Die Digitalisierung des Agrarsektors wurde im Januar 2018 mit der Unterzeichnung der Charta lanciert. Seitdem engagiert sich die Chartagemeinschaft für die Digitalisierung der Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft.

Am 5. Mai 2026 wird sich die Chartagemeinschaft zu einem Netzwerkanlass «Vertrauenswürdiger und sicherer Datenaustausch» treffen. Wieso gerade dieses Thema?

Weil Datenaustausch heute eine zentrale Herausforderung und Hürde in der Digitalisierung darstellt. Eine Reduktion der administrativen Arbeit sowie Vollständigkeit der Daten für das Betriebsmanagement lassen sich nur erreichen, wenn Daten nicht mehrfach erfasst werden müssen. Das Prinzip dahinter heisst: Once only – einmal erfassen, mehrfach nutzen.

Die Mehrfacherfassung ist unbestrittenermassen für alle ein Ärgernis, insbesondere für die Bauernfamilien bei Aufzeichnungen und Nachweisen.

Von zentraler Datenhaltung zu Datenaustausch

In der Vergangenheit war der Ansatz, die Daten an einem zentralen Ort zu speichern und so Vollständigkeit der Daten zu gewährleisten. Dieser Ansatz führte jedoch dazu, dass die Organisationen eigene Datentöpfe mit denselben Daten schufen. So entstand unabhängig voneinander mehrfache Datenhaltung.

Die zentrale Datenhaltung führte bei vielen Bauernfamilien zu einem unguten Gefühl, da unklar war, welche Daten gespeichert und wie sie genutzt wurden. Durch die technische Entwicklung (Webtechnologie) ist es heute möglich, verschiedene Datenbestände miteinander zu verbinden und Daten auszutauschen, ohne sie zentral zu speichern. Dadurch werden die Daten nur einmal gespeichert und können vom Ursprung mit anderen geteilt und ausgetauscht werden.

Voraussetzungen für den Datenaustausch

Aus technischer Sicht braucht es Schnittstellen (API), um Daten auszutauschen. Ist einmal eine Schnittstelle entwickelt, müssen die Daten bei jeder Schnittstelle oft manuell wieder zugeordnet werden, da die Daten oft nicht gleich bezeichnet werden. Zum Beispiel heisst es in der einen Datenbank «Milchkuh» und im anderen nur «Kuh». Das versteht die Technik nicht. Deshalb braucht es einen Datenstandard, den alle verwenden. Damit entfällt das manuelle Mappen der Daten. In der Schweiz werden mit dem eCH-Standard für Agrardaten Schritte in diese Richtung unternommen. Jetzt brauchen die Organisationen diese nur konsequent anzuwenden.

Aufgrund der Erfahrungen, welche in den letzten Jahren gesammelt werden konnten, lässt sich sagen, dass der Datenaustausch technisch möglich ist. Es scheitert aber am Umsetzungswillen der einzelnen Organisationen. Hier braucht es einen Gesinnungswandel, vor allem mit dem Hintergrund, dass die Daten in der Regel der Bauernfamilie gehören.

Ein weiteres, wichtiges Element für den Datenaustausch ist der Datenschutz. Diesem muss Genüge getan werden, damit der Nutzer dem Datenaustausch vertrauensvoll zustimmen kann. Es ist zentral, dass die Trägerorganisationen vertrauenswürdig sind. Dies ist durch Tatbeweis nachzuweisen und kann durch Datenschutzzertifizierungen untermauert werden.

Datenschutz- Transparenz schaffen, nicht verhindern

Datenschutz wird oft als Argument gegen Datenaustausch genutzt. Die Datenschutzgesetzgebung verhindert den Datenaustausch jedoch nicht. Es müssen grundsätzlich die «Spielregeln» eingehalten werden. Dazu gehören Transparenz, Zustimmung der Dateneigentümer und ein verbindliches Vertragswerk aller Beteiligten: AGB, Datenschutzerklärung, Datenverarbeitungsauftrag mit technischen und organisatorischen Massnahmen. Dann steht dem Datenaustausch aus Sicht Datenschutz nichts mehr im Weg.

Datenräume schaffen – z.B. mit agridata.ch

Heute muss ein digitaler Hofmanager (Farm-Management- und –Informationssystem – FMIS) jede Datenbank einzeln anbinden. Das heisst, wenn z.B. Daten aus der Tierverkehrsdatenbank bezogen oder geschickt werden sollen, muss eine Anbindung gemacht werden. Dasselbe gilt für jede andere, einzelne Datenquelle und das ist sehr aufwändig.

Das Konzept der Datenräume ermöglicht, die Daten über eine Plattform auszutauschen. Die Daten werden in der Plattform nicht gespeichert, sondern nur vermittelt und transportiert. Durch die Vernetzung entstehen so Datenräume, wo Once Only gelebt wird.

Das Bundesamt für Landwirtschaft hat, zusammen mit Kantonen und anderen Akteuren, durch agridata.ch eine solche Plattform aufgebaut. Sie schafft einen Datenraum für Agrardaten und definiert transparente Governance-Regeln.

Für das FMIS bedeutet dies, dass in Zukunft nur eine Verbindung zu agridata.ch entwickelt werden muss und nicht mehr eine Vielzahl von Schnittstellen zu Datenbanken.

Im Bereich der Lohndaten funktioniert dies bereits heute, wie das Beispiel «Swiss dec» zeigt, wo Lohndaten mit Versicherungen und Behörden ausgetauscht werden. Um das Vertrauen der Bauernfamilien in agridata.ch zu gewinnen, damit sie als Eigentümer und Nutzer den Datenaustausch freigeben, sind die bäuerlichen Organisationen gefordert.

Mehrwert durch Vernetzung

Es stellt sich die Frage, wieso die Daten durch Austausch vernetzt werden sollen. Gerade durch die Vernetzung wird das Once Only-Prinzip erfüllt. Dadurch steigt auch die Datenqualität und -konsistenz. Das heisst, es werden für denselben Tatbestand immer dieselben Daten verwendet.

Für den Nutzer hat dies zudem den grossen Vorteil, dass er die verschiedenen Datensätze verbinden kann und dadurch eine gute Basis für das Betriebsmanagement bzw. für Managemententscheide hat. Denkbar ist zum Beispiel die Verbindung der GIS-Daten der verschiedenen Wasserquellen, um dann Aussagen zu Risiken im Pflanzenschutz (z.B. Erosion, Gewässerabstände) zu machen und den Landwirten im FMIS entsprechend zu warnen. Heute liegen diese Daten in unterschiedlichen Formaten vor und sind an verschiedenen Orten gespeichert. Hier liegt ein grosses Potenzial für Anwendungen im Alltag der Bauernfamilien.

Wie weiter?

Die Erfahrung zeigt, dass das Misstrauen gegenüber einer möglichen «Datenkrake» weiterhin besteht. Deshalb ist es wichtig, das Vertrauen der Dateneigentümern zu gewinnen und vor allem nicht zu missbrauchen. Jeder Datenaustausch muss transparent deklariert werden und darf nicht ohne Zustimmung der Dateneigentümer erfolgen.

Der Wandel braucht positive Beispiele und vertrauensfördernden Massnahmen. Seitens Unternehmen soll ein Standard bei den Daten angewendet werden, damit die Datentöpfe mit Zustimmung der Dateneigentümern (z.B. Bauernfamilien) für den Austausch offen sind. Die Chartagemeinschaft wird diesen Wandel weiterhin aktiv begleiten. Gemeinsam treiben wir die Digitalisierung voran.