Zugegeben, geht es einzig um die Legeleistung, muss man sich keine Rassenhühner zulegen. Je nachdem legen diese nur halb so viele Eier wie Legehybriden. umso mehr punkten sie auf dem Hühnerhof mit Schönheit und Einzigartigkeit. Gerade für einen Betrieb mit Direktvermarktung und Hofladen, in dem viele Kundinnen und Kunden ein und aus gehen, kann eine bunte Hühnerschar eine Magnetwirkung haben. Wir stellen fünf Rassen vor, die den Hühnerstall bereichern:

Orpington - die Gemütliche

Die englische Hühnerrasse wurde erstmals 1886 an einer Ausstellung gezeigt. Nach der Züchtung von schwarzen, weissen und gelben Exemplaren entstanden viele weitere Farbschläge. Die Orpington-Henne wirkt mit dem rundum üppigen und flaumigen Federkleid auffallend ausladend. Es heisst, sie sei ein «würfelförmiges» Huhn. Dies ist nicht wortwörtlich zu verstehen, sondern bedeutet lediglich, dass Höhe, Breite und Länge in einem ähnlichen Verhältnis zueinanderstehen. Aufgrund seines gemütlichen und zugewandten Wesens eignet sich die Rasse auch für Einsteiger(innen) in die Hühnerhaltung. Auch ist nicht zu befürchten, dass es aus dem Hühnerhof türmt: Orpingtons können zwar flattern, wenn es sein muss, sie sind jedoch miserable Flieger. Die Henne erreicht ein Gewicht von 3-3,5 kg, der Hahn wird 4-4,5 kg schwer. Die Legeleistung beträgt rund 180 Eier im ersten Jahr, punkto Eiergewicht ist mit rund 55 Gramm zu rechnen. Viele Orpington-Hennen erweisen sich als Glucken, daher kommen sie auch für die Naturbrut in Frage. 

Seidenhuhn – die Glucke

Das Seidenhuhn ist eine alte Haushuhnrasse aus Ostasien. Sein Name verdankt es seiner flauschigen Erscheinung. Einst erzählte man sich, es handle sich um eine Kreuzung zwischen Huhn und Kaninchen. Flauschig ist es jedoch deshalb, weil den Federn die Häkchen fehlen, die das Gefieder vieler Vögel zu einem Geflecht verbinden. Daher schützt ihr Federkleid kaum vor dem Regen, entsprechend ist für einen Unterstand zu sorgen. Die Füsse des Seidenhuhns sind ebenfalls befiedert, und es besitzt nicht nur vier, sondern fünf Zehen. Auf dem Kopf trägt es zudem einen Schopf. Am häufigsten verbreitet ist die weisse Farbvariante, inzwischen wird jedoch eine Vielzahl von Farbschlägen gezüchtet. Seidenhühner sind ruhig, zahm und werden manchmal sogar anhänglich. Zudem sind viele Vertreterinnen dieser Rasse gute Glucken und lassen sich daher als Ammen für die Naturbrut einsetzen. Das Seidenhuhn legt rund 90 Eier jährlich, vor allem im Winterhalbjahr. Sein Gewicht beträgt rund 1-1,3 kg (Hahn 1,2 – 1,5 kg), die Eier sind rund 40 Gramm schwer.

Araucana – die Grünlegerin

Die Rasse, deren Ursprung im südlichen Südamerika liegt, ist in verschiedener Hinsicht auffallend: Zum einen fehlen ihr aufgrund einer Mutation die letzten Schwanzwirbel sowie die Bürzeldrüse. Dazu kommt, dass einige Exemplare Bärte oder an seitlich am Kopf Büschel tragen. Ausserdem haben es viele Hühnerhalter(innen) auf ihre Eier abgesehen: Diese sind nicht weiss oder braun, sondern weisen einen grünen, häufig türkisfarbenen Farbton auf. Araucanas sind daher auch als «Grünleger» bekannt. Die Rasse gibt es in zahlreichen Farbschlägen. Die Henne ist 1,6-2 kg, der Hahn 2-2,5 kg. Die Legeleistung der als zutraulich geltenden Hennen beträgt rund 180 Eier pro Jahr. Die Eier weisen ein Gewicht von etwa 50 Gramm auf. Eine Weiterzüchtung aus Schottland ist die Lavender-Araucana: Diese besitzt im Unterschied zu den originalen Araucanas einen Schwanz sowie ein einheitliches, hellgraues Gefieder, das vom Farbton her an Lavendel erinnern soll.[IMG 2]

Marans – die Schokolegerin

Die kräftig gebaute und robuste Marans mit den leicht befiederten Läufen stammt ursprünglich aus der französischen Atlantikregion. Sie wurde Ende des 19. Jahrhundert in der Gemeinde Marans gezüchtet. Es sind eine Vielzahl von Farbschlägen verbreitet, die wohl häufigste Variante ist Schwarz-kupfer. Marans sind lebhafte Hühner, die gut fliegen können. Die Henne erreicht ein Gewicht von etwa 2,5-3 kg, der Hahn rund 3,5-4 kg. Marans sind Zweinutzungshühner, die sowohl für ihr Fleisch wie auch betreffend Legeleistung gefragt sind. Diese beträgt etwa 170 Eier pro Jahr. Ein Ei bringt stattliche rund 65 Gramm auf die Waage. Eine Spezialität der Marans-Henne ist, dass sie dunkelrotbraune Eier legt, deren Farbe an Schokolade erinnert. Daher ist die Rasse besonders unter Liebhaber(innen) von Buntlegern beliebt, um die Farbpalette des Eiersortiments zu erweitern. Zudem: Aus Kreuzungen zwischen Marans und Grünlegern können Hennen entstehen, die olivfarbene Eier legen.[IMG 3-4]

Appenzeller Spitzhaube – die Überfliegerin

Die Rasse ist vermutlich im 15. Jahrhundert in Klöstern in der Schweizer Alpenregion aus französischen und niederländischen Haubenhühnern gezüchtet worden. Im letzten Jahrhundert geriet die Appenzeller Spitzhaube immer mehr in Vergessenheit, bis sie Pro Specie Rara in ihr Förderprogramm aufnahm. Inzwischen hat sich der Bestand erholt, und die Rasse mit dem schönen Federkleid (in fünf Farbschlägen) und dem ausgefallenen Kopfschmuck hat weitherum an Beliebtheit gewonnen. Die Henne ist 1,2-1,5 kg schwer (Hahn: 1,5 bis 1,8 kg), ihre Legeleistung beträgt jährlich etwa 130 Eier mit weisser Schale. Die leichte und filigrane Erscheinung sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich bei den Appenzeller Spitzhauben um robuste Hühner handelt. Sie gelten als sehr lebhaft und benötigen viel Freilauf. Zudem sind sie gute Flieger und lieben es – oft zum Verdruss ihrer Besitzer(innen) – , auf Bäumen zu sitzen oder sogar dort zu übernachten. Daher ist es bei der Haltung von Appenzeller Spitzhauben wichtig, den Auslauf genügend hoch einzuzäunen.[IMG 5]

In den hiesigen Hühnerhöfen und Gärten sind verschiedenste Hühnerrassen vertreten. Es gibt Dutzende von Grossrassen und fast ebenso viele entsprechende Zwergrassen. Wer auf eine gemischte Schar setzen will, sollte darauf achten, Rassen mit ähnlichen Eigenschaften und Bedürfnissen zu kombinieren. Auch lassen sich unter Umständen Zwerge und Grosse gemeinsam halten, wenn sie vom Typ her zusammenpassen und sich in der Grösse nicht zu sehr unterscheiden. Seidenhühner beispielsweise sind ähnlich gross wie manche Zwergrassen.

Wie das Ei zur Farbe kommt
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Nein, das hat nichts mit Ostereier-Malerei zu tun: Welche Farbe ein Ei hat, wird von der Genetik der Hühnerrasse bestimmt. Es ist die Schalendrüse im Legedarm der Henne, die dafür sorgt, dass Farbpigmente in die Kalkschale eingelagert werden. Diese stammen aus dem Blut oder von der Galle. Je nach genetisch festgelegter Mischung der Farbpigmente kommt es zu einer bestimmten Eierfarbe. Fehlt das für die Farbbildung zuständige Gen, gibt es weisse Eier.