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Steiner-Mühle in Zollbrück schliesst: Wo sollen umliegende Bio-Bauern ihr Getreide abliefern?

Die Steiner-Mühle in Zollbrück im Emmental wird nächsten Jahr aufgehoben. Für die Produzenten stellt sich die Frage, wo sie ihr Getreide abliefern können. Die Mühlen in der Schweiz stehen unter enormen Druck.

Die Groupe Minoteries SA (GMSA) schliesst im ersten Halbjahr 2027 die Steiner-Mühle in Zollbrück BE. Die GMSA begründet den Entscheid mit dem hohen Investitionsbedarf am Standort Zollbrück sowie mit der zukünftig besseren Auslastung an ihren anderen Standorten.

Die Steiner-Mühle ist bis anhin die einzige reine Bio-Mühle der Schweiz. Die in Zollbrück hergestellten Spezialitäten wie Griess, Flocken und Müesli werden künftig von der Schweizerischen Schälmühle E. Zwicky AG in Müllheim-Wigoltingen TG produziert. Die GMSA hat erst letztes Jahr das Traditionsunternehmen Zwicky übernommen. Die bisher in Zollbrück hergestellten Spezialmehle werden ab 2027 am Standort Granges-près-Marnand VD hergestellt.

Sozialplan für die 28 Angestellten

Für die 28 Angestellten der Steiner-Mühle wurde ein Sozialplan vorgelegt. Für die Infrastruktur werde eine Nachfolgelösung gesucht. Wo die Produzenten und Produzentinnen zukünftig ihr Getreide abliefern können, ist im Moment noch unklar. Die umliegenden Mühlen, die Bio-Getreide annehmen würden, seien ausgelastet, erklärt Beat Gerber, Präsident von Bio Bern, einer Mitgliedsorganisation von Bio Suisse. Die Kapazitäten der infrage kommenden regionalen Mühlen würden nicht ausreichen, um diese Produzentinnen und Produzenten aufzunehmen.

Bio Suisse und Demeter Schweiz suchen das Gespräch

Dass die Mühle weitergeführt wird, steht laut GMSA nicht zur Diskussion. «Alle Produkte der Steiner-Mühle werden künftig an anderen bestehenden Standorten weitergeführt.» Es werde ein Käufer für die Infrastruktur gesucht. Die GMSA betont, dass sie für die zukünftigen Ablieferungen «tragfähige und praktikable Lösungen» sucht. Bio Suisse erklärt auf Anfrage, sie seien informiert worden, und es würden nun mit der GMSA Gespräche geführt, um mögliche Auswirkungen für die Produzenten und Produzentinnen zu klären. Demeter Schweiz zeigt sich auf Anfrage überzeugt, gemeinsam mit der GMSA eine gute Lösung für ihre Getreideproduzenten zu finden.

GMSA zweitgrösste Mühle der Schweiz

Die GMSA ist schweizweit an sieben Standorten tätig und beschäftigt rund 260 Mitarbeitende. Sie ist das einzige börsenkotierte Mühlenunternehmen der Schweiz und derzeit die zweitgrösste Mühle auf dem Schweizer Markt – neben der Meyerhans Mühlen AG und Swissmill. Diese gehört zur Coop-Gruppe und ist aktuell die grösste Mühle in der Schweiz, die Bio-Getreide verarbeitet.

Enormer Wettbewerbsdruck durch Überkapazitäten

Wie Lorenz Hirt, Geschäftsführer des Dachverbands der Schweizer Müller, ausführt, waren in den letzten zwei Jahren durch verschiedene Faktoren die Mühlen wesentlich weniger ausgelastet. Nicht nur durch den Wegfall der früheren Vermahlung für die Stärkeproduktion und technische Anwendungen, sondern auch durch den Rückzug eines grossen internationalen Abnehmers sind fast 15 % der Mengen weggefallen, was einen enormen Wettbewerbsdruck ausgelöst hat: «Die weggefallene Menge entspricht der Produktion von 28 kleineren und mittleren Mühlen unserer insgesamt 34 Mitglieder», wie Hirt ausführt.

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