527 000 Milchkühe stehen noch in Schweizer Ställen. So wenige wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Mitte der 1990er-Jahre waren es noch über 700 000. Der Rückgang ist langfristig unbestritten. Doch die Milchmenge bleibt stabil, weil die Kühe leistungsstärker werden: 7097 Kilogramm Milch pro Kuh und Jahr – rund 1500 Kilogramm mehr als vor zwanzig Jahren. Immer weniger Kühe produzieren immer mehr Milch.
Parallel dazu schrumpft die Zahl der Milchproduktionsbetriebe unaufhörlich. 2024 waren es noch 16 648 – ein Minus von 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zur Jahrtausendwende waren es doppelt so viele. Was bleibt, sind grössere, spezialisierte Betriebe. Die Herden wachsen, der Strukturwandel beschleunigt sich. Das spiegelt sich auch in den Herdebüchern: Weniger Mitglieder, mehr Tiere pro Betrieb.
Wer die Zahlen der drei grossen Verbände – Swissherdbook, Holstein Switzerland und Braunvieh Schweiz – nebeneinanderlegt, erkennt Muster. Schwarze Holstein auf dem Vormarsch. Original Braunvieh in der Nische erfolgreich. Red Holstein und Brown Swiss unter Druck. Und überall dieselbe Grundbewegung: Konzentration.
Swissherdbook gewinnt
69 395 rote gegen 62 072 schwarze Holstein-Kühe – so steht es per 30. November 2025 bei Swissherdbook. Die Red Holstein liegt noch vorne. Aber die schwarze Holstein rückt mit jedem Jahr näher. Allein im letzten Jahr hat die Red Holstein 492 Tiere verloren, während die schwarze Holstein 3569 Tiere zugelegt hat. Und das ist kein Ausreisser, sondern ein Trend, der seit Jahren anhält.
Der Blick auf die vergangene Dekade zeigt das volle Ausmass: Seit 2016 hat die Red Holstein 18 554 Tiere eingebüsst, das entspricht einem Rückgang von 21 Prozent. Die schwarze Holstein hingegen gewann im selben Zeitraum 23 629 Tiere hinzu – ein Plus von 61 Prozent. Bei diesem Tempo ist es nur noch eine Frage von ein bis zwei Jahren, bis Schwarz Rot überholt.
Holstein dominiert
Bei Swissherdbook ist Holstein (schwarz und rot zusammen) längst die dominierende Rasse. Mit 131 467 Tieren liegt sie deutlich vor Swiss Fleckvieh (64 895) und Simmentaler (21 827). Insgesamt verzeichnet Swissherdbook per 30. November 2025 einen Bestand von 232 023 weiblichen Herdebuchtieren – ein Plus von 3798 Tieren gegenüber dem Vorjahr. Diese Zunahme geht fast vollständig auf das Konto der schwarzen Holstein.
Interessant ist die Entwicklung bei den anderen Rassen: Swiss Fleckvieh legte im letzten Jahr um 395 Tiere zu, die Simmentaler verloren 115 Tiere. Die Montbéliarde zeigt mit einem Plus von 410 Tieren auf 11 768 die stärkste prozentuale Zunahme unter den grösseren Rassen.
Leichter Rückgang
Bei Holstein Switzerland sieht die Lage anders aus. Der Verband meldet per 30. November 2025 insgesamt 125 108 weibliche Herdebuchtiere – ein Minus von 1052 Tieren gegenüber dem Vorjahr. Bei den Kühen und Rinder über 16 Monaten liegt der Bestand bei 90 965 Tieren, das sind 72 Tiere weniger als im Vorjahr.
Ein wichtiger Unterschied zu Swissherdbook: Holstein Switzerland unterscheidet in seiner Statistik nicht zwischen rot und schwarz. Hier zählt nur die Rasse Holstein, unabhängig von der Farbe. Die Aktivmitgliederzahl sank um 58 auf 1871 Züchter – auch hier zeigt sich der allgemeine Strukturwandel mit weniger, aber dafür grösseren Betrieben.
Zwei gegenläufige Entwicklungen
Beim Braunvieh zeigt sich ein differenziertes Bild. Der Gesamtbestand beim Braunvieh (Brown Swiss plus Original Braunvieh) sank im Jahresvergleich marginal um 279 Tiere auf 146 762 Kühe. Doch diese Zahl verdeckt eine gegenläufige Entwicklung: Brown Swiss verlor 1196 Tiere und steht jetzt bei 126 155 Kühen. Das Original Braunvieh (inkl. ROB) hingegen legte um 917 Tiere zu und erreicht 20 607 Kühe – ein Plus von 4,7 Prozent.
Auch die kleinen Rassen entwickeln sich positiv: Jersey gewann 182 Tiere hinzu und liegt bei 5443, die Hinterwälder legten um 49 auf 846 zu. Beim Grauvieh gab es ein Plus von 39 auf 1131 Tiere, beim Rätischen Grauvieh eine Zunahme von 20 auf 1167 Tiere.
Das Stierangebot machts
Was treibt die Verschiebung von Rot zu Schwarz bei den Holstein? Die Antwort liegt im Stierangebot. Die schwarze Holstein dominiert weltweit den Zuchtmarkt. Das Angebot bei Schwarz ist schlicht besser – das ist kein Geheimnis und wurde von Bauern mehrfach bestätigt. Die Auswahl an Spitzenstieren mit Top-Zuchtwerten ist bei der schwarzen Holstein deutlich grösser als bei Red Holstein.
Die Zahlen im Überblick
Die Entwicklung der Bestände bei den grossen Rassenverbänden von 2024 zu 2025.
Swissherdbook:
Holstein schwarz: 58 503 ▶ 62 072 (+3569, +6,1 %)
Red Holstein: 69 887 ▶ 69 395 (–492, –0,7 %)
Holstein gesamt: 128 390 ▶ 131 467 (+3077, +2,4 %)
Swiss Fleckvieh: 64 500 ▶ 64 895 (+395, +0,6 %)
Simmentaler: 21 942 ▶ 21 827 (–115, –0,5 %)
Montbéliard: 11 358 ▶ 11 768 (+410, –3,6 %)
Gesamtbestand: 228 225 ▶ 232 023 (+3798, +1,7 %)
Holstein Switzerland:
Weibliche Herdebuchtiere: 126 160 ▶ 125 108 (–1052, –0,8 %)
Weibliche >16 Monate: 91 037 ▶ 90 965 (–72, –0,08 %)
Aktivmitglieder: 1929 ▶ 1871 (–58, –3 %)
Braunvieh Schweiz:
Brown Swiss: 127 351 ▶ 126 155 (–1196, –0,9 %)
Original Braunvieh: 19 690 ▶ 20 607 (+917, +4,7 %)
Jersey: 5261 ▶ 5443 (+182, +3,5 %)
Hinterwälder: 797 ▶ 846 (+49, +6,1 %)
Grauvieh: 1092 ▶ 1131 (+39, +3,6 %)
Rätisches Grauvieh: 1147 ▶ 1167 (+20, +1,7 %)
Braunvieh gesamt: 147 041 ▶ 146 762 (–279, –0,2 %)