«Schon vor 15 Jahren, als ich noch ein Bub war, haben wir die betriebliche Zukunft zusammen besprochen», sagt Jonas Koller. Damals diskutierte er mit seinem Vater Ueli, ob sie die Milchwirtschaft noch behalten oder ganz auf Schweine setzen sollten. Für Jonas Koller war aber damals klar: Ein richtiger Bauer hat doch auch Kühe. So wurde der Anbindestall zum Laufstall umgebaut und noch konsequenter auf Vollweide und Raufutter-betonte Kühe gesetzt, Kraftfutter dient nur als Lockfutter in den Melkstand.

Kaum Kraftfutter: Die Milch entsteht aus Heu und Gras

Die Strategie startete Vater Ueli Koller schon bei seiner Betriebsübernahme. Damals lag die Leistung der Kühe noch bei 7000 kg, allerdings mit viel Aufwand und auch mehr Kraftfutter. Heute wird auf dem reinen Grünlandbetrieb Houlern auf Dreirassenzucht gesetzt, mit Kiwi-Cross, Neuseeländer Holstein und Norwegischen Rotbunten. Möglichst viel Milch nur aus Heu und Gras, möglichst wenig Arbeit, und effiziente und langlebige Kühe sind das Ziel: Da sind sich beide einig. 

Nun liegt die Leistung der 65 Kühe noch bei 5500 kg, Ziel sei 6000 kg. «Mehr nicht, sonst gibt es mehr Probleme, und es braucht mehr Kraftfutter», erklärt Jonas Koller. Abgekalbt wird saisonal. Die silofreie Milch geht in die Emmentaler-Käserei im Dorf, jährlich gut 300 000 kg, bisher zu einem guten Preis. Die aktuelle Krise wegen der Übermenge an Milch und die damit einhergehenden Preissenkungen drückten allerdings auf die Erlöse. Sie wollen die Menge reduzieren, um C-Milch zu vermeiden, die Kälber mit Milch statt mit Pulver füttern und einige Kühe weniger halten. Vater und Sohn Koller sind aber zuversichtlich für die Zukunft der Milchproduktion. Das Ziel müssten möglichst tiefe Produktionskosten sein.

Afrikanische Schweinepest als Risiko bei Schweinen

Im Nachhinein seien sie froh, bei der Milch geblieben zu sein, sagt Jonas. So gebe es zusammen mit der Schweinezucht zwei gute Standbeine auf dem Betrieb. Die 180 Zuchtsauenplätze sind denn auch der wirtschaftlich bedeutendere Betriebszweig. Die Ferkel gehen zu einem zugewiesenen Mäster, produziert wird nach IP-Suisse-Richtlinien. Das grösste Risiko für die Schweinehaltung sieht Jonas in der Afrikanischen Schweinepest (ASP). Es sei auf dem Betrieb nicht so einfach, alles doppelt einzuzäunen. Auf dem tierintensiven Betrieb wird rund ein Drittel der Gülle-Nährstoffe an Abnehmer im Dorf weggeführt, und sämtlicher Mist geht extern in eine Biogas-Anlage.

«Wir ticken ziemlich ähnlich.»

Ueli Koller über seinen Sohn und die Vorstellungen zur betrieblichen Ausrichtung.

Als immer belastender empfinden Vater und Sohn Koller die Auflagen für landwirtschaftliche Bauprojekte, vor allem im Kanton Luzern. Jonas Koller erwähnt die Mindestabstände von Tierhaltungen zu Wohnbauten, obwohl die Bauten so bewilligt sind. «Es kann doch nicht sein, dass blockiert wird, wer etwa seinen alten Stall tierfreundlicher umbauen möchte. Die vielen Auflagen hemmen die betriebliche Entwicklung.»

Kollers sind von einer produzierenden Landwirtschaft hierzulande überzeugt, statt immer mehr zu importieren. Zumal in der Schweiz die Qualitäts- und die Umweltstandards sehr hoch seien und der Fortschritt weitergehe. Imagepflege war schon Vater Ueli Koller wichtig, dafür habe er sich bereits im regionalen Bauernverein eingesetzt. Und auch Sohn Jonas findet, dass gerade auf ihrem Betrieb, nahe an Strasse und Radweg, den interessierten Leuten eben noch besser erklärt werden müsse, wie produziert werde und wie viel sich in der Landwirtschaft in den letzten Jahren positiv verändert habe. «Das ist eine Chance, zumal viele Leute nicht mehr wissen, wie Landwirtschaft funktioniert.»

Betriebsspiegel Houlern

Jonas und Ueli Koller

Ort: Houlern, Eschenbach LU
Fläche: 25 ha LN, davon 23 ha eigen, 2 ha Pacht, alles Grünland
Tiere: 65 Milchkühe, mit Aufzucht und Fresserproduktion; 180 Zuchtsauen
Arbeitskräfte: Betriebsleiter, Vater Ueli, rumänischer Mitarbeiter

Die Hofübergabe wurde langfristig aufgegleist

Seit dem 1. Januar 2026 gehört die Houlern dem 27-jährigen Jonas Koller. Für ihn sei schon als kleiner Bub klar gewesen, dass er Landwirt lernen und später den väterlichen Betrieb übernehmen möchte. Nach der Ausbildung, die Lehrjahre absolvierte er in drei verschiedenen Kantonen, arbeitete er aushilfsweise bei Bauern, dann bei einer Schweinestall-Einrichtungsfirma, und auch ein halbes Jahr in Neuseeland habe ihn geprägt und das Fachwissen erweitert. Er sei vielseitig interessiert, auch handwerklich. Auf dem Betrieb sei immer viel selbst gebaut und repariert worden, das mache den Beruf so abwechslungsreich.

«Hohe Milchleistungen führen zu mehr Problemen und hohen Kosten.»

Jonas Koller setzt auf eine raufutterbetonte Fütterung mit kaum Kraftfutter.

Die Betriebsübergabe hätten sie schon vor vielen Jahren aufgegleist, sagt der 58-jährige Vater. Auch alle Investitionen der letzten zehn Jahre seien immer in Absprache mit Sohn Jonas erfolgt. «Wir ticken ziemlich ähnlich bei den Hauptbetriebszweigen.» 

So sei der Betrieb nun parat für die Zukunft, die Strukturen seien gut. Kürzlich konnte Ueli Koller noch einen benachbarten Pachtbetrieb zukaufen, allerdings mit sanierungsbedürftigen Gebäuden. Die Betriebsfläche konnte damit verdoppelt werden, auf 25 ha. Das biete dem jungen Hofnachfolger mehr Sicherheit für die Zukunft, so der Vater.

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Komplexe Übergabe wurde von Berater begleitet

Unterstützt wurden sie für den Übergabeprozess von einem Berater der Agro Treuhand. Aufgrund der Grösse und Komplexität sei es gerade für den Hofübernehmer wichtig, dass ein Berater mit dabei sei. So auch wenn es um die Regelung der Geschwisterabgeltung oder von bestehenden Wohnrechten der älteren Generation gehe. «Schliesslich soll eine Betriebsübernahme nicht zu einer hohen Belastung für die junge Generation werden», sagt Ueli Koller.

Er wird weiterhin auf dem Betrieb mithelfen, als Angestellter in einem 50- bis 70-Prozent-Pensum. Aus dem Haus werde er aber ausziehen, zu seiner Partnerin, erzählt der geschiedene Vater. «Eine gewisse Distanz ist wichtig.» 

Auch Sohn Jonas Koller will selbstständig und unabhängig im Haus wohnen können, später mit einer eigenen Familie. Als Meisterlandwirt wolle er künftig auch Lehrlinge ausbilden, für das nächste Jahr sei noch eine Stelle frei. Doch die darauffolgenden zwei Lehrjahre seien bereits vergeben. Neben Vater und Sohn Koller ist ein rumänischer Mitarbeiter auf dem Betrieb tätig.

Der Vater hat noch ein Nebengeschäft

Langweilig dürfte es dem rüstigen Vater auch nach der Betriebsübergabe nicht werden. Zusätzliche Beschäftigung bietet ihm sein Nebengeschäft. So betreibt er seit Jahren die Koller Thermopic AG, die Einrichtungsteile wie Vorhänge für Ferkelnester oder Schlauchfenster herstellt. Und auch ein grosser Teil der PV-Anlagen auf der Liegenschaft, rund 310 kWp, wird über diese AG betrieben. Zum Landwirtschaftsbetrieb gehört aber eine 130-kWp-Anlage mit Batterie. Fast aller benötigter Strom für den Bauernhof kann somit selbst produziert werden.