«Im Vordergrund steht nicht mehr die Grundsatzfrage: Funktioniert das bei uns? Vielmehr geht es um praktische Fragen wie die passende Zusammensetzung für Futtergehölze oder die Abstimmung einer Fruchtfolge auf die Erntezeitpunkte von Obstsorten, die in den Acker integriert wurden.»
Mit diesen zuversichtlichen Worten eröffnet Niklaus Trottmann vom LZ Liebegg die Veranstaltung Agroforst im Aargau. Dass der Kanton Aargau gewählt wurde, sei bewusst, damit man sehe, dass solche Projekte in der eigenen Region bereits Wurzeln geschlagen haben. «Agroforst hat seinen Ruf als verrückte Idee abgestreift und ist im bäuerlichen Leben angekommen.»
Verschiedene Motivationen, warum eine Agroforstanlage angelegt wird
Im Kanton Aargau werden rund 16 Betriebe von Mareike Jäger, Mitinhaberin von Silvo Cultura, und ihrem Team betreut. Die Motivation der Betriebe ist unterschiedlich: von Diversifizierung über Resilienzsteigerung in Zeiten des Klimawandels und Biodiversitätsförderung bis hin dazu, etwas Neues auszuprobieren, führt Jäger auf.
Die Komplexität des Systems ist abhängig vom Nutzungszweck und von den gewählten Baumarten: Nuss- und Kastanienbäume, deren Pflegeaufwand gering ist, Wertholzsysteme und Kernobst. Letzteres ist anspruchsvoller, weil der Pflegeaufwand der Bäume wesentlich höher und die Erntezeitpunkte von Acker und Bäumen gut aufeinander abgestimmt sein müssen. Eine Alternative bieten hier Wildobstbäume.
Berichte aus der Praxis
Dazu liefert Rolf Treier, Landwirt und Förster, als einer der Gewinner des Förderpreises Agroforst Aargau 2023, spannende Fakten aus der Praxis. Seine Parzelle befindet sich angrenzend an den Wald. Er hat die Rundung des Waldrandes auf die Baumreihen übernommen und die Bäume rund einen halben Meter erhöht gepflanzt für eine bessere Wassernutzung. «Im Winter ist es bei uns im Fricktal nass, im Frühling bald trocken und im Sommer furztrocken», beschreibt Treier seine Region. Die Baumreihen befinden sich nicht exakt auf den Keylines, also den Höhenlinien, aber die Richtung stimme. «Mir war es wichtig, alle Bereiche zu bedienen: das Soziale, das Ästhetische, das Landschaftsbild, den Naturschutz und Biodiversitätsfördermassnahmen in den Baumreihen.» So zählt sein Betrieb nun rund 450 Hochstammbäume, rund 120 Kleinstrukturen, darunter an die 40 Ster Holz, Steinhaufen, Benjeshecken und diverse Weiher. Angelegt ist das Agroforst-Projekt als Hochstammfeldobstgarten.

Gehölze als Futtermittel für Wiederkäuer
Auch Karin Wüthrich vom Ziegenhof aus Elfingen kennt das Thema Trockenheit, am Südhang, ebenfalls im Fricktal. Sie hat dort 11 Einheiten Hecken gepflanzt, die sie zukünftig jeweils abschnittsweise von ihren Ziegen beweiden lassen will.
Pirmin Adler, vom Betrieb Adlerzart, nutzt seine Agroforst-Hecken sowohl als Futtermittel über das Laub als auch als Einstreu in Form von Hackschnitzeln für die positive Wirkung auf die Gesundheit der Rinder und Hühner sowie zur Aufwertung der Hofdünger. Das Laub enthalte Proteine, Mineralien, Spurenelemente und Tannin.
Die Gehölze können helfen, den Parasitendruck zu managen, und haben positiven Einfluss auf den Stoffwechsel, die Nieren und die Leber. Um die Wurzeln der Hecken in die Tiefe zu erziehen, hat er eigens ein Gerät gebaut, das mit einer grossen Scheibe einen Schlitz in den Boden macht und so die Flachwurzeln durchtrennt.
Das FiBL betreibt eine eigene Agroforstanlage zu Forschungszwecken
Das FiBL in Frick hat auf einer Fläche von 1,7 Hektar auch ein Agroforstsystem angelegt. Zwischen den Baum- und Heckenreihen liegen Ackerstreifen von 24 Metern Breite. Die Gehölze in den Reihen stehen eng und sind bewusst verschieden hoch gewählt. Es wechseln sich etwa Pappeln mit Quitten ab, um verschiedene Ebenen zu erzeugen. Die ersten Herausforderungen der Forschungsparzellen offenbarten sich bereits: Der Boden ist so steinig, dass sich die Probeentnahmen als schwierig herausgestellt haben. Mareike Jäger schliesst mit konkreten Zahlen ab: «Wir rechnen pro Hektar Agroforst mit 12 000 bis 15 000 Franken.»

