Fünf bis zehn Bauern erstellen als Genossenschaft einen modernen Milchproduktionsbetrieb und melken zentral 100 bis 200 Kühe. Sie wählen einen Betriebsleiter für die professionelle Betriebsführung, der auch die belastenden administrativen Arbeiten erledigt. Zwei Bauern sind für Melken und Füttern zuständig, ein Einsatzplan gilt für eine Woche. Für jede Kuh der Milchproduktionsgenossenschaft (MPG) muss der Bauer die nötige Fläche an Weide und Heuland zur Verfügung stellen. Die Milchleistungen werden regelmässig ermittelt und für die anteilmässige Auszahlung des Reingewinns der MPG berechnet. Die MPG wird als Betrieb mit 44 Stundenwoche geführt, mit einem Mindestlohn von 30 Franken pro Stunde.

Ein neuer Ansatz für die Milchproduktion

Das ist die Idee von Isidor Kunz aus Hergiswil am Napf, seit Jahrzehnten ein Kämpfer für bäuerliche Familienbetriebe und faire Milchpreise. Selbst als 80-jähriger pensionierter Bio-Bergbauer mache er sich aufgrund der aktuellen Milchkrise schon Gedanken, wie es in Zukunft weitergehen soll, und ob kleine und mittlere Betriebe noch eine Zukunft hätten. Es brauche Veränderungen, die permanente Überlastung vieler Familienbetriebe führe vielerorts zu Krisen bis hin zu Suiziden. Junge Bauern seien sicher nicht mehr bereit, zu Stundenlöhnen von 17 Franken wöchentlich bis 70 Stunden zu arbeiten. Immer grösser werden löse die Probleme auch nicht.

30 Rappen mehr Milchpreis

Es brauche kostendeckende faire Milchpreise von mindestens einem Franken pro Liter, ist Isidor Kunz überzeugt. 30 Rappen mehr pro kg Milch für die Bauern führe für die Konsumenten zu Mehrkosten von lediglich 90 Franken jährlich, bei einem Pro-Kopf-Konsum von 300 kg an Milchprodukten, hat er berechnet. Und die Bauern müssten zur Kostensenkung rationalisieren, professioneller werden und mit genossenschaftlichem Denken mehr zusammenarbeiten, was allerdings allein nicht möglich sei. Deshalb sein Lösungsansatz von MPG. So könnten die bestehenden Bauernhöfe erhalten werden und blieben auch direktzahlungsberechtigt.

Mehr Zeit für andere Arbeiten

Die Bauern könnten andere Betriebszweige führen oder in den Nebenerwerb gehen. Viel Potenzial biete die Zusammenarbeit mit Maschinen. Für ein gutes Funktionieren müsse ein gegenseitiges Vertrauen aufgebaut werden. Seine Idee habe er fünf Nachbarbetrieben schon vorgestellt, die Reaktionen seien aber eher kritisch bis ablehnend gewesen, sagt Kunz. Er sei eben 20 Jahre zu früh mit solchen Ideen, sei bemerkt worden. Nun will Kunz an die bäuerlichen Organisationen gelangen. Eingeladen zu einer Orientierungsversammlung am 25. März hat er zahlreiche Organisationen vom kantonalen bis zum Schweizer Bauernverband, Milchverarbeiter, Grossverteiler, Behörden, die Kreditkasse, das Bundesamt für Landwirtschaft und die Medien.

Betriebsgemeinschaften zeigen den Weg

Seinen neuen Ansatz für die Milchproduktion hat er auf einer ganzen Seite Ende Februar bereits im «Willisauer Boten» präsentiert, worin auch die Beratung zu Wort kam. So sieht Thomas Haas vom BBZN Hohenrain durchaus Chancen von Kooperationen, die grosse Herausforderung sei aber die Aufgabe eines Teiles an Eigenständigkeit. Und nur mit gemeinsamem Investieren sei es noch nicht getan.

Auf Anfrage der BauernZeitung nahmen auch die Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) Stellung zu Kunzens Idee. Diese komme nahe an das Modell von Betriebsgemeinschaften, so wie in Alberswil LU, wo mehrere Bauern seit vielen Jahren gemeinsam einen grossen Milchviehstall betreiben. Solche Gemeinschaften könnten aber nur funktionieren, wenn die Rahmenbedingungen ähnlich seien und das Gedankengut zusammenpasse, erklärt Carol Aschwanden, Leiterin Kommunikation. Die ZMP hätten im Rahmen des Projekts «Milch mit Zukunft» dieses Thema auch schon intern diskutiert, um dem Strukturwandel entgegenzuwirken und damit junge Landwirte in der Milchproduktion zu halten. Neue Kooperationsmöglichkeiten in der Landwirtschaft und vor allem Milchproduktion seien künftig durchaus anzustreben.