Kürzlich berichtete das deutsche Landwirtschaftsmagazin Agrarheute über die stark rückläufige Zahl der Bio-Milchviehbetriebe in Deutschland. Demnach stellten im vergangenen Jahr 400 Betriebe ihre Produktion ein – und das trotz Biomilchpreisen, die mit 65,64 ct/kg Milch gemäss deutschem Landwirtschaftsministerium deutlich über dem konventionellen Milchpreis von 52,24 ct/kg liegen.
Trotz weniger Betrieben kein Rückgang der Produktion
Auch an mangelndem Absatz liege es nicht, denn nach Angaben des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft sei der Absatz von Biomilchprodukten im letzten Jahr um 6,7 Prozent gestiegen. Von einem Rückgang der Biomilchproduktion kann ebenfalls nicht gesprochen werden.
Dies zeigen Zahlen der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE): ein diesjähriger Zuwachs der Bio-Milchanlieferung in Deutschland von 7,5 Prozent im Vergleich zu 2024. «Wobei in Deutschland auch viel Biomilch wie auch Biomilch-Produkte aus Österreich importiert werden», gibt Bio-Suisse Präsident Urs Brändli zu bedenken.
Praxisferne Ökoverordnung macht Biobauern das Leben schwer
Der Deutsche Bauernverband (DBV) sieht die Ursache für die Betriebsaufgaben in der strengen und praxisfernen EU-Ökoverordnung, die einen geschlossenen Nährstoffkreislauf vorsieht, den die Bio-Milcherzeuger nicht immer gewährleisten können. Nährstoffdefizite und sinkende Humusgehalte seien die Folge, wie Agrarheute schreibt.
Entsprechend forderte der DBV unter anderem, dass die Kreislaufwirtschaft im Ökolandbau praxisnäher und verfahrensoffener gestaltet werden muss, indem alternative Lösungen zur Öko-Tierhaltung wie etwa regionale Kooperationen auch mit konventionellen Tierhaltern gestärkt werden müssen – andernfalls drohe eine Rückkehr in die Nische.
Weniger Betriebe – wegen zu wenig Weide
Ein für den Betriebsrückgang entscheidendes Detail bleibe jedoch unerwähnt, ordnet Urs Brändli diese Entwicklung ein, nämlich die Weidegang-Kontrolle. Gemäss EU-Ökoverordnung muss Milchkühen Weidegang gewährt werden, «wann immer Wetter-, Saison- und Bodenbedingungen dies erlauben». Wie viel genau ist zahlenmässig nicht geregelt.
In den letzten Jahrzehnten blieb die Einhaltung der Weidegang-Zeit auf der Strecke, so Brändli. Die EU verschärfte daraufhin die Kontrollen und man stellte fest, dass zahlreichen Tieren nicht genug Weidezeit gewährt wurde. Gründe dafür waren zum Beispiel die Lage des Betriebs im Ortsinneren oder an einer stark befahrenen Strasse.
Die EU drohte daraufhin mit einer Streichung der Fördergelder, sollten die Länder die Einhaltung nicht strenger kontrollieren. «Ich gehe davon aus, dass dies nun in Deutschland passiert ist und die sinkende Zahl der Biomilch-Betriebe darauf zurückgeht», sagt der Bio-Suisse-Präsident. Man habe dies bereits vor ein paar Jahren in Österreich beobachten können. Es war zu erwarten, dass sich diese Entwicklung irgendwann auch in Deutschland zeigen wird.
«Betriebe, die nicht weiden können, hören früher auf als im Rahmen der Betriebsübergabe geplant», bestätigt auch Bioland-Präsident Jan Plagge und spricht in diesem Zusammenhang von einem vorgezogenen Strukturwandel.
Auch Schweizer Biobauern davon betroffen
Auch Schweizer Biolandwirte, die ihre Produkte gemäss Bio-Suisse-Richtlinien produzieren und vermarkten, waren 2022 von Verschärfungen in Sachen Herkunft und Zusammensetzung der Fütterung betroffen. Seither dürfen sie nur noch in der Schweiz produziertes Knospe-Futter verwenden und der Kraftfutteranteil darf bei maximal fünf Prozent liegen.
Daraufhin seien ebenfalls einige Betriebe aus der Knospe-Produktion ausgestiegen. «Ihre Zuchtziele liessen sich mit diesen Verschärfungen nicht vereinbaren», wie Brändli berichtet. Dass nicht mehr Landwirte in die Biomilch-Erzeugung einsteigen, mag daran liegen, dass sich der Preis für konventionelle Milch in Deutschland wie auch in der Schweiz positiv entwickelt hat. Damit sei der Anreiz für eine Umstellung weniger gross.

