Kommunikation statt Konfrontation, das ist das Kredo. Familie Koller aus Nebikon LU führt seit zehn Jahren den «Gülle-Chat». Die Idee dazu kam von einem Feuerwehr-Kameraden von Fredy Koller, der zum Landwirt sagte: «Immer, wenn wir unsere Wäsche draussen aufhängen, kommst du mit dem Güllenfass.» Kurzerhand sagte Silvia Koller dem Hausmann, er dürfe gerne einen WhatsApp-Chat eröffnen, in dem die Familie jeweils schreiben könne, wann sie güllen wird. Ihre Parzelle befindet sich direkt angrenzend an ein Einfamilienhausquartier.
Gesagt, getan – der Hausmann richtete anschliessend den «Gülle-Chat» ein und fügte die betroffenen Parteien hinzu. Seither melden sich Kollers am Vorabend oder spätestens bis am betreffenden Morgen um 7.30 Uhr, wenn sie mit der Gülle ausrücken.
Güllen, Mähen, Spritzen – es gibt eine Info
«Es ist der gegenseitige Respekt», meint Silvia Koller. Mit ihrem Betrieb, der mitten im Dorf liegt, und dem Hofladen sei es ein Geben und Nehmen. Sie würden indes auch darauf achten, nicht am Samstag zu güllen. Neben dem Güllen könne zum Schutz der Haustiere auch auf das Ausbringen von Spritzmitteln sowie Kunstdünger hingewiesen werden. Nicht nur das Güllen kann ein Thema sein, auch das Mähen.
Insbesondere bei dorfnahen Parzellen besteht die Gefahr, dass Katzen Deckung im hohen Gras oder in den Schwaden suchen. Das kann für sie im Mähwerk oder in der Ballenpresse potenziell tödlich enden. Eine Parzelle muss zwar abgesucht werden, um Tiere zu sichern, aber eine Katze kann sich ähnlich ducken wie ein Rehkitz, was den Fund beinahe unmöglich macht. Dank des Chats können die Besitzer(innen) informiert werden, damit sie an dem Tag ihre Katzen im Haus lassen.

Kommunikation mit der Bevölkerung
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, auf die Anwohner(innen) zuzugehen, um einen entsprechenden Chat einzurichten:
- Direkt auf die angrenzenden Anwohner(innen) zugehen und erfragen, ob eine entsprechende Nachricht in einem Gruppen-Chat erwünscht ist.
- Bei den Parzellen einen Aushang machen mit der Bitte, sich zu melden, um in den «Gülle-Chat» oder den «Mäh-Chat» aufgenommen zu werden.
- Im Dorfladen einen entsprechenden Aushang machen.
- Im Hofladen oder am Verkaufsstand einen Anschlag machen.
- Mit den Anstössern ein Gespräch führen und ihnen die Einrichtung des Chats überlassen, wie es bei Familie Koller der Fall war.
Die Kommunikation mit den Dorfbewohner(innen) ermöglicht – im besten Falle – mehr Verständnis, aber auch die Möglichkeit, dass diese entsprechend reagieren kann, um Konflikte gar nicht erst entstehen zu lassen.

