In einer Zeit, in der Importdruck, volatile Märkte und hohe Investitionskosten viele Unternehmen bremsen, setzte die Biofarm bewusst ein Zeichen. Die Genossenschaft investierte in nachhaltige Infrastruktur, eine weitgehend eigenständige Energieversorgung und die langfristige Stärkung der einheimischen Biolandwirtschaft.
Ein Bekenntnis zum Schweizer Biolandbau
Die Biofarm-Genossenschaft gehört seit Jahrzehnten zu den tragenden Säulen des Schweizer Biolandbaus. Für zahlreiche Bauernfamilien ist sie weit mehr als eine Vermarktungsorganisation. Sie übernimmt Getreide, Obst, Ölsaaten, Hülsenfrüchte und verschiedene Spezialkulturen, verarbeitet diese und bringt sie auf den Markt. Damit schafft sie für viele Biobetriebe überhaupt erst die Voraussetzung, ihre Produkte erfolgreich abzusetzen.
An der 54. Generalversammlung im neuen Betriebsgebäude in Huttwil BE machte Präsident und Geschäftsführer Hans-Ulrich Held deutlich, dass die Genossenschaft auch künftig konsequent auf Schweizer Knospe-Produkte setzen will. Der Neubau sei deshalb weit mehr als ein Infrastrukturprojekt. Er stehe für ein klares Bekenntnis zur heimischen Biolandwirtschaft und deren langfristiger Entwicklung.

Mutiger Schritt in wirtschaftlich unsicheren Zeiten
Der Entscheid für den Neubau fiel nicht in einer einfachen Phase. Die Biomärkte entwickeln sich zunehmend anspruchsvoll.
Trotzdem entschied sich die Biofarm für eine Investition in die Zukunft. Der bisherige Standort in Kleindietwil BE war an seine Grenzen gestossen. Mit dem Umzug nach Huttwil entstanden moderne Arbeitsplätze, grosszügige Lagerflächen sowie neue Kühl- und Tiefkühllager. Herzstück der Anlage ist ein modernes Hochregallager mit rund 2200 Palettenplätzen. Der Neubau schafft die Voraussetzungen, um Warenströme effizienter zu organisieren und die Versorgungssicherheit weiter zu verbessern.
Dass die Verantwortlichen auch im Rückblick von ihrer Entscheidung überzeugt sind, machte Hans-Ulrich Held unmissverständlich klar. «Wir würden den Neubau auch heute noch genauso planen und bauen», sagte er vor den 125 anwesenden Genossenschaftern und Genossenschafterinnen.
Die Rechnung 2025 schloss trotz der hohen Investitionen mit einem kleinen Reingewinn von 56 000 Franken ab. Zudem wurde Verwaltungsrat Stefan Brunner einstimmig wiedergewählt.
Nachhaltigkeit beginnt beim Gebäude
Auf den Gebäuden wurde eine leistungsfähige Photovoltaikanlage installiert. Zusammen mit einem Batteriespeicher ermöglicht sie eine weitgehend eigenständige Energieversorgung und verbessert die Nutzung des selbst produzierten Stroms erheblich. Ergänzt wird das System durch ein intelligentes Kühlsystem, das den Energieverbrauch optimiert und die vorhandene Energie möglichst effizient einsetzt.
Gerade bei einem Betrieb mit grossen Kühl- und Tiefkühllagern spielt der Stromverbrauch eine zentrale Rolle. Die Verbindung von Photovoltaik, Speichertechnologie und intelligenter Steuerung zeigt, wie sich wirtschaftliche und ökologische Ziele miteinander verbinden lassen.

Gute Ernten bringen neue Herausforderungen
Das Landwirtschaftsjahr 2025 brachte vielerorts hervorragende Erträge. Besonders bei Getreide konnten zahlreiche Produzenten sehr gute Mengen und Qualitäten erzielen. Weizen, Roggen, Hafer und Dinkel überzeugten vielerorts mit erfreulichen Proteinwerten und hohen Hektolitergewichten.
In verschiedenen Kulturen übersteigt das Angebot inzwischen die Nachfrage. Die Lagerbestände sind hoch und setzen die Produzentenpreise unter Druck. Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung beim Speisehafer. Obwohl diese Kultur aus pflanzenbaulicher Sicht sehr wertvoll ist und hervorragend in biologische Fruchtfolgen passt, fehlen teilweise stabile Absatzmöglichkeiten.
Biofarm engagiert sich deshalb gemeinsam mit Bio Suisse und verschiedenen Marktpartnern für neue Vermarktungslösungen. Positiv entwickelt sich etwa die Nachfrage nach Schweizer Knospe-Sonnenblumenöl. Neue Partnerschaften schaffen zusätzliche Absatzmöglichkeiten und eröffnen den Produzenten neue Perspektiven.
Vermarktung ist die Schlüsselaufgabe
Die Zukunft des Schweizer Biolandbaus entscheidet sich nicht mehr nur auf dem Feld, sondern im Markt. Deshalb investiert die Biofarm in Gebäude und Technik, aber auch in den Ausbau ihrer Vermarktungsaktivitäten.
Ein bereichsübergreifendes Vermarktungsteam soll Landwirtschaft und Verkauf noch enger miteinander verbinden. Ziel ist es, neue Absatzkanäle zu erschliessen und die Position von Schweizer Bioprodukten im Handel zu stärken.
Dabei setzt die Genossenschaft bewusst auf den direkten Kontakt mit Konsumentinnen und Konsumenten. Degustationen, Produktmuster und Veranstaltungen sollen die Qualität und die Herkunft der Produkte sichtbar machen. Der grosse Publikumsaufmarsch am Tag der offenen Tür in Huttwil zeigte, dass das Interesse an regional produzierten Bioprodukten weiterhin vorhanden ist.

Pioniere schrieben die Geschichte der Biofarm
Werner Scheidegger, der Gründer, langjähriger Wegbereiter und Mitgestalter von Biofarm, konnte krankheitsbedingt nicht an der Generalversammlung teilnehmen. Scheidegger gehört zu jenen Pionieren, die den biologischen Landbau in der Schweiz aufgebaut und geprägt haben – zu einer Zeit, als Bio noch eine Nischenbewegung war und vielerorts belächelt wurde. Die Entwicklung der Biofarm von einer Produzentengemeinschaft zu einer national bedeutenden Absatz- und Vermarktungsorganisation ist eng mit der Persönlichkeit von Werner Scheidegger verbunden.
Mit Zuversicht nach vorn in Richtung «Biofarm 3.0»
Die Biofarm steht heute vor grossen Herausforderungen. Klimatische Unsicherheiten, schwankende Märkte und der zunehmende Konkurrenzdruck durch Importprodukte werden die Branche auch in den kommenden Jahren beschäftigen. Dennoch vermittelt der neue Standort in Huttwil eine klare Botschaft: «Die Genossenschaft glaubt an die Zukunft des Schweizer Biolandbaus.»
Mit modernen Lager- und Verarbeitungskapazitäten, einer durchdachten Energiestrategie und einer engen Zusammenarbeit mit den Produzenten schafft sie die Voraussetzungen dafür, dass Schweizer Bioprodukte auch künftig erfolgreich vermarktet werden können. Der Neubau ist deshalb weit mehr als ein neues Gebäude – er ist ein sichtbares Zeichen für Mut, Innovationskraft und Vertrauen in die Zukunft der biologischen Landwirtschaft.

