Abo Retour aux Sources Aldi macht es vor: Werbung und Marketing alleine reichen nicht – es braucht Partnerschaften Dienstag, 17. Februar 2026 Während die Schweizer Milchwirtschaft in der Krise steckt, läuft es bei den Biomilchproduzenten von Bio Fair Schweiz rund. Der Verein vermarktet Milch und die daraus resultierenden Kälber als Weiderinder unter dem Aldi-Label «retour aux sources» (RAS). Das Interesse an den RAS-Produkten sei hoch, sagt Präsident Hans Braun im Gespräch mit der BauernZeitung. Die Nachfrage sei derart gut, dass die Produzenten nicht von der aktuell schwierigen Lage bei der Milch betroffen seien. Braun rechnet einen Milchpreis von rund 1.10 Franken vor – deutlich über dem, was andere Biomilchproduzenten derzeit erhalten. Interessant sei vor allem, in welch gutem Preissegment die Produkte angeboten werden könnten, ohne den Konsumenten zu überfordern. Ein Blick in die Ladentheke von Aldi zeigt: Der 180-Gramm-Becher Fruchtjoghurt kostet 79 Rappen. «Man merkt, dass der Aldi-CEO Jérôme Meyer ein Bauernsohn ist, und etwas versteht von Produktion», so Braun. Das Label arbeite genau auf jene Schiene, die der Konsument wolle.

Strenge Standards für Nachhaltigkeit

Gemeinsam mit dem Institut für Agrarökologie in Aarau und «Prüf nach!» setze sich der Verein für eine enge Kopplung von Milch- und Rindfleischproduktion in der biologischen Rinderhaltung ein, heisst es in der Mitteilung zur Mitgliederversammlung. Das Institut für Agrarökologie entwickelt die Produktionsrichtlinien und bewertet die Nachhaltigkeit der Betriebe wissenschaftlich. «Prüf nach!» aus Österreich ist ein privater Bio-Standard, der über die gesetzlichen Vorgaben hinausgeht und hohe Anforderungen an Nachhaltigkeit, Tierwohl und Rückverfolgbarkeit stellt.

Antibiotika-Reduktion durch Tränkekälber

Ziel ist es, durch das Abtränken der Kälber auf dem Geburtsbetrieb sowie den konsequenten Einsatz alternativer Behandlungsmethoden den Antibiotikaeinsatz auf ein absolutes Minimum beim Rind zu reduzieren. «Es geht nicht anders als auf diesem Weg, um von den Antibiotika wegzukommen», sagt Hans Braun im Gespräch. «Die Maximierung der Leistung pro Kuh ist unklug und entgegen dem, was gefragt ist.» Das Prinzip klingt einfach: Kälber, die auf einem RAS-Milchbetrieb geboren wurden, dort die ersten 120 Tage 800 Liter Milch getrunken haben, können ohne Einsatz von Antibiotika aufgezogen werden und erhalten beim Verkauf als RAS-Weiderind Liefervorrang.

Mehr Aufwand als geplant

Doch in der Praxis steckt mehr Aufwand dahinter. «Die Kopplung der weissen und roten Linie entwickelt sich grundsätzlich sehr positiv, erfordert jedoch mehr Aufwand als ursprünglich geplant», schreibt Bio Fair Schweiz in der Mitteilung. Sei es Beratung von Neueinsteigern in der Weiderindproduktion, Austausch zwischen Milch- und Weiderindproduzenten, Entwerfen von Richtlinien und deren Zertifizierungen, all das sei zeitaufwändiger als gedacht.

Preisaufschlag für Weiderinder

Die Weiderinder werden über die Silvestri AG vermarktet. Gemäss den aktuellen Marktpreisen (Woche 7) erhalten Produzenten für RAS-Weiderinder 13.70 Franken pro Kilogramm Schlachtgewicht (Rinder und Ochsen T3). Das sind 20 Rappen mehr als für normales Silvestri Bio-Weiderind (13.50 Franken) und einen Franken mehr als für Silvestri Weiderind IP-Suisse (12.70 Franken). Für abgetränkte Remonten zahlt Silvestri bei Munikälbern 9.30 Franken, bei Kuhkälbern 9.00 Franken pro Kilogramm. Der Tränker-Preis liegt bei 10 Franken.

Faire Verhandlungen entlang der Wertschöpfungskette

An der Versammlung sassen Vertreter beider Branchen am selben Tisch: von der Milchseite Beat Burri (Emmi), Marco Genoni (Milchproduzenten Mittelland) und Ernst Haffa (Molkerei Biedermann), von der Rindfleischseite Remo Ackermann (Silvestri AG). Ermöglicht wurde diese Zusammenarbeit durch Aldi Suisse, der sich zum Ziel gesetzt hat, Milch und das damit verbundene Rindfleisch als Weiderind unter einem Label zu vermarkten. Hans Braun dankte laut Mitteilung für die fairen Verhandlungen auf Augenhöhe entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Partnerschaften zwischen Milch- und Weiderindproduzenten

Während in der «weissen Linie» 2025 ruhig und stabil verlief und weitere Betriebe aufgenommen werden konnten, erfordert die Kopplung mit der «roten Linie» mehr Koordination. Ein Zusammenarbeitsvertrag zwischen Bio Fair und der Silvestri AG soll diese fördern, schreibt der Verein weiter. Er schafft die Grundlage für Partnerschaften zwischen Milch- und Weiderindproduzenten. In optimalen Fällen treffen beide Seiten gemeinsam Zuchtentscheide, da die Zucht in der Milchviehherde auch die spätere Aufzuchtstrategie des Weiderindbetriebs beeinflusst. Solche Partnerschaften ermöglichen weitere Abmachungen, etwa zur Notwendigkeit der Enthornung oder ein Preiszuschlag für Weidegewöhnung. Einige Partnerbetriebe bestehen bereits seit Projektbeginn und liefern nun die ersten rund zweijährigen Weiderinder ans RAS-Label.

Neue Mitglieder und Vorstandsbestätigung

Der Verein konnte vier neue Milchproduzenten, zehn Weiderindproduzenten sowie drei Betriebsnachfolger herzlich willkommen heissen. Die Mitglieder bestätigten den gesamten Vorstand einstimmig für weitere vier Jahre. Schon bei den ersten Wahlen wünschten sich die Mitglieder, dass Ämter nicht von «Sesselklebern» besetzt werden, heisst es in der Mitteilung. Dennoch wurde der Vorstand wiedergewählt. Präsident Hans Braun verhandelt seit 25 Jahren mit der Bio-Milchbranche. Franz Steiner, ehemaliger FiBL-Forscher, steuert das Fachwissen zur Weiderindproduktion bei. Stefan Rindisbacher produziert selbst RAS-Milch und zieht eigene Kälber sowie zugekaufte von Partnerbetrieben zu Weiderindern auf. Die Milchproduzenten vertreten Stephan Wicki (Zentralschweiz), Norbert Kuster (Molkerei Biedermann) und Hans Braun (Mittelland). Die Geschäftsführung liegt bei Janine Braun.

Studie bestätigt: Graslandbasierte Produktion überzeugt

Am Nachmittag der Mitgliederversammlung präsentierte Rennie Eppenstein vom FiBL wissenschaftliche Belege für die Qualität des Bio-Fair-Konzepts. Er stellte Ergebnisse des europäischen Projekts Intaqt vor, wie Bio Fair mitteilt. In mehreren Ländern wurden typische Rinderhaltungssysteme untersucht und deren Einfluss auf die Produktqualität analysiert. Mitglieder von Bio Fair vertraten dabei die extensive, graslandbasierte Produktion der Schweiz – genau jene Produktionsweise, die das RAS-Label auszeichnet.

Die Resultate untermauern die Strategie des Vereins: Sie zeigten erfreuliche Omega-3-zu-Omega-6-Verhältnisse, hohe Vitamin-E-Gehalte in Milch und Fleisch sowie hohe Eisengehalte im Rindfleisch. Problematische Schwermetallbelastungen konnten in keinem Land nachgewiesen werden. Die graslandbasierte Fütterung führte zudem zu einer sehr geringen Lebensmittelkonkurrenz – da die Rinder fast ausschliesslich Gras verwerten, das der Mensch nicht isst.

Besonders relevant für das Bio Fair-Modell: Bei einer gekoppelten Milch- und Fleischproduktion fallen laut den Berechnungen pro Tonne Protein deutlich weniger Treibhausgasemissionen an als bei getrennter Produktion. «Ein Erfolg auf ganzer Linie», wie Hans Braun gegenüber der BauernZeitung erklärt. Die Studie liefert damit die wissenschaftliche Bestätigung für das, was Bio Fair in der Praxis umsetzt.