Das Geschäft war mit einiger Spannung erwartet worden: Die Aufhebung des Verbotes, in der Rindviehzucht gesextes Sperma einzusetzen. Zwölf Mitgliedsorganisationen hatten diese Richtlinienänderung in einem Antrag gefordert, auch der Vorstand hat das Anliegen unterstützt. Aber die Demeter-Organisationen hatten beantragt, das Geschäft um ein Jahr zu verschieben.

Die Richtliniengeschäfte haben direkten Einfluss auf die Bioproduzenten

Für die Befürworter besteht der Nutzen dieser neuen Zuchttechnik darin, dass das richtige Tier am richtigen Ort produziert wird. Es werden weniger Stierkälber von Milchrassen anfallen. Die Vermarktung dieser unerwünschten Muneli als Tränker ist schwierig, und oftmals müssen heute solche Tiere im konventionellen Kanal «entsorgt» werden. Kurt Zimmermann, der Geschäftsführer von Progana Bio Romandie, sprach von einem wirkungsvollen Werkzeug für eine tierfreundliche Landwirtschaft.

Spermasexing wird in der Biobranche kontrovers betrachtet

Die Gegner befürchten, dass das Vertrauen der Konsumentinnen und Konsumenten in die Knospe darunter leiden wird, weil ein weiteres Alleinstellungsmerkmal der Bioknospe verschwinde. Jonas Lichtenberger von der Bergheimat bezeichnet es als Manipulation an der Natur und er fragt sich, wie sich die biologische Landwirtschaft noch unterscheide. Und beim Traktandum über die Bildung meinte er dann noch, «mit guter Bildung hätte man die Spermasexing-Annahme verhindern können.» Am Ende stimmten 72 von 101 Delegierten dafür, das Spermasexing zu erlauben. Zuvor hatten sie den Verschiebungsantrag der Demeter-Organisationen klar verworfen.