Wer den Hof Horn oberhalb von Trimbach SO besucht, merkt schnell: Hier ist vieles anders als auf einem gewöhnlichen Landwirtschaftsbetrieb. Zwischen 750 und 950 Metern über Meer, auf Gelände der Schweizer Armee, führt Rebekka Strub einen Betrieb, der nicht nur durch seine Lage, sondern auch durch seine Philosophie und Tierhaltung heraussticht. Die Schweizer Agrarjournalisten (SAJ) luden zur Frühlingsexkursion auf den 45 Hektaren grossen Betrieb ein. Auf dem Hof gibt es viel zu entdecken – auch wenn zwei Drittel davon im Schiessgebiet liegen. Schiessanlagen, Handgranatenplätze und Langdistanzbahnen gehören hier zum Alltag. Immer wieder müssen darum die Tiere vor militärischen Übungen auf andere Weiden getrieben werden.

Ein Hof, der neu entstehen musste

Dass der Hof heute so dasteht, ist keine Selbstverständlichkeit. 2013 zerstörte ein Brand das Bauernhaus. Es folgten Jahre des Wiederaufbaus, geprägt von zähen Verhandlungen mit Armasuisse, in deren Besitz sich der Betrieb befindet. Erst 2018 konnte das Wohnhaus bezogen werden, ein Jahr später war auch der Stall fertig. Während dieser Zeit lebten die Tiere in provisorischen Ställen und Zelten – eine Herausforderung, die Rebekka Strub mit grossem Durchhaltewillen meisterte. Parallel dazu absolvierte sie ihre Meisterprüfung.

[IMG 2]

Ein ungewöhnlicher Werdegang

Die Betriebsleiterin ist nicht den klassischen Weg gegangen. Nach einer Ausbildung zur Landschaftsgärtnerin reiste Rebekka Strub viel, arbeitete als Erlebnispädagogin – und entschied sich erst später, dafür umso klarer, für die Landwirtschaft. Sie übernahm den Betrieb 2017, nachdem ihre Eltern ihn bereits 1991 auf Bio umgestellt hatten. Heute arbeiten die Eltern noch im Stundenlohn mit, leben aber bewusst nicht mehr auf dem Hof. «Die Distanz tut unserer Beziehung gut», sagt Strub.

Tiere, die zum Gelände passen

Auf dem Hof leben rund 120 Tiere. Neben Schweinen, Hühnern, Pferden und Katzen prägen vor allem zwei Rinderrassen das Bild: Aubrac und Zebus.

Die Aubrac-Rinder stammen ursprünglich aus Südfrankreich und gelten als besonders robust. Mit ihrem ruhigen Wesen und ihrer Fähigkeit, auch karges Futter gut zu verwerten, sind sie ideal für die steilen Weiden am Jurasüdfuss. Rebekka Strub gehörte zu den ersten, die diese Rasse in der Schweiz etabliert haben. Die männlichen Jungtiere hält sie in einer separaten Gruppe und  verkauft sie als Zuchtstiere.

[IMG 3]

Noch ungewöhnlicher sind die Zebus. Die aus tropischen Regionen stammenden Tiere erkennt man sofort an ihrem markanten Buckel. Doch ihre wahre Stärke liegt in ihrem Fressverhalten: «Zebus fressen wie Geissen», erklärt Strub. Sie begnügen sich nicht mit Gras, sondern knabbern auch Sträucher, Disteln und Knospen – und leisten damit wertvolle Arbeit gegen die Verbuschung.

Im gut sortierten Hofladen verkauft Rebekka Strub einen Teil des Fleisches ihrer Tiere direkt.

Betriebsspiegel Hof Horn

Rebekka Strub, Trimbach SO

LN: 45 ha
Bewirtschaftung: Bio
Kulturen: Naturwiese
Tierbestand: 70 Stück Rindvieh (30 Aubrac, 40 Zebus), 30 Burenziegen, Freiland-Schweine (2 Moren und ihre Ferkel)
Betriebszweige: Zuchttiere, Direktvermarktung Fleisch, Hofführungen, Apéros und Hofanlässe
Arbeitskräfte: eine Lernende, Eltern (im Stundenlohn)

www.hofhorn.ch

Landschaftspflege auf vier Beinen

Auch Ziegen gehören zum Betrieb – insbesondere Burenziegen, die ebenfalls zur Offenhaltung der Landschaft beitragen. Dass diese Rasse lange Zeit im Kanton Solothurn nicht offiziell anerkannt wurde, brachte Rebekka Strub dazu, sich zu engagieren: Heute ist sie als Solothurnerin Präsidentin des Aargauer Ziegenzuchtverbands.

Der Hof Horn hat ein raues Jura-Klima. Intensiven Futterbau gibt es hier nicht: Einen dritten Schnitt macht Strub nur selten. Stattdessen setzt sie auf extensive Nutzung und Tiere, die mit den natürlichen Gegebenheiten zurechtkommen.

[IMG 4-5]

Respekt als Grundprinzip

Was den Hof jedoch besonders prägt, ist die Beziehung zwischen Mensch und Tier. «Sie können sich auf mich verlassen», sagt Rebekka Strub über ihre Herde. Vertrauen, Klarheit und Respekt sind die Grundpfeiler ihres Umgangs. Wenn Strub auf der Weide laut ruft, kommen alle Zebus wie ferngesteuert angerannt.

Die Kälber bleiben rund neun Monate bei ihren Müttern – deutlich länger als in vielen anderen Betrieben. Und auch am Lebensende weicht Strub ihren Tieren nicht von der Seite: «Ich bin vom ersten bis zum letzten Tag für sie da.» Ob Verkauf oder Schlachtung – sie begleitet fast jedes Tier persönlich. Diese Haltung berührt auch die Besucher(innen). Wenn Strub von ihren Tieren erzählt, wird klar: Hier geht es nicht nur um landwirtschaftlichen Verdienst, sondern um Verantwortung und Beziehung.

[IMG 6]

Ein Betrieb mit Perspektive

Neben der täglichen Arbeit engagiert sich Rebekka Strub auch überbetrieblich. Sie ist in Fachkommissionen von Mutterkuh Schweiz aktiv, vertritt dort den Club Suisse Aubrac und ist Ersatzdelegierte bei Bio Suisse Nordwestschweiz. Zudem verfügt der Hof über ein eigenes Brennrecht – damit verwertet Strub einen Teil des Obstertrages.

Mit Unterstützung ihrer Eltern und der Hilfe einer Lernenden führt Strub den Betrieb in die Zukunft. Einen Betrieb, der zeigt, wie nachhaltige Landwirtschaft auch unter schwierigen Bedingungen funktionieren kann. Oder wie es ein Besucher am Ende des Tages formuliert: «Mit viel Engagement und Herz wird hier, in einer harten Umgebung, standortgerechte, sinnvolle und tierfreundliche Landwirtschaft betrieben.»