21 Milchkühe, 12 Zuchtsauen mit ihren Ferkeln, Eber Sämi, drei Pferde, dazu noch Hühner, Hunde, Katzen und Bienen – der Hof Schwarzenbach von Silvia Ulrich ist ein stattlicher und vielseitiger Biohof. Entsprechend stolz führt die Bäuerin durch die Stallungen. Seit drei Jahren ist die 39-Jährige Betriebsleiterin des vielseitigen Biohofs mit Agrotourismus.

Fotofachfrau und Bäuerin

Lange Zeit deutete nichts darauf hin, dass Silvia Ulrich den elterlichen Betrieb übernehmen wird. Ihr vier Jahre jüngerer Bruder startete die landwirtschaftliche Ausbildung, lernte daraufhin aber Schreiner. Silvia Ulrich selber machte eine Lehre als Fotofachfrau und arbeitete noch ein paar Jahre in dem Beruf. Nachdem sie mehrere Monate auf einer Farm in Kanada arbeitete, kam bei ihr der Wunsch auf, in die Landwirtschaft einzusteigen. Sie machte erst die Ausbildung und arbeitete daraufhin über den Sommer auf ihrem elterlichen Betrieb, im Winter war sie in einem Skigebiet tätig.

Familienbetrieb weiterführen

2023 übernahm Silvia Ulrich den 21-Hektar grossen Biohof oberhalb von Steinen. «Einerseits war meine Freude am Beruf dafür ausschlaggebend, andererseits war es mir aber auch ein Anliegen, dass unser Familienbetrieb weitergeführt wird», erklärt Silvia Ulrich. Druck zu diesem Schritt spürte sie nie. Ganz im Gegenteil, ihre Mutter hatte eher Bedenken, dass eine so zierliche Frau den ganzen Hof allein führt, und auch für ihren Vater war es teils herausfordernd, die Betriebsleitung seiner Tochter zu überlassen. Dazu kamen aber auch eigene Selbstzweifel. «Ich traute es mir selber lange nicht zu, die Leitung zu übernehmen», blickt Silvia Ulrich zurück. Der ganze Prozess habe Zeit benötigt, die Idee musste reifen. «Irgendwann erkannte ich, dass eigentlich nichts dagegen spricht und meine Zweifel verflogen. Wir Frauen in der Landwirtschaft sollten sich grundsätzlich mehr zutrauen.»

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Betrieb effizient einrichten

Dass sie als Frau den Hof führt, sorge höchstens für Verwunderung, negative Bemerkungen gäbe es nur äusserst selten. «Klar wünschte ich mir bei vereinzelten Arbeiten auch schon etwas mehr Kraft. Da ich mich entsprechend effizient eingerichtet habe, kann ich den Hof heute bei Bedarf ohne Unterstützung führen». Ihre kürzlich pensionierten Eltern arbeiten aber immer noch Teilzeit auf dem Hof mit. Auch ihr Bruder und seine Frau springen im Notfall ein, und auch ihr Lebenspartner unterstützt sie. Vor zwei Jahren lernte sie ihren Freund kennen, seit Kurzem wohnt er ebenfalls auf dem Betrieb, arbeitet aber zu 100 Prozent auswärts.

Ähnliche Sorgen wie Männer

Ihr Partner unterstützt sie nicht nur bei Arbeitsspitzen auf dem Hof, Silvia Ulrich profitiert auch von dessen Kochkünsten: «Es ist schon sehr angenehm, am Abend nach der Stallarbeit einfach an den Tisch zu sitzen, ohne kochen zu müssen», erzählt Silvia Ulrich mit einem Schmunzeln. Auch sonst unterscheiden sich ihre Sorgen und Herausforderungen kaum von denjenigen ihrer männlichen Berufskollegen: Die immer wieder neuen Programme und Vorschriften sorgen auch bei ihr für Stirnrunzeln und auch die langen Präsenzzeiten auf dem Betrieb fordern sie.

Austausch mit anderen Betriebsleiterinnen

Ihre spärliche Freizeit verbringt Silvia Ulrich gerne bei einer Wanderung in den Bergen oder einem Ausritt auf einem ihrer drei Pferde. Dabei ist sie nicht selten mit einer langjährigen Freundin unterwegs, die ebenfalls ihren elterlichen Betrieb übernommen hat. «Wir sind in unserer Region mehrere Frauen, die einen Hof führen», erklärt die Biobäuerin. Organisiert seien sie zwar nicht, der Austausch sei aber durchaus vorhanden.

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Auch wenn für sie eine Frau als Betriebsleiterin nichts Aussergewöhnliches ist, gibt sie bei Bedarf gerne Einblick in ihren Arbeitsalltag. So nahm sie schon an Podien zum Thema Bäuerin teil und war in einem SRF-Beitrag zu sehen. Dabei erfuhr sie aber auch, was es heissen kann, sich medial zu exponieren. «Auch wenn der grösste Teil der Feedbacks positiv war, einzelne Kommentare in den sozialen Medien sind schon sehr verletzend gewesen. Dabei ging es weniger um sie als Frau, sondern mehr um die Tierhaltung.»

Mehr Freiraum als Ziel

Ähnlich wie bei ihren beiden Geschwistern – ihre Schwester ist Profisportlerin im Speedsurfen und ihr Bruder Kraftsportler – ist auch Silvia Ulrich ein Energiebündel. Die langen Arbeitstage, die wenige Freizeit und die körperlichen Belastung beanspruchten sie in der Vergangenheit schon ziemlich, entsprechend arbeitet sie momentan daran, auf dem Hof etwas mehr Freiräume und Flexibilität zu erhalten. «Auch betreffend Zukunft unterscheiden sich meine Wünsche nicht von denjenigen meiner Berufskollegen: Gesundheit in Haus und Stall und ein friedliches Zusammenleben.