«Ich bin die Frau des Bauern, nicht die Bäuerin», sagt Eva (Name geändert, Anm. d. Red.) deutlich. Sie ist Ende dreissig und in einer 100-Prozent-Anstellung als Kaderfrau im Pflegebereich tätig. In der Zeitung möchte sie nicht mit dem richtigen Namen erscheinen, denn zu oft traf sie in bäuerlichen Kreisen nicht auf Akzeptanz, musste gesagtes oder ungesagtes Unverständnis ertragen. Auf dem Bauernhof hat das Ehepaar die Zuständigkeiten klar geregelt.

Eva hilft im Betrieb nicht mit, der Haushalt wird gemeinsam geführt. Der Garten ist eine Oase der Erholung und ein Hobby in der Freizeit, er wird nicht zur Selbstversorgung genutzt. Das Ehepaar hat keine Kinder, so ist auch bereits die spätere ausserfamiliäre Hofübergabe ein Thema. Für Eva ist die Stellung als Frau auf dem Bauernbetrieb klar – bis das aber in der Familie und im bäuerlichen Umfeld ebenso war, dauerte es einige Zeit.

Was ist eigentlich eine «Bäuerin»?

Noch heute ist in vielen Teilen der Gesellschaft scheinbar «gegeben», wie eine Bäuerin sein muss, wie sie auszusehen hat und was ihre Tätigkeitsfelder sind. Aber was ist eigentlich eine «Bäuerin?» Ist es eine ausgebildete Frau, die den Abschluss Eidgenössisch diplomierte Bäuerin, Bäuerin FA, oder Bäuerin HFP hat. Ist es die Ehefrau des Bauern, die auf dem Betrieb mithilft, oder auch noch prozentual in ihrem erlernten Beruf arbeitet? Ist es die ausgebildete Bäuerin FA oder HFP, die nicht in der Landwirtschaft tätig ist? Ist es die Frau, die in der Landfrauenküche im Fernsehen auftritt und so ein Bild der Bäuerin in der Öffentlichkeit gibt? Oder ist es die Frau, die auf einem Bauernhof wohnt?

Gehört zur Bäuerin auch der Bauernhof?

Fast alle von ihnen erhalten im Volksmund den Titel «Bäuerin» und geben damit das heutige «Bäuerinnen-Bild» in der Gesellschaft. Ganz sicher gehört aber zu einer Bäuerin ein Bauernhof – dies ist eine weitläufige Meinung. Eine Bäuerin mit Berufsabschluss, aber ohne einen Betrieb, kann sich ihren Titel «an den Hut stecken». Das ist für viele Leute nicht vorstellbar und so kein Thema.

«Eine wahre Majestät»

Für den Verband bernischer Landfrauenvereine VBL war das Jahr 1944 prägend. Erstmals wurden unter dessen Leitung Bäuerinnen-Prüfungen an den landwirtschaftlichen Schulen Schwand und Waldhof durchgeführt, es begann eine schweizerische Erfolgsgeschichte. Es waren die ersten Berufsprüfungen für Bäuerinnen in der Schweiz. Auf der Urkunde stand damals der Spruch von Jeremias Gotthelf: «Eine rechte Bäuerin mit offenem Herzen und offener Hand, klarem Verstand, festem Willen und Übung in allen Dingen, ist eine wahre Majestät. Welche vom Volk betrachtet wird mit Ehrfurcht und Liebe, gläubigem Vertrauen, dass sie helfen werde in jeder Not.»

Dies war früher so und ist bis heute doch ähnlich geblieben. Bäuerinnen und Landwirtinnen tragen auch in unserer heutigen Gesellschaft grosse Verantwortung für Menschen, Tiere, Natur und die Ernährungs-Zukunft. Doch ihr Engagement und ihre Leistungen bleiben leider zu oft im Hintergrund. Diese Tatsache sollte sich dringend ändern und die Sichtbarkeit der Bäuerin sollte verbessert werden.

Zu viele alte Muster, auch in bäuerlichen Kreisen

Jedoch gibt es immer noch viele «alte Muster», die sich in bäuerlichen Kreisen fest behaupten. Ein prägendes Beispiel dafür ist die junge Bäuerin FA, die nach der Geburt des vierten Mädchens vor zwei Jahren aus ihrem verwandtschaftlichen Umfeld zu hören bekam: «Schön wäre, wenn es einen Buben gegeben hätte.» Für sie ist es sehr positiv, zu wissen, dass ihr Ehemann diese Meinung nicht hat und dass er stolz auf seine gesunden, fröhlichen Töchter ist.

Internationales Jahr der Bäuerinnen und Landwirtinnen

Nun stehen 2026 die Frauen in der Landwirtschaft weltweit verdient im Fokus. Die Vereinten Nationen haben es zum Internationalen Jahr der Bäuerinnen und Landwirtinnen erklärt. Der Schweizerische Bäuerinnen- und Landfrauenverband SBLV porträtiert aus diesem Anlass Frauen aus der Landwirtschaft. Die vielfältigen Persönlichkeiten und Tätigkeiten zeigen eindrücklich, wie facettenreich ihr Wirken ist, welchen Beitrag sie zur Landwirtschaft leisten.

Sie übernehmen Vorbildrollen, verbinden Innovation und Tradition miteinander und leben ihre Leidenschaften eindrücklich. Mit Herz und engagiert wirken die Frauen im Berufsfeld und vertreten Werte. Die Bäuerinnen von heute sind aktiv, kreativ und bunt, sie kennen aber die grossen Anforderungen, welche an sie gestellt werden. Diese zu erfüllen, ist immer wieder eine Gratwanderung.

Ein gutes Netzwerk hilft und bietet viele Chancen

Frauen in der Landwirtschaft haben ein gutes Netzwerk. Im Januar 2026 gab es in der Deutschschweiz 87 neue Bäuerinnen FA, diese haben über dreissig verschiedene EFZ in Erstberufen. Damit werden unzählige Kontakte zur nicht-bäuerlichen Bevölkerung geschaffen. Produzierende und Konsumierende treffen sich im Alltag und kennen gegenseitig die Bedürfnisse und Anliegen.

Wichtig wäre auch die Frauensolidarität – diese wird aber oft nicht gelebt. Dass es manchmal doch funktionieren kann, zeigen die vielseitigen Bäuerinnen- und Landfrauenvereine, wo sich die Frauen vom Land treffen. Sich mit gleichgesinnten Frauen auszutauschen, hilft oft, eine Nicht-Akzeptanz aus dem Umfeld besser zu ertragen.