Anita Keiser erwartet die Schreiberin in einer eher ungewöhnlichen Wohnlage für ein Bäuerinnenporträt: In einem Mehrfamilienhaus in St. Jakob, Ennetmoos NW. «Ja, gell, das ist nicht typisch als Bäuerin», begrüsst die 35-Jährige und berichtet: «Unser Wunsch ist, auf dem Hof Bitzi das Elternhaus von Adrian umzubauen.» Geplant seien zwei Wohnungen für ihre Familie und Adrians Mutter Maya. «Es sind noch Abklärungen zu treffen, weil der Betrieb zu wenig SAK (Standardarbeitskräfte) vorweisen kann.» Dies, obwohl ihre Schwiegermutter Maya Keiser mit der Direktvermarktung das Soll eigentlich erfüllen würde, so Anita Keiser. ‹›

Ein Betrieb in Ennetmoos …

Just meldet sich ihr jüngster Spross. «Dario ist im Oktober auf die Welt gekommen und hat wohl Hunger», lächelt sie. «Adrian und ich haben 2020 geheiratet. Lena durfte an der Hochzeit schon dabei sein und Tina kam 2021 auf die Welt.» Die Familienplanung sei somit abgeschlossen, meint die dreifache Mutter schmunzelnd.

«Seit 2015 wohnen wir in diesem Quartier, in unmittelbarer Nähe zum Bitzi, dem Heimathof meines Mannes.» Noch gehört der Hof Adrians Mutter Maya. «Die Arbeiten sowie das Melken teilen sich mein Mann und meine Schwiegermutter», sagt Anita Keiser. Auf rund vier Hektaren halten Keisers neun Milchkühe, Mastkälber und Ziegen. Die Ziegen werden insbesondere zur Landschaftspflege eingesetzt. Die junge Familie wird in absehbarer Zeit den Hof übernehmen und hofft auf den baldigen Umbau, damit Maya weiterhin auf dem Hof leben und ihre Direktvermarktung weiterführen kann.

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… ein zweiter in Oberrickenbach

Zusätzlich bewirtschaften Anita und Adrian Keiser – er ist gelernter Landwirt und Zimmermann – seit Januar 2024 einen zweiten Betrieb in Oberrickenbach NW. Das junge Paar konnte den Hof von ihrem Onkel Alois übernehmen. «Der Betrieb umfasst knapp 14 Hektaren Land und sieben Hektaren Wald in den Bergzonen II und III. Zum Betrieb gehören Ziegen, Galtkühe und Rinder», erklärt Anita Keiser. Onkel Alois unterstützt das Paar das ganze Jahr, vor allem im Winter, weil ihr Mann dann auswärts als Zimmermann tätig ist. «In der Sommerzeit sind wir oft in Oberrickenbach, um alle anfallenden landwirtschaftlichen Arbeiten auszuführen.» Wieso nicht gleich dort wohnen? «Im Bitzi ist alles perfekt für die Produktion der Direktvermarktung eingerichtet und wir können wertvolle Synergien optimal nutzen», begründet die engagierte Bäuerin die Präferenzen.

Vom Wiesenberg ins Tal gezogen

Anita Keiser ist auf einem Bauernhof in Wiesenberg aufgewachsen. «Es ist für mich nicht einfach gewesen, ins Tal zu ziehen, aber inzwischen gefällt es mir hier sehr gut», sagt sie. Nach der Ausbildung zur Dentalassistentin und einigen Jahren Berufserfahrung suchte die junge Frau eine neue Herausforderung. Sie absolvierte die Bäuerinnenschule in Giswil OW und einzelne Module in Schüpfheim LU. 2018 schloss sie die Ausbildung zur Bäuerin mit Fachausweis ab.

«Guät’s Glace» mit hofeigener Milch

Für den Abschluss «Bäuerin mit Fachausweis» braucht es eine Projektarbeit. «Ich entschied mich für die Glace-Produktion, um die eigene Milch sinnvoll zu verwerten und die Angebote meiner Schwiegermutter Maya zu ergänzen», erklärt Anita Keiser. Nach einer Testphase startete 2018 die Produktion von «Guät’s Glace» – mit Erfolg. «Inzwischen beliefern wir diverse Läden in Nidwalden, Alpbetriebe und Restaurants», freut sich die Bäuerin. Auch direkt ab Hof kann man die Glace beziehen.

Keisers produzieren mit Zutaten, die auf ihren Betrieben wachsen, wie Erdbeeren, Himbeeren, Zwetschgen, Rhabarber oder Äpfeln. «Wir verwerten, was gerade Saison hat. So sind einzelne Sorten nur begrenzt erhältlich, unter dem Motto: Es hed solang’s hed.» Ergänzend entstehen klassische Sorten wie etwa Caramel, Haselnuss oder Pistazien. Seit zwei Jahren ist zudem ein Glace-Wägeli für Hochzeiten, Geburtstage und Firmenevents im Einsatz. Die Glace hat sich zu einem erfolgreichen Familienprojekt und festen Bestandteil des Betriebs entwickelt.

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 «Härzhaftguät» – ein eigener Apero-Service

Anita Keiser ist auch Mitgründerin des Apéro-Services «Härzhaftguät». Nach 20 Jahren wurde der «Nidwaldner Bäuerinnenapero» aufgelöst und eine neue Lösung gesucht. 2020 gründeten wir unseren «Härzhaftguät»-Apero-Service. Dann kam Corona, was für uns eher von Vorteil war; so konnten wir alles ausarbeiten», meint Anita Keiser rückblickend. Heute besteht das Team aus vier Frauen: «Wir kommen aus unterschiedlichen Berufen und können so unsere Stärken gezielt einsetzen.»

Angeboten werden Apéros mit möglichst regionalen und saisonalen Produkten – nach dem Motto: «Aus Nidwalden für Nidwalden». «Wir legen grossen Wert auf sorgfältige Planung, Präsenz vor Ort und eine konsequente Resteverwertung. Letzteres ist möglich, indem wir nicht alle Platten im Voraus belegen, sondern, wenn nötig, noch vor Ort zubereiten», hält sie fest und fügt an: «Der Apero-Service ist für mich ein toller Ausgleich.» Es sei ein wenig, wie auswärts zu arbeiten.

Wohnen auf Hof «Bitzi» – ein grosser Wunsch

Neben der Arbeit engagiert sich Anita Keiser im Vorstand des Stanser Wochenmarkts als Kassierin. In ihrer Freizeit trifft sie sich gerne mit Freundinnen, geht wandern oder Ski fahren. «Sehr gerne besuche ich mit meinen Kindern und Adrian meine Familie auf dem Wiesenberg oder gehe auch mal allein mit meinem Mann in den Ausgang.» Für die Zukunft wünscht sich die junge Bäuerin vor allem eines: gesund zu bleiben und möglichst bald auf Hof «Bitzi» wohnen zu können.

Weitere Informationen

Fragen an Anita Keiser

Was macht Sie schlaflos?
Ein Krimi im Fernsehen

Wie lautet Ihr Leitspruch fürs Leben?
Dankbar sein für jeden Tag, ihn nehmen, wie er kommt, und das Beste aus ihm machen!

Welches Kompliment freut Sie?
Wenn ich ein schönes Kompliment oder Lob für unsere Glace oder über unser Apéro erhalte.

Was ist Ihnen in einer Beziehung wichtig?
Ehrlichkeit, Vertrauen und das mit einander zu Reden.

Was ist Ihr Lieblingslied und warum?
«I ha di gärn» von Heimweh. Vier Worte, die alles sagen.