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«Fragt man nach meinem Beruf, sage ich Mutter – und die Frau des Bauern», sagt die Quereinsteigerin Michelle Beck

Michelle Beck kam als Quereinsteigerin auf den Hof ihres Mannes in Hohentannen TG. Heute gestaltet sie dort den Alltag mit zwei kleinen Kindern, Gartenarbeit, Buchhaltung und ihrem Engagement bei den Landfrauen mit viel Herzblut. Nicht fehlen darf der tägliche Besuch bei Lieblingskuh Blüemli.

«Es war für mich ein besonderer Moment, als ich Mitte März 2026 in den Vorstand des Thurgauer Landfrauenverbandes gewählt wurde. Der TLFV ist meine Herzensangelegenheit», sagt Michelle Beck. Die Landfrau war zuvor bereits im örtlichen Landfrauenverein von Bischofszell und Umgebung.

Ihr gefällt dabei unter anderem das Zusammensein und der persönliche Austausch zwischen Frauen aus verschiedenen Generationen. Sie lebt mit ihrem Mann Dominik und ihren beiden Kindern, einem einjährigen Mädchen und einem vierjährigen Jungen, auf einem Landwirtschaftsbetrieb im thurgauischen Hohentannen.

«Ich habe keine Bäuerinnenausbildung»

Der wichtigste Betriebszweig der Familie Beck ist die Milchwirtschaft mit über 50 Kühen und Kälbern, die sie zur Aufzucht weitergeben. «Werde ich nach meinem Beruf gefragt, sage ich, dass ich Mutter und die Frau des Bauern bin. Bäuerin bin ich nicht, ich habe keine Bäuerinnenausbildung», stellt sie klar.

Selbstverständlich könne sie ihren Mann entsprechend vertreten, wenn er auswärts ist und beispielsweise gerade dann ein Tierarzttermin ansteht, erzählt Michelle Beck. Dann erteilt sie die für die Behandlung nötigen Auskünfte. Beck ist nicht regelmässig bei den Kühen, die Stallarbeit ist die Domäne ihres Mannes.

Die gesprenkelte Lieblingskuh war ein Geschenk des Mannes

Wenn sie in den Stall geht, besucht sie meistens als Erstes ihre Lieblingskuh Blüemli. Die Kuh mit dem auffällig gesprenkelten Fell ist ein Geschenk ihres Mannes. Kürzlich bekam Blüemli Nachwuchs.

Michelle Beck sagt, dass ihre Prioritäten derzeit bei der Kinderbetreuung, dem bäuerlichen Haushalt und dem Garten liegen. Sie pflanzt vor allem Gemüse für die Eigenversorgung an. Dass auch der Garten zu ihren Herzensangelegenheiten gehört, darüber geben auch die Ordner auf dem Stubentisch mit der Aufschrift «Rund ums Gartenjahr» Aufschluss. Diese enthalten Anleitungen und Empfehlungen aus der Beratung am Arenenberg.

Saatexperimente sind erwünscht

«Eigentlich wollte ich 2020 am Arenenberg einen Kurs dazu besuchen.» Dann kam Corona und alles verlagerte sich auf das Studium in der Theorie: Für die Gartenarbeit sei das Motto «Probieren geht über Studieren» sehr empfehlenswert. Zum Zeitpunkt unseres Gesprächs im Frühjahr spriesst das Grün noch spärlich.

Das hält Michelle Beck nicht davon ab, ein Saatbett vorzubereiten und, wo nötig, zu jäten. «Ich musste es zwar erst lernen, aber es entlastet, wenn man im Garten von der Perfektion abweicht. Nicht alles gedeiht, und spannend finde ich die Saatexperimente, an denen sich mein Sohn bereits begeistert beteiligt.»

«Fragt man nach meinem Beruf, sage ich Mutter – und die Frau des Bauern», sagt die Quereinsteigerin Michelle Beck
Blüemli ist ihre Lieblingskuh - und ein Geschenk ihres Mannes, Michelle Beck besucht sie jeden Tag.

Beim Blick in den Kuhstall ins Gespräch kommen

Rückblickend auf die letzte Gartensaison hat ihr besonders das Verarbeiten von Gemüse und Beeren zu Produkten grosse Freude bereitet. Sie stellte viel Sirup und Konfitüren für die Familie her.

Michelle Beck hat eigene Hühner. Es war ein Schock, als sie kürzlich den Hühnerstall betrat und feststellte, dass es einem Fuchs gelungen war, ins Gehege einzudringen. «Es war kein schöner Anblick, ein Huhn lag regelrecht massakriert am Boden. Seither gilt, dass die Hühner vor Sonnenuntergang in den Stall müssen.»

Im Aussengehege hängen seither zusätzlich reflektierende Bänder, die auch den Milan fernhalten. Anfänglich hatte sie nur ein Dutzend Hühner, möchte aber bald die Herde um einige Tiere aufstocken. Weil bereits jetzt mehr Eier anfallen als die Familie benötigt, verkauft sie, im privaten Rahmen, davon auch an Kolleginnen im Dorf.

In Hohentannen wohnen viele Familien mit Kindern. Manche Eltern fragen das Ehepaar Beck, wenn sie am Hof vorbeispazieren, ob sie einen Blick in den Kuhstall werfen dürfen. Die Familie erachtet dieses Interesse als Chance, mit der nicht bäuerlichen Bevölkerung ins Gespräch zu kommen und ihnen auf authentische Art die Landwirtschaft näher zu bringen.

Eine völlig neue Lebenswelt kennengelernt

Die Beschäftigung im Garten und bei den Tieren stellt für Michelle Beck einen Gegenpol zur konzentrierten Arbeit am Schreibtisch für die betriebliche Buchhaltung dar. Seit sie vor rund sieben Jahren «ihre Zelte im Zürcher Oberland abbrach» und zu ihrem Mann nach Hohentannen zog, lernte sie eine völlig neue Lebenswelt kennen.

Sie wuchs in Wila ZH auf, absolvierte eine Lehre in einem Reisebüro und arbeitete unter anderem bei einer Bank. Im Sommer 2017 lernte sie ihren Mann Dominik kennen. Er konnte im Januar 2019 den elterlichen Betrieb in Hohentannen übernehmen. Bald stand fest, dass künftig hier der Lebensmittelpunkt des Paares sein würde.

Beck blieb in reduziertem Anstellungspensum immer im Erwerbsleben

Michelle Beck behielt ihre Teilzeitstelle bei einer Buchhaltungs- und Treuhandgesellschaft, die unter anderem für KMUs und die Schweizer Landwirtschaft tätig ist, auch nach der Heirat und bis zur Geburt ihres ersten Kindes.

Daneben führt sie die Kasse des örtlichen Milchlieferungsvereins. «Es ist mir wichtig, auch mit reduziertem Anstellungspensum, im Erwerbsleben zu bleiben. Da trifft es sich ideal, dass ich Arbeit habe, die ich zu Hause ausüben kann.»

Michelle Becks Eltern kommen ein- bis zweimal pro Monat nach Hohentannen, helfen bei Gartenarbeiten und freuen sich auf Zeit mit ihren Enkelkindern. Ihr Vater lernte Landwirt, führte selbst keinen Hof, arbeitete jedoch in der Lebensmittelbranche.

«Hier wohnt eine Rasselbande»

Michelle Beck empfindet es als Privileg, dass ihre Kinder in einer Umgebung aufwachsen, die ihnen tagtäglich neue Entdeckungen bietet. Es ist ihr wichtig, die Kinder bei ihren Arbeiten einzubeziehen, sei es im Garten oder beim Backen.

Der Alltag mit den Kindern folgt dem Motto, welches die junge Mutter auf einer Acryltafel am Hauseingang angebracht hat: «Hier wohnt eine Rasselbande. Wir lachen, werden schmutzig, weinen, spielen, machen Unsinn, sind mal lieb, mal nicht – aber sind glücklich dabei.»

Beim Rundgang durch die Mostobstanlagen, unmittelbar neben ihrem Wohnhaus, erzählt Michelle Beck, dass ihr Mann sich vor einem Jahr dazu entschied, den Betriebszweig des Mostobstanbaus zu erweitern. Die Chance dazu bot sich der Familie, weil sie mehr Pachtland bekamen.

Die Mostobstsaison im letzten Herbst, von Mitte August bis Mitte November, sei eine strenge, aber auch tolle Zeit gewesen. Letztlich seien dann aber alle erleichtert gewesen, als der letzte Kipper mit Mostobst die Fahrt nach Zihlschlacht aufnahm.

Fragen an Michelle Beck

Was können Sie besonders gut? Ich bin ein Organisationstalent und seit ich Mami bin, konnte ich dies sogar noch optimieren. Worüber können Sie lachen? Über lustige Geschichten, die wir im Familien- und Freundeskreis austauschen. Es gibt zum Glück jeden Tag diverse Gründe, über die ich herzhaft lachen kann. Welches Landwirtschaftsthema beschäftigt Sie besonders? Mein Wunsch ist es, die Wichtigkeit und Schönheit der Landwirtschaft nach aussen zu tragen. Welchen Traum möchten Sie verwirklichen? Mit meinem Mann nach Island zu reisen, dazu habe ich ihm das Buch «Bauer Beck fährt weg» geschenkt. Das ist übrigens auch eine Geschichte, die mich immer wieder erheitert, wenn ich sie lese. Wie belohnen Sie sich selbst? Mit einer Tasse Kaffee in meinem Garten und mit Ferien im Wallis.

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