«Wer hasst es nicht … Nervige kleine Biester, die um einen herumschwirren. Sie lassen sich auf mir nieder und kitzeln mich. Während dem Melken kitzelt es mich so sehr, dass ich das Melkaggregat herunterschlage. Ständig muss ich den Kopf schütteln oder diese lästigen Dinger mit meinem Schwanz aufscheuchen».

Ungefähr so stelle ich mir die Gedanken einer Kuh vor, die im Stall oder auf der Weide von Fliegen, Bremsen oder Mücken belästigt wird. In den kommenden Sommermonaten wird dies vermehrt zum Problem. Feuchtwarme Temperaturen verschärfen die Problematik. Der Störfaktor dieses Ungeziefers ist aber nicht das einzige Problem. Die ständige Belästigung führt zu Stress beim Rindvieh, was sich in einer reduzierten Milchleistung, schlechteren Gewichtszunahmen oder auch einer erhöhten Krankheitsanfälligkeit zeigt. Krankheiten werden übrigens auch stärker verbreitet, da das Ungeziefer Krankheitskeime überträgt.

Stallhygiene als erste Massnahme

Der Schutz vor Fluginsekten ist anspruchsvoll und bedarf eines gut vorbereiteten Konzepts. Eine umfangreiche Behandlung aller Tiere mit einem Aufgussmittel soll nicht die erste Wahl darstellen. Zielführender ist es, einer zu stark zunehmenden Population vorzubeugen. Auf Platz Eins des Massnahmenkataloges soll die allgemeine Stallhygiene stehen. Ohne eine gute Stallhygiene sind weiterführende Massnahmen nur wenig erfolgversprechend und ganz bestimmt nicht nachhaltig.

Folgende Anhaltspunkte gilt es zu beachten:

  • Regelmässiges Ausmisten der Scheunen, Stallungen und Kälberställen (mind. zweimal pro Woche) verhindert, dass Brutstätten im Stall entstehen.
  • Begehrt für Brutstätten sind feuchte Stellen oder locker liegende Einstreu in Ecken, um Pfosten, unter Wassertränken oder bei der Futterachse. Dort ist dem Entfernen von Mist oder Futterresten besondere Beachtung zu schenken.
  • Auf der Weide unbedingt nasse Stellen vermeiden,da Insekten die feuchteUmgebung lieben.
  • Bei der Lagerung von Gülle empfiehlt es sich, diese in regelmässigen Abständen aufzurühren oder allfällige Güllekanäle zu spülen, um die Vermehrung der Rattenschwanzlarve zu verhindern und der Entstehung von Brutstätten in der Schwimmschicht vorzubeugen.

Fliegendruck weiter reduzieren

Wurden Massnahmen in der Stallhygiene getroffen, können weitere umgesetzt werden, um die vorhandenen Fliegen weiter zu reduzieren. Das Aufhängen von Fliegenfallen in der Nähe von besonders anfälligen Stallbereichen oder das Aussetzen von Nützlingen wie Schlupfwespen oder Raubmilben können den Fliegendruck ebenfalls reduzieren. Auch Schwalben ernähren sich gerne von den Unruhestiftern und sollten deshalb im Stall geschätzt werden. Die Stall- oder Futterhygiene soll aber keinesfalls unter den Schwalben leiden! Auch Luftumwälzungen helfen, den Druck auf die Tiere weiter zu reduzieren. Gerade beim Melken können so die Tiere von den Fliegen etwas geschützt werden.

Tipp: Das Befestigen eines Kotbretts unterhalb der Nester oder die Montage von Sitzstangen an geeigneten Orten kann die Situation mit den Schwalben verbessern.

Larvizide und Aufgussmittel zurückhaltend einsetzen

Larvizide können zwar sehr wirksam sein, bringen aber auch Gefahren mit sich. Larvizide werden gerne an Stellen eingesetzt, die nicht regelmäs­sig entmistet werden können. Aufgussmittel, die vom Widerrist bis zum Schwanzansatz übergossen werden, wirken bei trockenen Verhältnissen sehr gut. Dabei unbedingt die Absetzfristen beachten! 

Der verantwortungsvolle und zurückhaltende Einsatz von Larviziden und Aufgussmitteln ist aber von grösster Wichtigkeit. Durch einen zu starken und regelmässigen Einsatz von Larviziden können zum Beispiel auch nützliche Insekten geschädigt werden. Auch die Resistenzbildung sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Durch die hohe Vermehrungsrate können innerhalb von wenigen Generationen Resistenzen entwickelt werden und die Larvizide verlieren ihre Wirkung.

Das Problem bei der Wurzel packen

Zusammenfassend kann also gesagt werden, dass Massnahmen, die zur Ursachenbekämpfung beitragen, bei weitem wirksamer sind als Massnahmen zur Symptombekämpfung. Grundsätzlich also keine neue und abwegige Erkenntnis.

Übrigens: Der Start mit der Umsetzung eines wirksamen Konzepts gegen eine zu hohe Fliegenpopulation lohnt sich vor allem im Frühjahr. Eine noch kleine Population lässt sich nämlich wesentlich leichter unterdrücken, als wenn bereits voneinem Problem gesprochen werden muss.