In Zusammenarbeit mit dem Verband Braunvieh Schweiz und dessen 125-Jahr-Jubiläum wurde im Zuger Museum Burg die Ausstellung «Braun.Vieh.Zucht» realisiert. Das Tier soll dabei bewusst im Fokus stehen. «Historiker betrachten Tiere als handelnde Individuen. Ihr Handeln hat Einfluss auf den Menschen und somit beeinflussen sie auch den Fortgang der Geschichte», erklärt Kurator Christoph Tschanz im Gespräch mit der BauernZeitung.

Die Milchkuh als Resultat der Zucht

Heute züchtet man mit Blick ins Innerste der Kuh, die Gene. Die Ausstellung befasst sich deshalb mit Fragen wie: Dürfen wir Gene verändern? Hat Rinderzucht überhaupt eine Zukunft? Auch die Kuh selbst steht im Fokus: Wie viel trinkt sie? Was frisst sie? Wie viel Milch gibt sie? Und welche Beziehung pflegen die Bauern und Bäuerinnen zu ihren Kühen?

Es soll aufgezeigt werde, dass die Tiere auf der Weide kein reines Naturprodukt mehr sind, sondern das Resultat jahrhundertelanger Zucht. Zudem soll vor allem der Stadtbevölkerung näher gebracht werden, wie diese Tiere funktionieren und was die Landwirte tun. Es gibt Einblicke in die Kulturtechnik des Züchtens und in das Leben und die Arbeit mit dem Vieh. «Wir mussten feststellen, dass viele Leute keine Ahnung haben von Viehzucht und der Landwirtschaft», ergänzt der Ausstellungsleiter.

Tierhalter von Anfang an involviert

Natürlich sei es auch ein Versuch, die ländliche Bevölkerung ins Museum zu locken. Für die Vorbereitungen der Ausstellung wurden viele Landwirte und Landwirtinnen miteinbezogen, einige sogar videografisch begleitet.

«Wir haben Bäuerinnen und Bauern aus der ganzen Schweiz mit der Kamera begleitet. Wir waren am Stierenmarkt in Zug und haben viele Stimmen eingeholt zu verschiedensten Themen. Es war uns wichtig, mit den Bäuerinnen und Bauern zusammenzuarbeiten», erklärt Tschanz. Auch Fachleute kommen zu Wort, wie Lucas Casanova, Direktor Braunvieh Schweiz, oder Hubert Pausch, Professor für Tiergenomik an der ETH Zürich.

Über Braunvieh Schweiz wurden Kontakte zu mitwirkenden Landwirten geknüpft. «Die Befürchtung war da, dass wir Bauern in die Pfanne hauen. Doch das ist überhaupt nicht unser Ziel. Wir zeigen die Kulturgeschichte der Viehzucht, zeigen die Probleme von damals und heute auf», betont der Kurator. Ziel der Ausstellung sei es, dass sich die Menschen selbst eine Meinung bilden. Das Museum zeigt die Viehzucht und deren Herausforderungen und Grenzen auf. Die Agrarpolitik oder die Wirtschaft werden nicht thematisiert. Auch Themen wie Veganismus oder Tierhaltung werden nicht aufgegriffen, da das Oberthema «Zucht» bleiben soll.

Kurator war selber Viehzüchter

[IMG 2]Für Tschanz war es wichtig, mit der Ausstellung alle Bevölkerungskreise anzusprechen, durch ein breites Angebot. Schon länger schwirrte die Idee im Raum, die Landwirtschaft in den Fokus zu stellen. Mit der Ausstellung rund ums Thema Braunviehzucht betrat der Historiker Tschanz kein unbekanntes Terrain. Der Stadtzürcher hat nach der Matura die Ausbildung zum Landwirt absolviert und selbst Braunvieh gezüchtet. Lachend berichtet er, dass wohl in allen Ausstellungen ein bisschen von der Persönlichkeit einfliesse.

Die Meinungen der Gesellschaft bezüglich Landwirtschaft empfindet Tschanz als ziemlich gespalten. Sicherlich sei ein Stadt-Land-Graben vorhanden. Oft fehle es einfach an Wissen. Ein Bedürfnis nach mehr Informationen sei da, aber weniger die Bereitschaft sich zu informieren. Darum müsse man solche Ausstellungen in den Städten zeigen.