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Zürcher und Schaffhauser Biobauern mehrheitlich für Spermasexing

An der Hauptversammlung der Bio-Suisse-Mitgliedorganisation Zürich-Schaffhausen im Strickhof Wülflingen zeichnete sich eine Einigkeit bei den statuarischen Geschäften ab. Während neue Vorstandsmitglieder gewählt wurden, sorgten die Themen Kunstwiesen und Spermasexing für lebhafte Debatten unter den Biobauern.

An der Hauptversammlung der Bio-Suisse-Mitgliedorganisation Zürich-Schaffhausen (MO Bio ZH, SH) am Strickhof Wülflingen in Winterthur zeigten sich die Mitglieder einig, was Jahresbericht und Jahresrechnung betraf. Ohne Gegenstimme ging auch die Wahl von Judith Frei vom Hof Rinderbrunnen in Grüt ZH in den Vorstand der MO vonstatten. Sie ersetzt das langjährige Vorstandsmitglied Tamara Stoller, die ihren Rücktritt eingereicht hatte. Stoller bleibt Bio-Suisse-Delegierte.

Neu ist auch die Getreidezüchtung Peter Kunz (GZPK) als Lizenznehmer Mitglied bei den Zürcher und Schaffhauser Biobauern. Chrigi Schmutz, verantwortlich für das GZPK-Versuchswesen, kam zu Wort und sagte: «Wir sind auf der Suche nach neuen Versuchsflächen von 50 bis 70 Aren. Interessierte können sich melden.»

Weisung zu Kunstwiesen

Unzufrieden zeigten sich Co-Präsident Lukas Schafroth und Martin Jost beim Antrag, den die MO Bio ZH-SH an die Markenkommission Anbau (MKA) vergangenes Jahr eingereicht hatte. Dabei soll die Weisung zu Kunstwiesen (20 % bzw. 10 % mit Zwischenbegrünung bzw. jede Fläche innert zehn Jahren einmal mit Kunstwiese zu bebauen) angepasst werden. Die Bioproduzenten sollen die Wahl haben, entweder die Kunstwiesenregelung einzuhalten oder sie zu ersetzen mit bodenschonendem Anbauverfahren, angemessener Begrünung oder regenerativer Bewirtschaftung mit doppelten Gründüngungen.

Co-Präsident Lukas Schafroth erinnerte dabei an das Ziel «optimierte Richtlinien» in der Verbandsstrategie 2030. Mit der in ihrem Sinne geänderten Weisung würden die Bioproduzenten mehr Individualität, Wahlfreiheit und Eigenverantwortung erhalten. Martin Jost, der zusammen mit Schafroth den Antrag ausarbeitete, sagte: «Es braucht Alternativen, wenn ich Kunstwiesenfutter nicht zu marktfähigen Preisen absetzen kann.»

Kritik an Bio Suisse

Das Anliegen sei in verschiedenen Kommissionen diskutiert worden, wobei Schafroth und Jost kaum genügend Raum gehabt hätten, ihren Antrag eingehend zu begründen. Das Fazit von Martin Jost: «Die Geschäftsstelle von Bio Suisse bringt es immer wieder fertig, zu zerpflücken, zu verkomplizieren und umzukrempeln, sodass unser ursprünglicher Antrag kaum mehr erkennbar ist.» Laut Schafroth ist der Ausgang noch völlig offen und Änderungen würden wohl frühestens mit der kompletten Richtlinienüberarbeitung 2029 eingeführt.

Grundsatzdiskussion über Spermasexing

Zu lebhaften Diskussionen kam es beim Thema Spermasexing. Zwölf Mitgliedorganisationen reichten zuhanden der Bio-Suisse-Delegiertenversammlung am 15. April den Antrag ein, Spermasexing unter dem Knospe-Label zuzulassen. Als Befürworter legte Peter Schweizer, Milchviehproduzent und Co-Präsident von Bio Ostschweiz, Argumente vor. Auf der Gegenseite kam Gastreferentin und Simmentaler-Halterin Claudia Schneider vom FiBL zu Wort.

Eric Meili vom Beratungsbüro Agroplan in Bubikon erinnerte dabei an die Wirtschaftlichkeit. Eine HAFL-Bachelorarbeit habe gezeigt, dass durch den Verzicht auf Spermasexing 20% weniger Einnahmen generiert werden könnten: «Zu den Nachhaltigkeitszielen zählt auch die Ökonomie», sagte er.

Als Gegner von Spermasexing meldete sich unter anderen auch Herman Lutke Schipholt zu Wort. Er verwies auf den Antrag an die Bio-Suisse-DV, den Demeter kürzlich eingereicht hatte, dass man die Entscheidung über die Zulassung von Spermasexing um ein Jahr verschieben solle. Dabei erhob sich ein Gemurmel im Saal. Da das Thema schon zigfach diskutiert worden sei, mache eine Verschiebung um ein Jahr wenig Sinn.

Ein Teilnehmer brachte die Voten, die auf eine Grundsatzdiskussion hinausliefen, auf den Punkt: «Alle diskutieren mit – auch wenn es sie nicht direkt betrifft.» 90 Prozent der Milchviehhalter seien dafür – aber es laufe wie bei den Legehennen, wo 90 % der Legehennenhalter für die In-Ovo-Geschlechtsbestimmung gewesen seien, die Zulassung aber abgelehnt worden sei.

Bio-Suisse-Vorstand für Spermasexing

Im Gegensatz zu früheren, gescheiterten DV-Geschäften über Spermasexing, stehe dieses Mal auch der Vorstand von Bio Suisse zur Zulassung, erklärte Bio-Suisse-Vorstandsmitglied Rahel Beglinger, die eigens aus Mollis an den Strickhof Wülflingen angereist war.

Auch an der Konsultativabstimmung an der Hauptversammlung zeigte sich, dass zwei Drittel der Zürcher und Schaffhauser Biolandwirt(innen) für die Zulassung sind.

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