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«Er musste dem Viehhändler erst erklären, dass ich entscheide»

37 % der Schweizer Landwirtschaftsbeschäftigten sind Frauen – doch kaum eine leitet einen Betrieb. Eine Ausstellung im Ballenberg zeigt, warum das so ist.

Ein rosarot bemalter Traktorpneu steht auffällig vor dem Ostermundigen-Haus im Freilichtmuseum Ballenberg. Er zieht den Blick auf sich und lädt dazu ein, die Ausstellung zum Thema «Frauen in der Landwirtschaft: gestern – heute – morgen» zu besuchen. Rosarot ist auch die Grundfarbe der Ausstellung. Der Landwirtschaftliche Informationsdienst (LID) hat das internationale UNO-Jahr der Landwirtinnen und Bäuerinnen zum Anlass genommen, um in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverband (SBLV) und dem Freilichtmuseum Ballenberg eine Ausstellung zur Stellung der Frauen in den Schweizerischen bäuerlichen Betrieben zu gestalten, wie Nina Hübner vom LID ausführt.

UNO-Jahr soll Bewusstsein für gerechtere Strukturen schaffen

Das UNO-Jahr der Bäuerinnen und Landwirtinnen soll weltweit das Bewusstsein für Ungleichheiten stärken und Regierungen, Organisationen und Gesellschaften dazu bewegen, Frauen in der Landwirtschaft gezielt zu fördern, ihre Rechte zu stärken und gerechtere Strukturen zu schaffen.

Erika Schläppi, Mitglied des CEDAW-Ausschusses (Committee on the Elimination of Discrimination against Women), erinnerte in ihrer Ansprache daran, dass Frauen und Männer in der Landwirtschaft noch nicht gleichgestellt sind, obwohl sie einen wesentlichen Beitrag zur landwirtschaftlichen Produktion leisten. Zur Schweiz bemerke der Ausschuss, dass Frauen zwar regelmässig mehr als 60 Stunden pro Woche arbeiten, aber nur 30 % der Arbeitszeit bezahlt sind. 37 % aller Beschäftigten in der Landwirtschaft in der Schweiz sind Frauen, jedoch nur knapp 8 % der Betriebsleitenden weiblich. «Einige dieser Frauen beklagen, dass sie nicht als Betriebsleitende wahrgenommen werden und männliche Geschäftspartner nach wie vor nach dem Mann im Hof verlangen», führte Schläppi aus. Viele Frauen würden als weniger kompetent wahrgenommen. Die Arbeitsbelastung sei vielerorts sehr hoch, die Anerkennung hingegen immer noch klein. «Die Zahlen belegen eindrücklich, wie wichtig Frauen sind, und wie viel sie zur Landwirtschaft und damit auch zur Ernährungssicherheit beitragen», so Erika Schläppi.

Anne Challandes, Präsidentin des Schweizerischen Landfrauenverbandes (SBLV), erklärte, dass «es für fast alle Frauen gilt, dass zusätzlich zur Arbeit auf dem Betrieb nach wie vor ein grosser Anteil an Haushalt, Kinderbetreuung und Care-Arbeit an ihnen hängen bleibt.» Das gäbe ein grosses Pensum, das Frauen selbstverständlich bewältigen und das meist nicht entsprechend entlohnt werde. Immerhin sei der Anteil der entlöhnten Arbeitsstunden dank der nationalen Sensibilisierungskampagne der letzten Jahre von 31 % auf immerhin 55 % gestiegen.

«Er musste dem Viehhändler erst erklären, dass ich entscheide»
Das Logo der Ausstellung (gestaltet von Mirjam Loosli).

Eindrückliche Porträts machen Vielfältigkeit sichtbar

Die Ausstellung macht sichtbar, was oft im Verborgenen geschieht. Sie gibt Einblick in den Frauenalltag auf Bauernbetrieben und zeigt, wie viel Kraft und Verantwortung hinter ihrer Arbeit für die Landwirtschaft steckt. Die Vielfältigkeit der Frauen wird eindrücklich mit zwölf stimmungsvollen Porträts gezeigt, die stellvertretend für die unterschiedlichen Lebensentwürfe stehen. Sie zeigen Landwirtinnen, die virtuos ihre Maschinen zu bedienen wissen und Bäuerinnen, die mit Stolz backen und den Hofladen in Schwung halten. Der SBLV hat die gelungenen Porträts für die Ausstellung produziert.

Gestern – heute – morgen

Zur Eröffnungsfeier eingeladen waren auch drei Frauen, die die Diversität der Frauen in der Landwirtschaft repräsentierten: Nina Hirsig, eine junge Frau, die in der Zweitausbildung zur Landwirtin ist. Sie griff das alte Klischee auf, dass sie beim Rückwärtsfahren mit Traktor und Anhänger immer noch gut beobachtet werde von ihren männlichen Berufskollegen. Caroline Schori, die mit ihrem Mann einen Hof im Jura bewirtschaftet und als Floristin arbeitet, sowie Brigitte Müller, eine Bäuerin, die frisch pensioniert ist. Eindrücklich erzählte auch sie aus ihrem Leben. Sie führte den Hof mit den Kindern tagsüber allein. Ihr Mann arbeitete auswärts, weil das Heimet zu klein war, um das Überleben der Familie zu sichern. «Der Viehhändler hatte nach jedem Handel zuerst mit meinem Mann telefonisch Rücksprache gehalten, bis er ihm erklärte, dass ich sein volles Vertrauen geniesse und durchaus in der Lage bin, diese Entscheidungen zu treffen.»

Die Ausstellung im Ostermundigen-Haus des Freilichtmuseums Ballenberg kann noch bis 1. November besichtigt werden.

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