis, Magen-Darm-Probleme oder Stress als Ursachen für vermehrt brüchige Eier

Andere Erkrankungen spielen deutlich seltener eine Rolle. Dazu zählen etwa Aviäre Enzephalomyelitis oder das Egg Drop Syndrome 76. Schwerwiegende Tierseuchen wie Aviäre Influenza oder Newcastle Disease können ebenfalls zu Schalenproblemen führen, treten in der Schweiz erfreulicherweise aber nicht auf.

Calcium als wichtigster Baustein

Calcium ist der wichtigste Baustein der Eierschale. Fehlt es im Futter, greift der Körper der Henne auf die eigenen Knochenreserven zurück. «Wenn nicht genügend Calcium im Futter verfügbar ist, wird Calcium aus dem Knochen resorbiert. Das kann zu schweren Skelettinstabilitäten, Knochenbrüchen und irreversibler Osteoporose führen», erklärt Bettina Gächter. Deshalb ist es besonders wichtig, dass das Futter stets ausreichend Calcium enthält. Eine leichte Überversorgung ist dabei für den Organismus deutlich weniger problematisch als ein Mangel.

Calcium allein reicht jedoch nicht aus: Für stabile Eierschalen müssen mehrere Nährstoffe zusammenspielen. «Phosphor ist der Partner von Calcium», erläutert Gächter. «Im Körper gilt grundsätzlich ein Mengenverhältnis von Ca:P = 2:1. Mit Eintritt der Legetätigkeit steigt dieses Verhältnis auf bis zu 4:1. Aus diesem Grund enthält Legehennenfutter deutlich mehr Calcium als Aufzucht- oder Vorlegefutter.» [IMG 2]

Eine ebenso wichtige Rolle spielt Vitamin D3, das die Aufnahme von Calcium und Phosphor über die Darmwand steuert. «Vitamin D3 ist die Vorstufe eines essenziellen Hormons, das den Calciumstoffwechsel reguliert», so Gächter. Auch Magnesium ist an diesem Prozess beteiligt: Ein Mangel kann dazu führen, dass die hormonellen Steuermechanismen im Calciumstoffwechsel weniger aktiv sind und der Calciumspiegel im Blut sinkt.

Gächter fasst die Zusammenhänge deshalb knapp zusammen: «Ohne Vitamin D3 kein Calcium. Ohne Phosphor kein Calcium. Ohne Magnesium kein Calcium. Ohne Calcium keine Eierschale.»

Fütterungsfehler sind selten geworden

Direkte Fehler im Futter kommen heute selten vor. «Die Futtermittelindustrie entwickelt ihre Produkte laufend weiter, und die meisten Alleinfuttermittel im Legehennenbereich sind sehr gut auf die Bedarfsdeckung abgestimmt», sagt Gächter.

Wichtiger sei eine angepasste Phasenfütterung, da sich der Nährstoffbedarf der Tiere im Verlauf ihres Lebens verändert. «Die Tiere benötigen in verschiedenen Lebensphasen unterschiedliche Calciumgehalte. Deshalb wird häufig eine dreiphasige Fütterung eingesetzt.»

In seltenen Fällen können jedoch Produktionsfehler auftreten. Gächter erinnert sich an einen Ausnahmefall: «Es gab einmal einen Fall, bei dem in der Vormischung kein Vitamin D3 enthalten war. Das führte zu massiven Einbussen bei Produktion und Tierzahl.» Solche Fälle seien jedoch klar die Ausnahme.

Häufiger sind kleinere Ungleichgewichte durch natürliche Schwankungen der Rohstoffe. Ein zu tiefes Calcium-Phosphor-Verhältnis oder ein hoher Phytingehalt kann beispielsweise die Calciumverfügbarkeit und damit auch die Schalenqualität negativ beeinflussen.

Struktur des Futters

Ob zusätzliches Calcium nötig ist, hängt stark vom eingesetzten Futter ab. Moderne Alleinfuttermittel decken den Bedarf meist ausreichend, dennoch kann eine zusätzliche Gabe in bestimmten Situationen sinnvoll sein.

«Der Hühnerkörper ist besser darauf vorbereitet, eine Calciumüberversorgung zu regulieren als einen Calciummangel», erklärt die Tierärztin. 

Für die Aufnahme im Körper spielt weniger die Partikelgrösse eine Rolle als die chemische Form des Calciums. Unterschiedliche Calciumverbindungen werden unterschiedlich gut verwertet.

Die Partikelgrösse beeinflusst vor allem, ob die Tiere das angebotene Material überhaupt aufnehmen. «Nicht alle Hühner haben die gleichen Präferenzen. Deshalb sollte man beobachten, wie die Herde die angebotene Calciumquelle annimmt.»

In kurzer Zeit zu hoher Leistung

«Die heutigen Hühnerrassen sind genetisch darauf ausgelegt, in kurzer Zeit hohe Leistungen zu erbringen. Dadurch sind Legehybriden schneller verbraucht als Hennen mit geringerer Leistung», sagt Bettina Gächter. Eine hohe Leistung bedeutet gleichzeitig einen höheren Bedarf an Energie und Nährstoffen. Wird dieser Bedarf nicht vollständig gedeckt, kann sich das ebenfalls auf die Schalenqualität auswirken. Zudem kann eine sehr hohe Leistung die Immunabwehr schwächen und die Tiere anfälliger für Krankheiten machen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Darmgesundheit, denn sie entscheidet darüber, wie gut Nährstoffe aus dem Futter aufgenommen werden können.

«Die Darmgesundheit ist direkt mit der Futterverwertung verknüpft», erklärt die Fachfrau. Nur bei einer stabilen Darmflora und einem gesunden Milieu im Darm kann Calcium optimal aufgenommen werden. Wird dieses Gleichgewicht gestört, kann sich zum Beispiel der pH-Wert im Darm verändern, wodurch die Löslichkeit von Calcium abnimmt. Zudem können sich Krankheitserreger besser vermehren und Schäden an der Darmwand verursachen.

«In den Zellen der Darmwand befinden sich die Kanäle zur Aufnahme von Nährstoffen. Werden diese geschädigt, kann das Tier weder genug Energie noch Mineralstoffe für die Bildung eines Eis aufnehmen.»

Auch Erkrankungen des Legeapparates selbst können die Schalenbildung direkt beeinträchtigen. Viren wie IB, EDS 76 oder ND können gezielt Zellen im Legedarm oder in den Schalendrüsen angreifen. Bakterien können lokal starke Entzündungen verursachen, welche die Eibildung und den Transport im Eileiter stören.

Neben Fütterung und Gesundheit beeinflussen auch Umweltfaktoren die Eiqualität.

«Alles, was das Huhn beeinflusst, beeinflusst auch die Eiqualität», sagt Gächter. Stress durch Hitze, hohe Besatzdichte oder ungünstige Stallbedingungen erhöht den Energie- und Nährstoffbedarf der Tiere. Diese Ressourcen fehlen dann möglicherweise für die Eiproduktion.

«Ab einem Prozent veränderter Eier ist eine genauere Abklärung ratsam»

Wenn Probleme mit dünnschaligen oder brüchigen Eiern auftreten, rät Bettina Gächter, möglichst früh aktiv zu werden. «Betriebe sollten bei Unsicherheiten nicht zögern, fachlichen Rat einzuholen», betont sie. Ansprechpartner(innen) sind unter anderem der Futtermittelberatungsdienst oder die betreuende tiermedizinische Fachperson. Oft genügen schon kleine Massnahmen, um das Gleichgewicht wiederherzustellen: «Eine Vitaminkur oder eine zusätzliche Calciumgabe kann helfen, auch Probiotika zur Stabilisierung des Darms sind oft sinnvoll.»

Ein häufig unterschätzter Aspekt ist die Hygiene der Tränkeleitungen. «In vielen Leitungen bildet sich rasch ein Biofilm aus Kalk, Bakterien, Pilzen und Algen. Wir empfehlen, die Leitungen einmal pro Woche mit viel Druck zu spülen und gelegentlich zu desinfizieren.»

«Spätestens ab etwa einem Prozent veränderter Eier ist eine genauere Abklärung ratsam», sagt Gächter. Dabei müsse auch das Alter der Herde immer mitberücksichtigt werden. Grundsätzlich empfiehlt sie, bereits bei ersten Auffälligkeiten nicht zu warten, sondern frühzeitig die tiermedizinische Fachperson zu konsultieren. «Eine telefonische Beratung kostet normalerweise nichts und kann wichtige Fragen klären oder gegebenenfalls weitere Untersuchungen anstossen.» Eine umfassende Futteranalyse sei hingegen nur in den seltensten Fällen notwendig.