Steckbrief
Name: Mathias Trummer
Alter: 15 Jahre
Wohnort: Frutigen BE
Lehrjahr: 1. Lehrjahr
Ausbildungsbetrieb: Benoît Chevalley, Corcelles-le-Jorat VD
Mathias Trummer wirkt wie ein junger Mann, der weiss, was er will. Er spricht nicht viel – und wenn, dann gut: Er wählt seine Worte mit Bedacht, sodass jedes zählt.
Es ist ein grauer Tag auf dem Hof von Benoît Chevalley ausserhalb des kleinen Dorfes Corcelles-le-Jorat VD, auf einer Hochebene über dem Genfersee, wo die Bise zieht und das geschäftige Grossstadttreiben von Lausanne weiter entfernt scheint, als es ist. Trummer wirkt wie die Landschaft des Jorat – ruhig und beständig. Und das ist kein Zufall: Es ist ihm wichtig mit seiner Sache, der Landwirtschaft.
Von Träumen und Gefühlen erzählt er wenig, auch wenn das in einer Medienkampagne wie dem «Lernenden des Jahres» wohl gut beim Publikum ankäme. Die Sache steht für ihn im Vordergrund. Und die sei wichtig, sagt er. Mit dem Wettbewerb werde die nicht-landwirtschaftliche Bevölkerung erreicht, Verständnis geschaffen und andere junge Berufsleute motiviert.
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Eine Bewerbung aus Sicht der Kühe
Angemeldet für den Wettbewerb hat er sich selbst. Nicht mit einem Video, sondern mit einem Text, für den er rund zwei Stunden brauchte. «Ich habe mir Gedanken gemacht und mich dann irgendwann hingesetzt und geschrieben», erzählt Mathias Trummer.
Darin beschreibt er sich – aus Sicht der Kühe, mit denen er täglich arbeitet. «Bonjour … Ich bin Aronja, eine der rund 70 Milchkühe auf einem Bauernhof in der Gemeinde Corcelles-le-Jorat im Kanton Waadt», beginnt der Text.
Und schnell wird klar: Hier schreibt jemand, der Tiere nicht bloss hält, sondern versteht. «Früh am Morgen ist er bei uns im Stall. Er melkt, füttert und schaut, dass es uns gut geht.» Die Arbeit mit den Tieren könne er besonders gut, heisst es weiter. «Das merken wir Kühe sofort.»
Die Bewerbung ist für sein junges Alter bemerkenswert sprachgewandt und enthält beinahe poetische Untertöne. «Mathias ist interessiert an der Natur, daran, wie der Samen keimt und die Pflanze wächst», steht dort etwa.
Kühe, grosse Maschinen und ein neues Umfeld
Rund 70 Kühe stehen auf dem Lehrbetrieb, dazu die Nachzucht. Bewirtschaftet werden rund 60 Hektaren Weide-, Gras- und Ackerfläche mit Getreide, Mais und Rüben.
«Hier ist alles viel grösser als daheim», sagt Mathias Trummer. Aufgewachsen ist er auf einem Betrieb in Frutigen im Berner Oberland – ohne Ackerbau, dafür mit eigener Alp. «Viele Maschinen sind hier ganz anders.»
Im Stall wird im Melkstand gemolken, gegüllt wird mit dem grossen Valtra statt mit dem Transporter. «Das habe ich schnell gelernt», sagt er.
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Lehrjahr in der Westschweiz
Doch das ist nicht die einzige Herausforderung für den 15-Jährigen, der für sein erstes Lehrjahr das Berggebiet gegen das intensiv bewirtschaftete Waadtland eingetauscht hat. Mit dem Lehrmeister spricht er mittlerweile Französisch. «Am Anfang sprach er auch noch etwas Deutsch mit mir», erzählt Trummer.
Für ihn ist der Mentalitäts- und Sprachwechsel ein Gewinn. Bewusst habe er einen Betrieb in der Westschweiz gesucht. «So kann ich gleichzeitig noch die Sprache lernen.» Zur Schule geht er in Morges VD. «Meine liebsten Schulfächer sind Tierhaltung und Pflanzenbau – wegen des Praxisbezugs.»
Vom Fremdsein und vom Heimweh erzählt er nicht. Nur so viel: «Man ist dann sicher froh, wenn man das ganze Jahr geschafft hat.» Dann könne man stolz auf sich sein.
Fünf Fragen an Mathias Trummer
Deine liebste Arbeit?
Melken.
Was machst du am wenigsten gerne?
Staubige Arbeiten.
Was sind deine Lieblingstiere?
Kühe.
Was ist dein Lieblingsessen?
Lasagne.
Welche Superkraft möchtest du gerne haben?
Ich wäre gerne so stark, dass ich alles herumheben könnte.
«Melken ist meine Lieblingsarbeit»
Wenig Freude machen ihm «staubige Arbeiten». Und eine Herausforderung klingt an, wenn er von der Superkraft spricht, die er sich wünschen würde: «Alles heben zu können.» Trummer ist zwar gross, aber nicht breit gebaut. Wenn er mit weit ausladenden Schritten über die Weide unterhalb der Hofstatt geht, zeigt sich jedoch: Er ist draussen aufgewachsen – auf unebenem Boden, immer mit den Tieren.
Routiniert bewegt er sich im Stall und zeigt seine Arbeit, die um 5.45 Uhr beginnt und oft erst gegen 19.30 Uhr endet. Jeder Griff sitzt, alles wirkt ruhig.
Seine Lieblingsarbeit? «Melken.»
Seine Lieblingstiere? «Kühe.»
Besonders angetan hat es ihm Catarina. «Sie ist eine Kreuzung aus Montbéliarde und Swiss Fleckvieh», erzählt er. «Eine schöne, zahme, anhängliche und leistungsfähige Kuh mit gutem Charakter.»
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Die Zukunft fest im Blick
Im Interview auf einer grossen Heuballe sitzend, lässt Mathias Trummer etwas tiefer blicken. «Für mich ist es die grösste Motivation, jeden Tag mit den Tieren zu arbeiten.» Die Viehzucht ist deshalb auch sein Hobby: «Es gefällt mir einfach, mit den schönen Tieren z’wäärche.»
Die grossen Herausforderungen der Schweizer Landwirtschaft sind ihm bewusst. «Es kommen viele Dinge auf uns zu. Wir müssen uns darauf einlassen und lernen, damit umzugehen. Dann kommt es sicher gut.» Man werde einen Weg finden, ist er überzeugt.
Nach der Landwirtschaftslehre möchte er eine weitere Lehre anhängen als Schreiner. Und irgendwann den Betrieb zuhause in Frutigen BE übernehmen. Eigentlich habe er schon immer gewusst, dass er Bauer werden wolle. «Ich habe von klein auf zuhause mitgeholfen.»
Warum gerade er «Lernender des Jahres» werden soll
Ein fester Händedruck, dann muss er weiter. Im nahen Wald wartet Arbeit: Holz machen. Danach kann er ein paar Tage Ferien geniessen. Warum Leserinnen und Leser der BauernZeitung gerade ihn zum «Lernenden des Jahres» wählen sollen? «Weil ich ein interessierter und motivierter junger Bauer bin», sagt Trummer mit dem Selbstverständnis eines jungen Mannes, der nie etwas anderes sein wollte. Und macht sich auf den Weg.
«Lernende des Jahres 2026»
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2021 hat die BauernZeitung erstmals einen Lehrling des Jahres gekürt. Die Auszeichnung stellt motivierten Berufsnachwuchs ins Zentrum. Zehn von Ihnen stellen wir Ihnen im Rahmen der Suche nach dem «Lernenden des Jahres 2026» vor. Wer den Titel schlussendlich tragen wird, bestimmen Sie in einer Leser-Abstimmung ab dem 29. Mai.
Weitere Informationen und alle Porträts finden Sie im Dossier.
[IMG 5]Unsere Sponsoren
Bei «Lernende des Jahres 2026» dürfen wir auf die Unterstützung von verschiedenen Partnern zählen. Die Förderung von Lernenden ist für sie eine Herzensangelegenheit. Unser Eventsponsor ist IP Suisse. Die Hauptsponsoren sind agrisano, Ceres Media und Kärcher. Patronatspartner ist agriprof, und Urech Lyss ist als Sachsponsor dabei.
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